, ging nach Holland , kam eben aus Gröningen zurück , hatte von Jean Picard nichts vernommen , als daß er nach einer Reihe von Jahren von Brest fortkam und in Paris verschollen sein sollte ; von Wenzel von Terschka nichts , als daß er nach seinem Unfall in Amsterdam nach der Schweiz und von dort nach Italien gegangen war ... Nun begegnete er plötzlich vielleicht beiden ! ... Hier ! Hier - dem einen in einer vornehmen , glänzenden Stellung ! Dem andern auf dem längst von ihm geahnten Wege des Verbrechens ! ... Wenzel von Terschka war allerdings ein Name , der , wie er schon gehört hatte , in Böhmen so häufig war , wie die Namen Wilhelm von Schulz oder Heinrich von Schmidt in Deutschland sein könnten ... Aber die seltsame Aehnlichkeit der Züge mit denen jenes Kindes , das er bis zum fünften Lebensjahre gekannt hatte , als er an der einsamen Mühle des Müllers Sterz , dann bei einem Scharfrichter zwischen Zütphen und Deventer mit den Knaben lebte ... Allerdings , dieser vornehme Cavalier , der in so geheimnißvoller Weise heute mit dem Pater Maurus eingeschlossen war - im einsamen Bibliotheksaale des Klosters , der für diesen Zweck eigens hatte geheizt werden müssen - dieser stand ihm keine Rede , lehnte jede Frage nach seiner Geburt und Jugend und nach Angehörigen seiner Familie ab ... Jetzt aber - wirklich Jean Picard ! Der lebte ! Lebte hier ! ... Ein Mann mit dem Verbrecherstempel , den er auf Terschka ' s linkem Arm bei der Jagd hätte entdecken mögen ... Und um so mehr ! Diesem Picard gesellte sich der Name jener Lucinde , die er auf dem von ihm gemiedenen Schloß Neuhof selbst zwar nie gesehen hatte , die er aber in allem kannte , was sie dem armen , gebrochenen Pater Sebastus , dem weiland Doctor Klingsohr , so werth gemacht hatte und noch machte ... Auch sie in der Nähe ! ... Sie , um derentwillen Sebastus noch jetzt in seiner Strafzelle klagte ... um derentwillen er , vor seiner Rückkehr aus Holland , mit einigen Fremden , die ihn besuchten , eine Flucht verabredet hatte ... Sie in Verbindung mit Verbrechern ! ... Unmöglich , unglaublich ! ... War sie in der That bei jener vornehmen Frau von Sicking , so beschloß er , soweit ihm die Ueberraschung , soweit ihm die Sorge um den Kranken , den er führte , jetzt schon einen Entschluß , den er zu fassen hatte , möglich machten , zunächst Lucinden aufzusuchen , ihr diesen Brief zu zeigen , ihr nach Jean Picard Fragen vorzulegen , ihr die Pflicht vorzuhalten , ihn jetzt zu unterstützen , soweit seine Kraft reichte , Verbrechen zu hindern , in denen dieser Unglückliche nur zu heimisch zu sein schien ... In solchen Stimmungen , solchen Aufregungen und Ahnungen gewaltiger Conflicte mit seinem Klosterfrieden verlor er um den Kranken , den er führte , die Obhut , und Sorge nicht aus dem Auge ... Das seltsame Paar hatte den Wald verlassen und entfernte sich von dem immer mehr verklingenden Lärmen der Jagd ... So manches Reh war an ihnen vorübergesprungen ... In den kahlen Zweigen der Bäume rauschte es von den aufgescheuchten Bewohnern derselben ... Schon war es Ein Uhr ... Die Jagd dauerte bis gegen Untergang der Sonne . An einer bestimmten Stelle waren die Vorbereitungen zu einem Imbiß im Freien getroffen . Vor fünf Uhr rechnete man nicht auf die dann im Schloß zu genießenden Leistungen der gräflich Münnich ' schen Küche , während bis dahin die sich ansammelnden Damen der Jäger von Püttmeyer ' s Transparentbildern unterhalten werden sollten ... Immer ruhiger , immer stiller und hinfälliger wurde der Landrath . Hubertus mußte bedacht sein , den Frierenden , fieberhaft Zitternden unter Dach und Fach zu bringen ... Der Regen mehrte sich . Auf dem an manchen Stellen spiegelglatten Boden war kaum noch fortzukommen ... Kaum hielt sich der Landrath noch aufrecht ... Hubertus mußte mehr ihn tragen als führen ... Der Wille des Kranken , aus Ueberreizung zur Ohnmacht Zusammensinkenden , Zähneklappernden äußerte sich nur noch durch Zeichen ... Ein so unendlich wehmüthiger Ausdruck war trotz der entstellten und beschmutzten Gesichtszüge aus ihnen herauszulesen , daß man wohl annehmen konnte , dem leichtsinnigen , ehrgeizigen Manne hatten die fortgesetzten Kränkungen seines Ehrgefühls , die er nun schon seit Jahren und besonders seit den letzten Monaten erfuhr , das Herz gebrochen . Der dem Walde nächste Kamp war dem Mönche als der armseligste in ganz Borkenhagen bekannt ... Hier wohnten jene im Kirchenbann befindlichen Aeltern Hedemann ' s ... Daß gerade auch der Landrath es gewesen , der diese mit ins Elend gebracht hatte , wußte Hubertus ... Er sah sich in der Gegend um ... Niemand war da , der ihm den ohnmächtigen Mann abnehmen und in ein Obdach tragen konnte , das er als Angehöriger der Kirche nicht betreten sollte ... Er wagte jedoch die Sünde auf Rechnung der vielen , die er bald zu beichten haben würde , wenn er fortfuhr nach den Eingebungen zu handeln , die nun plötzlich durch Nennung des Namens Terschka und den Brief , den er in seiner Kutte trug , seinen ganzen Menschen erfüllten ... Eine kleine Anhöhe ging es hinauf , die zu dem Erbe Hedemann ' s führte , zu den Alten , die für die Bestellung desselben seit Jahren nichts mehr gethan hatten ... Da lag ihnen schon das Staket , das sonst das wie tief in die Erde gekrochene Haus einfriedigte , in einzelnen Theilen im Wege ... Am Brunnen , den kein Stroh vorm Erfrieren des Wassers schützte , lagen die Eimer leck oder eingefroren ... Eine Leine hing von einem der wenigen noch umstehenden Bäume zum andern ; einige weiße Fetzen an ihr , aussehend vor Frost wie Vogelscheuchen , die gespenstisch im Winde flatterten ... Aus dem Hause drang ein blauer stickiger Qualm . Die Thür stand offen ; ein