, ihm anvertrautes Wesen einzustehen hat . Willst Du mir das versprechen ? “ „ Ja , Onkel Arno . “ Der Name kam doch seltsam zögernd und gezwungen von den Lippen des jungen Mädchens . Die Unbefangenheit , mit der sie einst dem „ Onkel Arno “ entgegengetreten , war unwiederbringlich dahin . „ Ich habe mit dem Assessor Winterfeld gesprochen , “ nahm Raven wieder das Wort , „ und ihm gleichfalls mitgetheilt , daß ich meine Einwilligung zu Deiner Verbindung mit ihm auf das Entschiedenste versage . Es bleibt bei meinem Nein , denn ich weiß , daß eine solche Verbindung nach kurzer Täuschung für Dich nur eine Quelle der Sorgen und Thränen werden würde , und um Deiner selbst willen muß ich sie verhindern . Du bist in aristokratischen Anschauungen und Gewohnheiten erzogen , an Reichthum und Ueberfluß gewöhnt und wirst Dich nie in einer anderen Sphäre zurechtfinden . Was Dir Winterfeld bieten kann , ist im besten Falle die einfachste Häuslichkeit mit den bescheidensten Mitteln . Mit jener Heirath trittst Du in ein Leben von Dunkelheit und Entbehrungen und mußt Alles zurücklassen , was Dir lieb und nothwendig ist . Es mag Charaktere geben , die solchen fortwährenden Aufopferungen und Entsagungen gewachsen sind – Du bist es nicht ; Du müßtest denn Deine ganze Natur ändern , und ich habe es dem Assessor fühlen lassen , welchen Egoismus er bekundet , wenn er Dir dergleichen Opfer zumuthet . “ „ Er muthet sie mir nur für wenige Jahre zu , “ fiel Gabriele ein . „ Georg Winterfeld steht ja erst im Anfange seiner Laufbahn , und wir vertrauen auf die Zukunft . Er wird sich emporarbeiten , wie Du selber es gethan hast . “ Raven zuckte die Achseln . „ Vielleicht – vielleicht auch nicht ! Jedenfalls ist er keine von den Naturen , die sich ihre Zukunft im Sturme erringen und erobern ; er gewinnt sie höchstens mit ruhiger , steter Arbeit . Aber dazu gehören lange Jahre , und dazu gehört vor Allem , daß er frei und auf sich selbst gestellt bleibt , wie jetzt . Die Sorge für eine Familie , die tausend Bande und Rücksichten , mit denen sie ihn fesselt , wird ihm keinen Raum mehr zur Entfaltung seines Ehrgeizes lassen und ihn in die Bahn der Alltäglichkeit lenken , wo man nur noch arbeitet , um zu leben . Dann ist er verloren für jedes höhere Ziel , und Du bist es mit ihm . Du weißt freilich noch nicht , was es heißt , mit der ganzen Existenz auf eine Summe angewiesen zu sein , wie sie jetzt Dein Toilettengeld bildet . Ich möchte Dich davor bewahren , es zu erleben , wie das Ideal von der Hütte und dem Herzen in Wirklichkeit aussieht . “ In Gabrielens Auge schimmerte eine Thräne , als der Vormund ihr mit fester , grausamer Hand das Zukunftsbild zeichnete , aber sie verteidigte sich muthig . „ Du glaubst an keine Ideale mehr , “ entgegnete sie . „ Du hast es mir ja selbst gesagt , daß Du die Welt und das Leben verachtest . Wir glauben noch daran , und darum wird es für uns auch noch Liebe und Glück geben . Georg hat nie daran gedacht , mir jetzt schon seine Hand zu bieten ; er weiß , daß dies nicht möglich ist , aber in vier Jahren bin ich mündig , und er hat eine höhere Stellung erreicht , dann gehöre ich ihm , und dann hat Niemand mehr das Recht uns zu trennen , Niemand auf der Welt . “ Sie warf die Worte mit einer ganz ungewohnten Hast und Leidenschaftlichkeit hin , aber es war darin nicht der frühere Trotz und Eigensinn . Es war vielmehr ein halb unbewußtes , angstvolles Sträuben gegen jene Empfindung , der Gabriele schon im Anfange ihres Hierseins Worte geliehen , als sie der Mutter gestand , es sei ihr , als gehe von dem Freiherrn irgend eine geheime Macht aus , die sie quäle und gegen die sie sich wehren müsse um jeden Preis . Auch heute flüchtete sie sich in ihre Liebe zu Georg , und das allein war es , was die Heftigkeit ihrer Antwort verschuldete . Um Raven ’ s Lippen spielte ein bitteres Lächeln . „ Du scheinst ja sehr genau zu wissen , bis zu welcher Grenze meine Macht reicht , “ erwiderte er . „ Man wird Dir das wohl oft genug klar gemacht haben ; wofür ist man denn Jurist ! Nun gut , so lassen wir die Sache ruhen bis zum Tage Deiner Mündigkeit . Wiederholst Du mir dann die heutigen Worte , so kann und werde ich Dich nicht mehr hindern , wenn unsere Wege sich auch fortan trennen . Bis dahin aber soll kein übereiltes Versprechen und keine eingebildete Fessel Dich binden , und deshalb wird Winterfeld Dir von jetzt an fern bleiben . Inzwischen bist Du frei , für die Bewerbung eines Jeden , dessen Lebensstellung und Persönlichkeit ihn dazu berechtigt . Ich werde einer ebenbürtigen Vermählung meine Einwilligung nicht versagen – das war es , was ich Dir mittheilen wollte . “ Er hatte ernst und kalt gesprochen ; nicht das geringste Beben der Stimme , nicht das leiseste Zucken der Lippen verrieth , daß [ 308 ] die letzte Verheißung ihm schwer werde . Der Traum sollte ja zu Ende sein , und Arno Raven schien ganz der Mann , dieses Wort wahr zu machen . Er zwang sich selbst mit der gleichen despotischen Gewalt , die er gegen Andere ausübte . Er öffnete die Thür des Nebenzimmers , in dem sich die Baronin befand , die zu ihrem großen Leidwesen auch nicht ein Wort der Unterredung hatte auffangen können , da die schweren Portièren jeden Schall dämpften . „ Wir sind zu Ende , Mathilde , “ sagte der Freiherr . „ Ich übergebe Ihre Tochter jetzt Ihrer Obhut , aber noch einmal