einfache Bett an der wärmsten Stelle meines Schlafzimmers und das Spinnrad am Ofen der Wohnstube . Mit Hilfe der Frau Renner lag bald die vor Frost zitternde Kathrin im Bett und trank brummend und murrend eine Tasse Tee , obwohl der Ausdruck in den Augen schon viel freundlicher war . » Siehst du , Kathrin « , sagte ich heiter , » hier muß es dir ja gefallen . Ist dir nicht schon ganz mollig ? Eigentlich sollte ich dich schelten , doch damit will ich warten , bis du wieder ganz gesund bist . Geschenkt wird es dir nicht , das merk dir « , fügte ich lächelnd hinzu , indem ich noch eine Decke über ihr Bett breitete . » Ach , Kind , ich hab ' keine Ruhe im Bett ; laß mich aufstehen . Wer soll dir denn Holz vor den Ofen tragen und das Abendbrot besorgen ? Ach , mein Gott , es geht ja gar nicht . « » Ängstige dich nicht , Kathrin , ich weiß noch sehr gut , wo unser Holzstall ist , und die Speisekammer kenne ich auch noch – wenn nur was drinnen ist . « » Was wird nichts darin sein ? « fragte die Alte ganz gekränkt . » Ich wußte doch , daß du kommen willst , und habe für Wurst und Brot und Eier Sorge getragen . Aber Tee und Schokolade und solche Kinkerlitzchen , wie du sie gewohnt bist im Schloß , die konnte ich nicht anschaffen . « » Na , was gibt ' s denn Schöneres wie Wurst und Butterbrot , Kathrin ? Warte nur , du sollst sehen , wie ich gleich darüber herfalle . Sieh so , nun habe ich eine Schürze vor , nun passe auf , wie gut ich wirtschaften kann . « Damit ging ich in den Holzstall , holte einen Arm voll Holz , und bald prasselte das Feuer lustig im Ofen . Die Lampe wurde angezündet , die Läden geschlossen , die Speisekammer revidiert , und dann setzte ich mich mit einem großen Butterbrot seelenvergnügt in die Sofaecke und aß . Nie hat ' s mir besser geschmeckt , es war ja Heimatskost . Unbeschreiblich anmutend war mir dieses Zuhause . Wenn nun gar erst Kathrin genesen ist und mein Vater kommt , dann muß es wunderschön hier werden in dem alten Hause . Nach dem einfachen Abendbrot ging ich , mit Kathrin plaudernd , die sich im Bette gedreht hatte , um mich sehen zu können , ab und zu , räumte meine Sachen ein , packte die Körbe mit den Kleidern aus und hing sie in den großen Kleiderschrank . » Was wirst du nur mit all dem Zeug anfangen , Gretel ? « fragte die Alte kopfschüttelnd . » Du kannst doch hier nimmer solchen Staat machen . « » Nun , nun , Kathrin , ich werde doch noch oft aufs Schloß gehen , und dann vergiß nicht , daß ich nicht zu lange mehr bei dir bleibe . Wart nur , du Böse , du willst immer mit aller Gewalt vergessen , daß ich heimlich Braut bin und bald heiraten werde . « Ein tiefer Seufzer antwortete mir , während ich , ihre Grillen kennend , ihn überhörte und ruhig in meiner Arbeit fortfuhr . Nach einer Stunde war meine kleine Habe wohlgeordnet in Schränken und Kommoden untergebracht . Kathrins Atemzüge waren leiser geworden , sie schlief . Ich setzte mich an den Ofen auf ein Fußbänkchen und löste das Band , welches ich um Eberhardts Briefe geschlungen hatte . Der Schein der Lampe fiel matt darauf , aber ich konnte sie doch lesen , ich konnte ja beinahe jeden auswendig ! Es war doch wunderschön , so zu sitzen , so allein und ungestört , ohne Angst zu haben , ein Unberufener entdecke mein Geheimnis . Blatt für Blatt nahm ich in die Hand und wollte sie noch einmal durchlesen . Der erste Brief ! Mit welchem Entzücken hatte ich ihn erbrochen . Man sah es ihm an , daß er oft auseinander gefaltet war , und daß ich ihn tagelang mit mir herumgetragen hatte . Ach , so ein erster Liebesbrief ist doch ein bedeutungsvolles Ereignis in einem Mädchenleben . Wenn auch der Geliebte uns in Worten noch soviel gesagt hat , Geschriebenes bringt einen gewaltigeren Eindruck hervor . Auch jetzt ruhten meine Augen wieder auf den teuren Schriftzügen . » Mein geliebtes Mädchen ! « schrieb er . » Da sitze ich nun in meiner Junggesellenwohnung wie früher . Es ist noch dieselbe alte , etwas eingewohnte Stube mit den schadhaften Möbeln , die schon vor mir wer weiß wie viele Leutnants möglichst ruiniert haben . Es ist alles noch so , wie ich es verlassen , nur ich bin ein anderer geworden . Ach , Gretchen , mein süßes , geliebtes Gretchen , ist es denn wirklich Wahrheit , Du bist mein geworden in aller Deiner Lieblichkeit ? Ich kann es kaum fassen , daß es so ist . Jener Abend im Walde , in dem klaren Mondschein , kommt mir wie ein wunderschöner Traum vor . Und doch ist es Wirklichkeit , ich habe es in Deinen Augen gelesen , Dein Mund hat es mir zugeflüstert , Du liebst mich und willst meine liebe , kleine , angebetete Frau werden ! Wie anders erscheint mir das Leben jetzt , ich denke gar nicht mehr an all das Unangenehme , was es sonst mit sich brachte . Meine Kerle wundern sich gewiß heimlich , einen so gnädigen Herrn an mir zu haben . Selbst das endlose , ewige Leutnantsein kommt mir nicht mehr so schrecklich vor , mir ist augenblicklich sogar die Beförderung gleichgültig , ich denke nur an Dich , sehe nur Deine süßen , blauen Augen vor mir – alles andere kümmert mich nicht . Wie danke ich Dir , daß Du mich lieben willst . Ich habe ja keine Eltern mehr , und