Lohn is mi to wenig , Pillkantüffeln mag ik ne ! « Störtebeker , der das Lied kannte , stimmte mit ein und versang die Bangigkeit , die ihn ankommen wollte . Sein Vater war ja bei ihm : was sollte ihm da die See tun können ? Scheelenkuhlen und die Bösch passierten sie gegen Mittag schon , so rasch zog der Laertes davon . Bei Brunsbüttel füllte Hein Mück das Essen aus und übernahm das Ruder , während die andern sich die Klüten und Plummen schmecken ließen . Als sie wieder an Deck kamen , waren sie so weit , daß Klaus Mewes seinem Jungen die See zeigen konnte , denn im Norden trat das Ufer zurück , dort blinkte die See , die See , nach der er sich am Deich gesehnt hatte , der kleine Störtebeker , als wenn sein Leben damit vermacht wäre . Nun stand er bei seinem Vater hinter dem Kompaß und sagte : ja , er könne sie sehen , aber weiter sagte er nichts , denn eigentlich war es eine große Enttäuschung für ihn , dies erste Schauen ; er hatte auf der Zunge zu sagen : » Dat is ok jo wieder nix as Woter ! « - aber er verbiß es , denn er dachte : Erst ganz hin sein ! » Vadder , neem fischt wi nu ? « » Och , mien Jung , dat is noch wiet weg ! Ganz buten , kannst nu noch gor ne sehn ! « Das war Störtebeker recht , denn es mußte auch noch anders kommen , wenn es mehr sein sollte als die Elbe . Es gab noch das Osterfeuerschiff zu sehen , das an seinen Ketten riß , die Türme von Altenbruch ; dann kam Cuxhaven in Sicht , der dicke Leuchtturm , die Kugelbake . Da sah Störtebeker zum ersten Mal ein großes Schiff , eine Bark , unter Rahsegeln . Sein Vater wies ihm den alten und den neuen Hafen , die großen Seeschlepper , die mächtigen Anker , die am Deich standen , das Schloß Ritzebüttel , das klug und geborgen aus den Bäumen guckte , er zeigte ihm einen Seehund , der hinter dem Ewer auftauchte , und drei Masten , die im Norden kahl und verlassen aus der See guckten . Störtebeker wurde doch stiller , als er das Land kleiner und die See größer werden sah , als er wahrnahm , daß der Ewer ungestümer auf und ab tauchte und sich schräger als vorher warf , aber er hielt tapfer aus und ließ sich nichts merken . Es gab kein Halten mehr für den großen Ewer : mit dem flagigen , starken Südwestwind in den Segeln brauste er mächtig einher und schnitt eine breite , schaumige Furche wie ein rechter Pflüger . Noch trug er die Segel ohne Reffe , aber die Luft schmierte zu , dunkle Wolken beschatteten die See , und auf den Watten räucherte die Brandung . Mit breiten , langen Kämmen kam die Flut ihnen entgegen , aber diesmal wurde der Ewer Baas über sie , denn er hatte Wind , und ließ sich von ihr nicht mehr aufhalten . Sie segelten an der Kugelbake vorbei , der großen Frau der Elbmündung , die immerfort nach ihrem Mann sucht , der doch längst geblieben ist , - und nahmen den Kurs nach dem vierten Feuerschiff , N.z.W. Bald verlangte den Südwest nach Südwestern ; er brachte Regen und jagte die Seefischer ins Ölzeug . Auch Störtebeker mußte hinein . Als sein Vater ihm den Rock zuknöpfte , sah er ihn forschend an und bemerkte , daß das Gesicht schon etwas blasser geworden war : er tat aber , als hätte er nichts bemerkte . Dem Knecht und dem Jungen hatte er untersagt , mit der Seekrankheit zu drohen und Störtebeker bange zu machen : so dachte er ihn am ersten davor zu bewahren . Heiter wies er ihm den dicken Turm von Neuwerk und erzählte , daß Störtebeker von dort einen Gang unterm Wasser bis nach Cuxhaven gehabt hätte . Hinter Scharhörn sichteten sie die ersten fischenden Fischerewer : da vergaß der Junge das fremde Gefühl und wurde lebhafter , er holte sich den Kieker aus dem Nachthaus und betrachtete Ewer für Ewer : er las die Nummern und ließ sich die Schiffer dazu sagen . » 94 , Vadder ? « » Jakob Fock , dat weeß du doch ! « » 138 ? « » Jakob Mees . « - » 3 ? « » Friedrichson van de Au , de Störnfischer . « » 107 ? « » Ornd Fock ! « Er lernte erkennen , wann einer einzog : dann fiel die Fock nieder , und die Möwen flogen um die Masten , wann er kurrte , wann er segelte , wann er aussetzte . Von da an kümmerte er sich nicht viel mehr um Gallioten und Feuerschiffe , Lotsenschoner und Frachtdampfer , sondern nahm sich der Fischerei an . Er drängte , daß sie doch auch schon aussetzten , und war gar nicht erbaut , als er hörte , daß sie noch einen ganzen Tag zu segeln hätten . Wenn ein Ewer nahe kam , rief sein Vater den Schiffer an und fragte nach dem Fang , der Schiffer aber fragte nach dem Markt . Das war immer ein nachbarliches Gespräch wie am Deich und schloß mit einem Gedankenaustausch über das Wetter . Die See wurde düniger , und der Ewer tauchte tiefer . Bei der Lotsengalliot nahm eine hohe See den Ewer auf den Rücken und warf ihn dwars weg , daß Störtebeker das Gleichgewicht verlor und gegen das Boot flog . Er stand ruhig wieder auf und hielt sich am Dollbaum fest , aber die Düsigkeit im Kopf nahm immer mehr zu , und den schlechten Geschmack im Munde wurde er nicht wieder los : er fühlte , daß seine Stunde kam , daß er seekrank wurde und sich brechen mußte .