kam . Der König , der , vom Momente seiner Thronbesteigung an , sich in Aufmerksamkeiten gegen die Kattes erging , hatte , wie er das liebte ( er war ein rechter Partienmacher ) , unter andern auch eine reiche Erbtochter , und zwar eine Rolas du Rosey , für den zweiten Sohn des Kammerpräsidenten ausgesucht . Die Kattes , ihrerseits verwöhnte Leute wollten sich nicht so ohne weiteres drangeben und deputierter den ältesten Bruder , um zu erforschen , » wie es eigentlich stünde « . Denn es war bekannt , daß der König nur Geld heiraten stiftete und körperliche Gebrechen nie als ernstliche Hindernis betrachtete . Ludolph August brach also auf . Er fand die Erbtochter derart , daß er , seines eigentlichen Auftrages vergessend , als verlobter Bräutigam nach Wust zurück kehrte . Der getäuschte Bruder fand sich ohne Schwierigkeit in das fait accompli und der König noch viel mehr . Ihm lag nur daran , den Kattes eine Guttat anzutun ; welchem Gliede der Familie , war zuletzt gleichgültig . Die Vermählung erfolgte und ein reiches , heiteres , glückliches Paar hielt seinen Einzug in Wust . Was Wust an Trümmern alter Herrlichkeit noch aufweist , stammt aus der Epoche , die nun begann . Aus dem Garten wurde ein großer Park mit künstlichen Teichen ; seltene Bäume , aus England über Hamburg bezogen , reihten sich zu Alleen , und zwischen den Stämmen der alten , vorgefundenen Ulmen , die nun zu Laubengängen hergerichtet waren , erhoben sich Statuen , unter Vorantritt von Flora und Pomona . Ein Verkehr begann , für den das Rheinsberger Leben das Vorbild , und das Leben in Tamsel , in Schwedt , in Friedrichsfelde die Parallelen lieferte : Schäferspiele , Theater im Freien , Grotten und Tempel , Koketterie und Courmachen , Kunstprätensionen ohne Sinn und Verständnis , wenig Witz und viel Behagen . Eine ganze Seite des Hauses bestand aus Gesellschaftszimmern , an den Wänden hin hingen große Tableaus , und die Tafel , wenn im Gartensaal gedeckt wurde , zeigte fürstliche Pracht . Auf der Tafel selbst aber , als Tafelaufsatz , standen die zwölf Apostel in Silber . Das Silberzeug , das auflag , hatte den Wert eines Rittergutes . Es verlohnte sich schon , diesen Reichtum zu entfalten , denn der Verkehr des Hauses ging über den benachbarten Landesadel hinaus und prinzliche Kutscher und Vorreiter waren damals eine häufige Erscheinung an dieser Stelle . Die Dame des Hauses war mit der Gemahlin des Prinzen Ferdinand , einer geborenen Prinzessin von Brandenburg-Schwedt , intim befreundet und man divercierte sich bei diesen Gelegenheiten um so mehr , als es in der Friderizianischen Zeit ein eigentliches Hofleben nicht gab und bei der Seltenheit großer Couren und dem Fehlen einer allgemeineren Hofgeselligkeit die kleinen Hofhaltungen ( an denen dann auch der reichere Landesadel teilnahm ) für das aufkomnen mußten , woran es im großen und ganzen gebrach . Das waren heitere , stolze Stunden , aber doch weit über die Mittel der alten märkischen Familien hinausgehend , und so kam es , daß Insolvenzen alsbald an der Tagesordnung waren . Die Elle ward überall länger als der Kram . Auch in Wust . Schon Ende der siebziger Jahre begann der Brunnen ziemlich trocken zu gehen ; eine Zeitlang kam wieder Zufluß , aber er entsprach nicht den Ansprüchen , die an ihn gemacht wurden . So , zwischen Hangen und Bangen , vergingen die Jahre , während das Äußerste mehr und mehr hereinzubrechen drohte . Es blieb freilich aus , aber nur weil der Tod dazwischen trat . Das Paar , das unter so vielen Ansprüchen in diesen Besitz eingetreten war , starb mutmaßlich zu Anfang oder in der Mitte der neunziger Jahre und hinterließ Wust seinen zwei Söhnen . Wust 1820 Wust 1820 1820 waren auch diese beiden Söhne hinüber . Wunderliche Zeiten hatte Wust derweilen gesehen . Der älteste der beiden Söhne war auch ein Hermann von Katte . Er hatte von seinen Eltern die Vergnügungssucht , den Hang zur Verschwendung geerbt . Die schon zerrütteten Finanzen wieder in Ordnung zu bringen , dazu war er am wenigsten angetan . Jener Rolas du Rosey-Reichtum , der dreißig Jahre lang den Extravaganzen der Eltern widerstanden hatte , jetzt brach er zusammen . Dieser Hermann von Katte hatte den Beinamen der » Spieler « . In der Umgegend von Wust mied man ihn , und so kam es , daß er Kunstreisen in die großen Städte machte . Solange es sich ermöglichte , trat es standesgemäß auf , ja über Stand und Verhältnisse hinaus . In Leipzig erschien er mit Equipage und vierspännig , und als alles verspielt war , setzte er noch die Equipage auf eine Karte und kam per Fahrpost nach Wust zurück . Die Verpflichtungen häuften sich und die Schuldhaft wurde gegen ihn ausgesprochen . Tagelang ging die Auktion . Er selber wurde inhaftiert und nach Stettin auf die Festung abgeführt . Dies war zu Anfang des Jahrhunderts , und Wust ging um diese Zeit an den jüngeren Bruder Ferdinand von Katte über . Ob er die Erbschaft des devastierten Gutes gleich antrat , ist nicht mit Bestimmtheit zu ersehen ; erst nach Schluß der Napoleonischen Kriege scheint er auf dem Gute Wohnung genommen zu haben . Er führte den Beinamen der » Stiefel Katte « . Völlig geistesgestört , war er nur von einer einzigen Leidenschaft beherrscht , und zwar von dem Verlangen , so viele Stiefel wie möglich zu besitzen , große und kleine , alte und neue , für jede neue Situation oder Beschäftigung auch neue Stiefel , Stiefel zum Fahren , zum Gehen , zum Reiten , Jagdstiefel und Tanzstiefel , alle von den verschiedensten Formen und Farben und von jeglicher Art von Leder . An diese Passion setzte er den Rest vom Vermögen , den die Verschwendungssucht der Eltern und die Spielsucht des Bruders ihm übriggelassen hatte . Die Stiefelsucht tat das letzte . Er wurde unter Kuratel gestellt ; aber