ihnen begehrten Kampfpreis zugesagt , für Frankreichs Rechtlichkeit im Worthalten dem kleinen Lande gegenüber sich verbürgt hatte . Was geschah , wenn ihr Mittler , der gute Herzog , verschwand ? Wen gab ihm Richelieu zum Nachfolger ? War der die Welt mit kalter Berechnung überschauende Kardinal , der rücksichtslose Staatsmann gesonnen , das unbequeme Erbe der Gerechtigkeit des Protestanten Heinrich Rohan anzutreten ? Das Unheil ging diesmal noch vorüber . Die Nachricht vom Tode des Herzogs war eine falsche . Nach einigen Wochen erfuhr man , er habe zehn Tage lang mit geschlossenen Augen bewußtlos gelegen , dann sei er wieder zum Leben erwacht und erhole sich langsam . Welcher böse Zweifel aber ihn gefoltert hatte , bis er todesmatt aufs Lager sank , das ahnte damals noch niemand . Drittes Kapitel Drittes Kapitel An einem hellen warmen Oktobertage bewegte sich in den Gassen des an der Splügenstraße gelegenen städtisch reichen Fleckens Thusis eine tosende Volksmenge . Der Ort liegt an der nördlichen Pforte der Bergschrecknisse des Passes Hier pflegte der aus Italien kehrende Reisende nach überstandener Mühsal und Gefahr sich einen guten Tag zu machen , der von Norden kommende dagegen seinen Mut zu stärken , Saumtiere zu mieten und für die beschwerliche Reise die letzten Einkäufe zu besorgen . Diese für Handel und Wandel günstige Lage hatte dem seit einer großen Feuersbrunst neu erbauten Orte schnell wieder zu stattlicher Blute geholfen . Heute wurde zudem der große Thusnerjahrmarkt abgehalten der von nah und fern das Volk herbeigelockt und die verschiedenen Staturen , Trachten und Sprachweisen aller bündnerischen Täler am Fuße des Heinzenbergs versammelt hatte . Manche waren auch gekommen , um den guten Herzog zu sehen , der , wie die Sage ging , gestern in einer Sänfte die Paßhöhe überwunden und im Dorfe Splügen genächtigt hatte . Diesen Abend wurde er in Thusis erwartet , wo ihm in einem etwas abseits liegenden Herrenhause ein ruhiges Nachtquartier bereitet war . Einige Splügner hatten ihn gestern in ihrem Dorfe von Angesicht geschaut und beschrieben den edeln Herrn als auffallend gealtert , blaß und abgezehrt ; seine Haare seien völlig gebleicht . Auch kühne , kriegerische Gestalten schritten in der Menge . Die Obersten der bündnerischen Regimenter waren gekommen , den Herzog zu empfangen . Hatten sie über ihrem stürmischen Verlangen ihn wiederzusehen die kriegerische Disziplin außer Acht gesetzt , welche sie an der österreichischen Grenze festhielt ? Auch ihre Truppen waren sonderbarerweise zur Begrüßung des Herzogs auf seinem Wege von Thusis nach Chur in gleichmäßigen Entfernungen aufgestellt . Warum hatten die Obersten sie aus ihren Stellungen an der Grenze ins Innere des Landes zurückgezogen ? Wild und laut ging es diesen Abend in der ehrbaren Herberge zum schwarzen Adler zu . Das behäbige Haus schenkte sein Getränk , den dunkeln , mit seiner Herbe das Blut nur langsam wärmenden Veltliner und den gefährlichern hellen Traubensaft der vier weinberühmten Dörfer am Rhein , nach Landessitte in zwei verschiedenen Stuben aus , die rechts und links von dem gepflasterten Flur sich gegenüberlagen . Der eine Raum , die eigentliche Schenke mit den rohen Bänken und Tischen aus Tannenholz , war von lärmenden Marktleuten , Viehhändlern , Sennen und Jägern dermaßen überfüllt , daß es schwer wurde , sein eigenes Wort zu verstehen . Die jugendliche Schenkin , eine ruhige , dunkelhaarige Prätigauerin , hatte mehr zu tun als ihr lieb war , um die bauchigen Steinkrüge wieder und wieder zu füllen , und warf , von allen Seiten gerufen und festgehalten , immer trotziger den Kopf zurück , zog immer finsterer die Brauen zusammen . In der Herrenstube gegenüber ließen sich die vornehmen Kriegsleute nicht weniger laut vernehmen und setzten dem Becher noch schärfer zu . Zwischen beiden Räumen schritt , das Chaos überblickend , der feste Wirt , Ammann Müller , in unerschütterlicher gelassener Gutmütigkeit hin und her . Eben füllte seine breite viereckige Gestalt wieder die Tür der Schenke . Hier wurde gerade Politik getrieben , natürlich wie es der gemeine Mann zu tun pflegt , nur von dem Standpunkte persönlicher Bedrängnis aus . » Eine Schande vor Gott und Menschen ist es « , übertönte ein Engadiner Viehhändler das Stimmengebraus , » daß wir Bündner unsere eigene Landesgrenze nicht mehr überschreiten dürfen ohne einen französischen Passaport ! Jüngst wollt ich mit einer Rinderherde ins Werdenbergische hinüber , da wurd ich an der Grenze schnöde zurückgewiesen , weil ich versäumt hatte , mir einen solchen Fetzen auf der französischen Kanzlei in Chur einzuhandeln . Noch von Glück konnt ich sagen , daß ich alle meine Stücke zurückbrachte . Sie wollten die glänzenden Rinder in ihr verwünschtes Viereck bei Maienfeld treiben und begehrten sie mir abzukaufen zur Verproviantierung der Festung , wie sie sagten ! Abkaufen ! Schöner Handel das ! Ihr Schlächter , ein ruppiger kleiner Kerl , dem solche Prachtstücke offenbar noch nie zu Gesicht gekommen , schätzte sie mir zu einem Schandpreis ! « – » Und diese Knirpse wollen behaupten , ihr Brot zu Hause sei besser als meine vortrefflichen Laibe « , sagte der Bäcker , ein Bürger von Thusis . » Als sie voriges Jahr hier im Quartier lagen , warf mir einer mein Roggenbrot vor die Füße , weil er nur an zarten weißen Weizen gewöhnt sei . Nicht genug . Ich mußte gleich darauf als Hausvater Ordnung schaffen und dem Affen unsre kleine braune Magd , die Oberhalbsteinerin , aus den Pfoten reißen . Die fand er nach seinem Geschmacke , obschon sie wahrlich schwarzer ist als mein Roggenbrot und nicht halb so appetitlich . « – Hier ging ein seltsames Lächeln über das finstere Gesicht eines Gemsjägers , der dem Bäcker gegenüber , den Rücken an die Wand gestemmt , mit gekreuzten Armen hinter dem Tische saß und jetzt , ohne einen Zug zu verändern , unter seinem Schnurrbarte eine Reihe blendend weißer Zähne zeigte . Der Bäcker gewahrte dies stille Hohnlächeln und sagte im Tone vorwurfsvoller Rüge : » Ans Leben aber griff ich ihm nicht um seines wüsten