, was ich zu bieten habe . Es ist wenig , aber ich biete es ohne zu feilschen und für immer . Nur Sie allein können mich noch retten . Dies wollte , ich Ihnen sagen . « Er schaute in die Wolken und lehnte sich auf seinen Spazierstock , den er hinter dem Rücken hielt . » Ich habe Ihnen verboten , davon zu sprechen , « flüsterte Lenore in tiefem Schrecken ; » Sie haben mir Ihr Wort gegeben . « » Ich gab das Wort aus Liebe , ich brech es aus Liebe , « entgegnete Eberhard . » Ich sage mir , daß solch ein Wort eine Kinderei ist , wenn es sich um den Aufbau oder um den Einsturz einer Existenz handelt . Sind Sie hierüber anderer Ansicht , so verzeihen Sie mir . Ich hätte mich eben dann geirrt . « Lenore schüttelte traurig den Kopf . » Mein Plan war , daß wir nach England reisten und uns dort trauen ließen , « fuhr Eberhard fort ; » es ist für mich unmöglich , hier zu heiraten , weil mir vor dieser Stadt ekelt ; es ist unmöglich , weil meine Familie sich vielleicht Rechte anmaßen würde , die ihr nicht mehr zukommen und die ich bekämpfen müßte , wovor mir gleichfalls ekelt ; und es ist unmöglich , weil - « hier stockte er und preßte die Lippen aufeinander . Lenore sah ihn neugierig an . Seine pedantische Aufzählung der Hindernisse wie auch die unerwartete Romantik seines Vorhabens belustigte sie . Als sie aber den Ausdruck des Grams in seinen Zügen gewahrte , empfand sie Mitleid . Sie trat einen Schritt auf ihn zu ; da ergriff er ihre Hand , beugte sich hastig herab und drückte seinen Mund auf ihre Finger . Mit jäher Bewegung zog sie die Hand zurück . » Fatale Umstände haben mich in eine äußerst demütigende Abhängigkeit gebracht , die ich von mir schütteln muß , wenn ich nicht darunter erliegen soll , « sagte Eberhard gepreßt . » Ich war unerfahren . Ich bin getäuscht worden . Es ist eine Person im Spiel , die den Namen eines Menschen kaum verdient ; ein Ungeheuer im Gewand eines honetten Bürgers . Ich weiß nicht mehr ein noch aus , Lenore . Ich muß fort von hier . In einem andern Land finde ich vielleicht Kraft und geistige Klarheit wieder . Mit Ihnen würde ich allem trotzen können . Glauben Sie mir . Vertrauen Sie mir . « Lenore ließ den Kopf sinken . Die Verzweiflung des sonst so zurückhaltenden Freundes ging ihr nah . Um ihren Mund zuckte es , als sie mühsam Worte fand . » Ich kann nicht heiraten , Eberhard , « hauchte sie ; » wahrhaftig , ich kann nicht . Ich habe Sie ja nicht an mich gelockt , Sie dürfen mir keinen Vorwurf machen , von allem Anfang an wollt ich jeden Zweifel darüber aus der Welt schaffen . Ich kann nicht , ich kann nicht . « Fünf oder sechs Minuten verflossen in einem Schweigen , welches durch die gedämpften Geräusche von Menschenstimmen und Fahrzeugen , aus der Tiefe der Stadt empordringend , zerstückt wurde . In dem Erbarmen , das Lenore fühlte , ward sie sich der Härte erst bewußt , die in ihrer unbedingten Weigerung lag , und indem sie Eberhard mutig und fest anblickte , sagte sie : » Es ist nicht Eigensinn , Eberhard ; auch keine dumme Angst und Einbildung , auch nicht , weil ich Sie nicht genug schätzte . Ich schätze Sie sehr hoch . Aber in mir muß etwas Unnatürliches sein , denn sehen Sie , mir graut vor der Ehe . Mir graut davor , mit einem Mann zu leben . So gern ich Sie habe , aber wenn Sie mich nur anrühren wie vorhin , als Sie meine Hand geküßt haben , schüttelt mich das Grauen von oben bis unten . « Eberhard maß sie mit einem düster verwunderten Blick . Sie aber fuhr fort : » Es ist in mir seit meiner Kindheit . Vielleicht bin ich damit geboren , so wie andere mit einem Körperfehler , vielleicht ist es seit einem bestimmten Tag , daß ich so bin . Es war im Herbst , an einem Abend . In Pappenheim war es , wo damals meine Tante Kupferschmied wohnte . Meine Schwester Gertrud und ich gingen in einem großen Obstgarten spazieren , da kamen wir zu einer Dornenhecke und an der Dornenhecke saß eine alte Frau . Mein Vater und meine Tante waren weit von uns weg und da sagte die alte Frau zu meiner Schwester , die etwa sieben Jahr zählte : nimm dich in acht vor dem , was singt und klingt . Und zu mir sagte sie : hüte dich vor Leibesfrucht . Am andern Tag wurde die Frau tot unter der Hecke gefunden ; sie war über neunzig Jahre alt und fünfzig Jahre lang war sie als Kräuterweib im Altmühltal herumgezogen . Ich hab natürlich damals keine Ahnung gehabt , was das ist , eine Leibesfrucht ; aber das Wort ist mir im Herzen steckengeblieben wie ein Pfeil . Es ist mit mir aufgewachsen und als ich einmal wußte , was damit gemeint ist , war es ein Bild neben dem Bild des Todes . Nun dürfen Sie nicht glauben , daß ich deswegen in einer häßlichen Furcht herumgehe . O nein . Mich gelüstet ' s eben nicht . Es zwingt mich nicht . Zwingt ' s mich , was frag ich dann nach Tod und Sterben ! Dann lach ich über die Alte unter der Hecke und tu , was ich muß . « Bei den letzten Worten hatte ihr Gesicht einen wunderbar reinen und phantasievollen Ausdruck angenommen und Eberhard vermochte kein Auge von ihr zu wenden . Es gibt Märchenwesen auf dieser widerlich platten Erde , dachte er , verwunschene Prinzessinnen , geheimnisvolle Melusinen . In gewohnheitsmäßigem Unglauben kräuselte er die