seltsamen Fragen ? Kannten Sie meinen Pflegevater , standen Sie in irgend einer Beziehung zu ihm ? ” Er war ihr näher getreten bei den legten Worten , und stand jetzt dicht neben ihr ; Jane schien die Frage nicht gehört zu habend sie gab keine Antwort darauf . “ Johanna ! ” Sie bebte leise zusammen . Dieser Name ! erst ein einziges Mal hatte sie ihn von seinen Lippen vernommen , in der Abschiedsstunde , und er klang wie eine Melodie aus der fernen süßen Kinderzeit . Die Mutter hatte sie einst so genannt , nur kurze Zeit lange dann war auch der deutsche Name seines Kindes dem starren Willen des Vaters zum Opfer gefallen , er ward in das englische Jane umgestaltet , nie hatte sie ihn seitdem wieder gehört und jetzt klang er ihr aus diesem Munde mit so weichem flehenden Tone — all ihre Kraft brach zusammen vor diesem einen Laut . Langsam hob sie den Blick zu ihm empor , er begegnete seinen Augen und ruhte einige Secunden lang darin . Diese blauen Augen , die mit schwermüthiger Zärtlichkeit auf ihrem Antlitz hafteten , sie übten selbst jetzt noch ihre geheimnißvolle Macht , eine Macht , die das stolze willensstarke Weib im Moment der Entscheidung , wo es nur handeln und entschließen galt , losriß von allem Wollen und Entschließen , losriß von dem heißen zuckenden Weh in ihrem Innern , von all den kämpfen und Qualen der letzten Stunden , und sie mit träumerischer unwiderstehlicher Gewalt hinüberzog in den Traum , den er selbst träumte in dieser Minute . Sie saß wieder am Rande der Fliederhecke , aus deren Knospen das erste Grün hervorbrach , und er stand an ihrer Seite . Um sie her braute der Nebel und wob seine grauen Schleier um Bäume und Gebüsche , leise rieselte der erste Frühlingsregen nieder auf die duftende Erde , leise zog durch die Luft ein seltsames Hallen und Flüstern , und fern und geheimnißvoll tönte das Wallen und Rauschen des Rheines zu ihnen herüber — fernhin versanken Gegenwart und Wirklichkeit , nichts regte sich mehr , als das dumpfe unerklärliche Weh , das sie damals zuerst empfunden — sie war willenlos im Banne dieser Augen . Die Beiden zuckten plötzlich auf , gleichzeitig emporgeschreckt durch irgend ein unbekanntes Etwas . Das Traumbild zerfloß mit seinem Nebelgeriesel und seinem Frühlingsrauschen , sie waren wieder in dem hohen düsteren Steingemach , das Feuer knisterte und prasselte , draußen rauschte der Herbstwind in den Bäumen , vielleicht war er es , der einen Zweig gegen das Fenster geschlagen , der sie aus ihrem Erinnerungstraum wachrief . Jane blickte zuerst dorthin und Walther ’ s Auge folgte der Richtung . “ Wir werden beobachtet ! ” sagte sie leise . “ Schwerlich ! Indeß , ich werde nachsehen . ” Er schritt zum Fenster , öffnete es vollends und beugte sich weit hinaus in die Dunkelheit . Jane hatte sich erhoben , sie stützte sich schwer auf die wappengeschmückte Lehne des Armstuhls . Jetzt galt es das Schwerste ! Er mußte erfahren , was für sie nicht länger zweifelhaft war . “ Ich will sehen , ob er es zu tragen vermag . Vielleicht sprach nur die Stimme der Natur in dieser Zärtlichkeit , vielleicht , ” – ihr Herz zog sich krampfhaft zusammen – “ lächelt er bei der Entdeckung . Nun denn , kann er es tragen , ich werde meine Schwäche nicht verrathen und sollte ich sterben an dem ersten Kuß des Bruders ! ” Walther hatte das Fenster geschlossen und kehrte zu ihr zurück . „ Es ist nichts ! ” sagte er ruhig . “ Wer sollte auch ein Interesse daran haben , uns zu beobachten ? ” Jane wußte bereits , welchen Weg sie einzuschlagen habe ; sie ging ihn festen Schrittes . “ Wer ? Mr. Alison ! ” Walther trat zurück und blickte sie starr an . „ Mr. Alison ? Ihr Begleiter ? ” Die dunkle Gluth stieg wieder jäh und flammend in seinem Antlitz auf und färbte Stirn und Schläfe . “ Also ist er Ihnen nicht fremd , dieser Mann ? Ich ahnte es im ersten Augenblick , als ich ihn sah . Johanna , ” seine Stimme bebte in fieberhafter Erregung , “ in welcher Beziehung steht dieser Alison zu Ihnen ? Welches Recht hat er auf Sie ? " “ Ich bin seine Braut . ” Die Gluth wich aus seinem Gesichte so schnell , wie sie gekommen war , um einer tiefen Blässe Platz zu machen . „ Seine Braut ! ” wiederholte er tonlos . „ Sie lieben ihn also ? ” „ Nein ! ” “ Und gaben ihm dennoch Ihr Wort , Ihre Zukunft ? ” Es lag eine bittere Anklage in dem Vorwurfe ; Jane ' s Blick sank davor zu Boden . „ Ich that es ! " erwiderte sie leise . „ Dann wollte Gott , wir hätten uns nie gesehen ! " sagte Walther dumpf . Jane schwieg einige Secunden lang . “ Warum ? ” fragte sie endlich fast unhörbar . Er trat ihr ganz nahe und auch seine Stimme sank jetzt herab zu einem leisen , aber leidenschaftlichen Flüstern . „ Du fragst noch ? Soll ich es Dir auch in Worten sagen , was Du längst erriethest , errathen mußtest , oder — bin ich es nur allein , der elend wird durch Dein Geständniß ? ” Langsam wendete Jane ihm das Antlitz wieder zu ; ihre Stimme klang unnatürlich ruhig , aber ihr Auge haftete jetzt auf seinen Zügen mit einem unablässigen angstvollen Forschen , als solle jede Faser seines Innern ihr Rede stehen . „ Wir brauchen deshalb noch nicht elend zu werden , wir dürfen es nicht werden . Das Schicksal hat uns einmal zusammengeführt , grausam vielleicht ; aber wenn es uns auch das Höchste versagt , auf Trennung lautet sein Spruch nicht ! Vielleicht , ” – ihr