den Galeren lebte , ist in unsere Gegend gekommen und hat sich sogleich bei seinem ersten Auftreten in seiner ganzen Gefährlichkeit gezeigt . Auf einem Kirchhof hat er einen Sarg erbrochen . Ein halbes Jahr hat er dann verstanden , sich in unserer Stadt an einem noch unbekannten Orte verborgen zu halten . Bei den Unruhen , die noch täglich in unserer Stadt über die Verhaftnahme des Kirchenfürsten sich wiederholen , wurde auch er bemerkt und ohne Zweifel steht er im Solde Nück ' s , dieses verschlagenen , heimtückischen Menschen . Hammaker , der uns allerdings seit Jahren das Nück ' sche Treiben beaufsichtigte , wollte erfahren haben , daß dieser Kerl in Eure Gegend gehen würde , um daselbst etwas auszuführen , was Hammaker nicht zu wissen behauptete . So viel weiß ich , daß Jean Picard oder Jan Bickert ( Hubertus stockte im Lesen und hielt sich an den vorstehenden Zweigen eines Busches ) auf dem Wege in Eure Gegend ist , reich ausgestattet mit Geld . Suche auf Grund des nachfolgenden Signalements hinter eine mögliche Verkleidung zu kommen : Jean Picard ist gegen fünfzig Jahre , spricht schlecht deutsch , gut französisch , holländisch , hat mittlern Wuchs , röthliches Haar und eine stark orientalische Physiognomie . Auf seinem linken Arm befindet sich das Zeichen der französischen Galeren T.F. ; auch soll sich , wie von der Verwaltung der Galeren in Brest geschrieben wurde , der holländische Verbrecherstempel ( Hubertus starrte der Abbildung des Zeichens ) auf ihm eingebrannt finden . Schließlich mach ' ich Dich aufmerksam , daß auch soeben in größter Eile von hier eine Dir vielleicht von früher her nicht unbekannte Dame Lucinde Schwarz auf Witoborn gereist ist . Beobachte die Schritte derselben ! Um so mehr , als ich vermuthe , daß ihre plötzliche Abreise im Zusammenhang mit irgendeinem wahrscheinlich auf Nück ' s Anstiften bezweckten Unternehmen des Jean Picard steht . Lucinde Schwarz wird Dir dicht in der Nähe sein und bei einer Frau von Sicking wohnen , an die sie von hier aus empfohlen ist . Beobachte sie und ihren Umgang und laß besonders das Schloß Westerhof bewachen , da ich eine Ahnung habe , daß sich gerade dort etwas ereignen könnte , was nicht in der Ordnung ist ! Lieber Vater , in Eile ... Dein treuer Sohn E. « Schon auf eine bloße Anerkennung der vortrefflichen Handschrift des Briefes hin konnte der Mönch ihn ganz an sich nehmen und behalten ... Seine knöcherne Hand zitterte , als er den Brief in seine Kutte steckte ... Er , der sonst so schnell Gefaßte , hatte die Besinnung verloren ... Denn seit Monaten suchte er ja zwei Menschen , deren Andenken ihm in dem Augenblick aufs lebhafteste entgegengetreten war , als er die Anzeige erhielt , eine ermordete Frau hätte ihm ein Vermögen von zwanzigtausend Thalern hinterlassen ... Längst hatte er der Erinnerung an jene Entsetzliche sich entwöhnt ... Sein Leben lag ihm nur noch im flüchtigen Augenblick ... Nur in Gesprächen mit dem Pater Sebastus tauchte zuweilen ein altes buntes Bild verklungener Tage auf ... Sebastus sagte noch kürzlich in seiner Krankenzelle zu ihm : Hubertus ! Sie müssen in Java gelernt haben Liebestränke brauen ! Gewiß hatte die Frau einen Trank von Ihnen gekriegt ! Denn zeitlebens dachte sie nur an Sie und ich will nicht hoffen , fuhr Sebastus fort , daß Ihre Erbschaft das Ergebniß einiger Giftmorde ist , in denen ihrerseits Frau von Buschbeck ihre Force gehabt haben soll ! ... Hubertus , hocherstaunend , lehnte die Antretung der Erbschaft nicht ab ... Die grausame Zerstörerin seines Lebensglücks war durch die Hand jenes Mannes gefallen , der ihn einst in jenen Convict begleitet hatte , wo er am Pater Fulgentius ein so ernstes Strafgericht gehalten , indem er den , der den Tod zu lieben vorgab , auch wirklich nicht verhinderte aus dem Leben zu gehen . Damals noch war dieser hingerichtete Jodocus Hammaker ein junger Mann von Bildung , von Talent gewesen , ein Mann von angenehmen , gefälligen Formen ... ... Wie , hatte er gedacht , wie hatte ein solcher Mann so verwildern , so zum Mörder werden können ! ... Das weckte ihm sein eigenes vergangenes Leben , eine Jünglingszeit , wo auch er am schaudervollen Rande des Verbrechens so gefahrvoll für seine Seele dahingeschritten ... Gedenkend des Tages , als er dem Mörder Jodocus Hammaker im Klostergarten von seiner Vergangenheit , von seinem Sprung aus einem brennenden Hause erzählte , kam ihm mit wehmuthvollen Klängen die Erinnerung an die beiden Kinder , die damals seiner Obhut anvertraut gewesen , diese Kinder , die Gott durch ein Wunder , durch seinen Muth errettet wissen wollte , diese Kinder , von denen er sich , als man ihn nach Java schickte , mit so bitterm Kummer seines jungen Herzens getrennt hatte ... Wo mochten sie wol sein ? ... Das beschäftigte den » seltsamen Heiligen « in seiner Klostereinsamkeit wie schon sonst seit Jahren , so jetzt aufs neue und lebendiger denn je ... Was war aus ihnen geworden ? ... Wie , wenn sie im Elend , auf dem Weg des Verbrechens lebten ? ... Er erhielt diese ansehnliche Summe ! Er mochte sie seinem Kloster nicht geben , seitdem der ihm und allen verhaßte Pater Maurus Guardian und sogar Provinzial geworden ... Wie , dachte er , wenn ich das Geld annähme , meine alten Pflegebefohlenen zu entdecken suchte und es ihnen zukommen ließe , falls sie ' s bedürfen sollten oder dessen würdig wären ? ... Diese Vorstellung erfüllte den Greis mit solcher Lebhaftigkeit , daß er in der Einsamkeit der Klöster , auf den Wanderungen , die er im Auftrag des Provinzials zu machen hatte , stündlich darauf zurückkam : Wo lebt wol Wenzel von Terschka ? Wo Jean Picard ? ... Vor einem halben Jahr hatte er auf einer dieser Wanderungen die Nachricht über jene Erbschaft zuerst empfangen ... Gerade war er in Ordensaufträgen in Belgien gewesen