ich weiß es ! « sagte Edith leise . » Ich habe den Angriff von Anfang an ernst genommen , « fuhr Marlow fort . » Daß er eine so furchtbare Tragweite annehmen , einen solchen Wiederhall im ganzen Lande finden würde , das habe ich nicht vorausgesehen . Alle Zeitungen sind ja voll von der Sache , in jedem Gespräch hört man die Namen Ronald und Raimar , und seit Raimar nun vollends hier ist , scheint es gar kein anderes Interesse mehr zu geben . Es werden ja förmliche Parteiversammlungen abgehalten für und gegen Ronald – es ist eine heillose Aufregung ! « » Raimar hat gestern gesprochen – ich las heute morgen den Bericht . « Die Worte kamen scheu und zögernd von Ediths Lippen , sie wußte es ja , daß der Vater dort gewesen war , aber es schien , als wage sie es nicht , eine Frage zu stellen . Seine finstere Stirn furchte sich noch tiefer , als er entgegnete : » Der Bericht gibt nur einen Auszug . Man muß den Mann selbst gesehen und gehört haben , wie er dastand , wie er sprach , um die ungeheure Wirkung zu begreifen . Dieser Raimar hat eine fast unheimliche Gewalt der Rede , er bezwingt Feind und Freund damit . Gestern schon wurde er bejubelt und förmlich auf den Schild gehoben , und das war doch nur ein Vorspiel . Er will sich natürlich selbst verteidigen , und wenn er so vor den Schranken spricht , so alles mit sich fortreißt , wie gestern – dann ist das Schlimmste zu fürchten ! « » Das Schlimmste ? Was heißt das , Papa ? « » Daß Raimar nur rein formell zu irgend einer Geldstrafe verurteilt oder gar – freigesprochen wird . Dann hat er gesiegt , dann gibt man ihm recht mit seiner Anklage , und der Verurteilte ist Ronald ! « Edith erwiderte nichts , aber sie war erschreckend bleich , und ihre Lippen preßten sich wie im Krampfe zusammen . Der Vater schloß ihre Hand fest in die seinige , und jetzt bebte auch seine Stimme . » Mein armes Kind ! Ich bin schonungslos gegen dich , ich weiß es , aber hier hilft kein Verbergen . Du mußt auf alles gefaßt sein , « » Das bin ich längst . Felix will ja nichts zugeben , aber sein ganzes Wesen verrät mir , daß es sich hier für ihn um Sein oder Nichtsein handelt . An unserer Verlobung ändert das freilich nichts . « » Eine Verlobung ist noch keine Ehe ! « Marlow sprach die Worte langsam und bedeutsam , » Und wenn du ernstlich willst – « » Ich will aber nicht ! « erklärte Edith , indem sie sich erhob und ihre Hand aus der des Vaters zog . » Liebst du Ronald ? « » Das hättest du mich fragen sollen , Papa , als du mir seinen Antrag überbrachtest . Du unterließest damals die Frage – jetzt erlaß mir die Antwort ! « Ein schwerer Seufzer rang sich aus der Brust Marlows . Er stand gleichfalls auf und sagte : » Wir können jetzt überhaupt nichts beschließen , bis der Prozeß entschieden ist . – Wilma ist bereits angekommen ? « » Gestern abend , ich erhielt heute morgen einige Zeilen von ihr und werde später zu ihr fahren . Du weißt ja , weshalb sie nicht unser Gast sein wollte . « » Weil ihr Bräutigam der nächste Freund Raimars ist ? « Der Bankier zuckte die Achseln . » Eine ganz übertriebene Rücksicht ! Wilma hat ihn allerdings mit unserer Zustimmung ins Vertrauen gezogen , das ließ sich nicht umgehen , aber sonst weiß niemand davon . Der Major konnte ruhig bei uns verkehren . « » Aber Felix hätte das erfahren und wäre außer sich geraten . « » Wenn ich den Verlobten meiner Nichte in meinem Hause empfange , ist das lediglich meine Sache , « bemerkte Marlow scharf . » Major Hartmut ist mir eine sehr sympathische Persönlichkeit , Wilma hätte gar keine bessere Wahl treffen können . Ich wäre mit ihrem Besuche ganz einverstanden gewesen , gleichviel ob Ronald das übelgenommen hätte oder nicht . « Er vermied es offenbar absichtlich , seinen künftigen Schwiegersohn beim Vornamen zu nennen , und es war wohl auch Absicht , daß er , der sonst sehr viel auf Rücksichten gab , diesmal die Rücksichtslosigkeit vertrat . Das wäre es in der That gewesen , wenn der nächste Freund Raimars täglich im Marlowschen Hause verkehrt hätte ; aber eine heftige Scene wäre dem Bankier vielleicht nicht unerwünscht gewesen . Das konnte einen Vorwand zum Bruch geben , und er wollte jetzt los um jeden Preis von der Verbindung , die er einst so sehr erstrebt hatte . Daß die Verlobung seiner Tochter gelöst werden müsse , stand bereits bei ihm fest , das war nur eine Frage der Zeit , und als er Edith jetzt verließ , um in sein Arbeitszimmer zurückzukehren , war er überzeugt , sie werde , nun sie die Sachlage kannte , auch diesmal fein » kluges , verständiges Kind « sein , wie immer . Frau von Maiendorf war mit ihrem Töchterchen nach Berlin gekommen , denn ihre Hochzeit , die in sechs Wochen stattfinden sollte , und die Uebersiedlung nach der neuen Heimat machten noch mancherlei Einkäufe und Besorgungen notwendig . Major Hartmut wollte natürlich den Prozeßverhandlungen beiwohnen , in denen sein Freund eine Hauptrolle spielte , und hatte seine Braut bestimmt , die gleiche Zeit für ihre Reife zu wählen . Sie hatten sich seit der Verlobung nicht wiedergesehen , und sein Urlaub zählte diesmal nur nach Tagen . Ernst Raimar , der in der That beabsichtigte , seine Verteidigung persönlich zu führen , war seit vierzehn Tagen hier , und ihm hatte sich Herr Notar Treumann angeschlossen , der natürlich auch mit dabei sein wollte . Er ging als freiwilliger Berichterstatter der »