, nicht ohne Stolz , - » auch große Künstlerinnen zeigen zuweilen solche Unregelmäßigkeiten . - Haben Sie mal ein Bild der Lagerlöf gesehen ? Nun , da finden Sie das eine Auge in derselben Art , wie bei mir , ein wenig höhergestellt . « Und dabei lugte sie in den Spiegel und funkelte ihr eigenes , pikantes Hexengesichtchen herausfordernd an . » Aber ich bin auch linkshändig , « fuhr sie fort und verrührte mit der Linken den Zucker in der Teetasse , - » wie die meisten künstlerisch begabten Menschen oder doch solche , die - mit künstlerischen Anfechtungen « - sie zögerte und schloß dann , mit munterer Entschiedenheit , - » sagen wir belastet sind . « » Und Ihre - Belastung ? « » Ich habe eine unglückliche Liebe zum Klavier , - das ist meine kleine Passion « ; und sie berichtete , daß sie , trotz ihres Mangels an Zeit , regelmäßig in den zwei Stunden ihrer Mittagspause und jeden Abend von 9 bis 10 Uhr auf einem gemieteten Pianino übe . » Wann treten Sie Ihre neue Stellung an ? « » Zum Ersten natürlich , und bis dahin genieße ich meinen Kündigungsurlaub . « Was denn das für ein Urlaub wäre . » Das ist eine Freiheit von zwei Stunden täglich , die jedem Angestellten im Kündigungsmonat gewahrt werden muß , damit er sich eine neue Stellung suchen kann . Außerdem habe ich mir meine Neuralgie mal ausnahmsweise nicht verkniffen und habe mich für ein paar Tage krank gemeldet . Scheidung und Offertenschreiben - das nahm viel Zeit weg . « Und als Olga Näheres über die Art , wie sie sich ernähre , wissen wollte , erfuhr sie von einer seltsamen Odyssee , die wohl geeignet war , ihr Schauer einzuflößen . Als Gouvernante , wie zu ihrer Mädchenzeit , mochte sie nicht ihr Brot suchen . Die vollkommene Abhängigkeit im Hause einer fremden Familie wäre ihr jetzt unerträglich gewesen , auch hätte sie in ihrer Lage einer in Scheidung befindlichen Frau kaum eine solche Stellung gefunden . Sie hatte sich also , nachdem sie ihr Haus verließ , mit ihren Ersparnissen in eine einfache Pension eingemietet ; hier bezog sie das billigste Zimmer - die Mädchenkammer . Wenn man hier auch von dem Brausen der Wasserleitung und anderen unangenehmen Geräuschen des benachbarten Raumes gestört wurde , so konnten einem solche Kleinigkeiten , - wenn man sie für eine große Liebe erlitt , - nichts anhaben ... Hals über Kopf stürzte sie sich in einen Kursus für Buchhaltung , Stenographie und Schreibmaschine . Daneben trieb sie , allein , an der Hand kaufmännischer Sprachbücher , französische und englische Handelskorrespondenz . Sie hatte berechnet , daß ihre Mittel für ein Vierteljahr reichten . Nach sechs Wochen war der » Handelskursus « beendet , und sie ging auf die Stellungssuche . Sie schrieb , lief , annoncierte . Bei einer neugegründeten Zeitung » zur Verbesserung des Wohnungswesens « fand sie ihre erste Stellung . Hier sollte sie die Bücher einrichten . Nachdem sie dies mit Hilfe ihrer jungfräulichen Kenntnisse getan , wurde ihr vom Fünfzehnten zum Ersten gekündigt . Mit großer Freundlichkeit erklärte ihr der Chef , ein blutjunges , korpulentes Herrchen , daß der noch kleine Betrieb es ihm ermögliche , die Bücher nun selbst weiter zu führen . Aber er werde auf sie » zurückkommen « , wenn er ihrer bedürfen sollte . Bei der » Deutschen Stahlzentrale für die gesamte Metallwaren-Industrie « war ihr nächster Posten . In einem kleinen , schmalen Zimmerchen eines Hinterhauses wurde der stolz betitelte Betrieb geführt . Die Zentrale der Metallwaren-Industrie lieferte während ihres Dortseins einige Roststäbe für eine Gasanstalt . Nach kurzer Zeit erklärte der Chef , er habe sie unter der stillen Voraussetzung engagiert , daß sie sich mit etwas Betriebskapital beteiligen werde ; Heirat nicht ausgeschlossen . - Sie ging . Ein neuer Posten fand sich in einer » Fabrik zur Verwertung von Sägespänen « . Eine neuerfundene Maschine , die den märkischen Sand und die Sägespäne zusammen zu Bausteinen preßte , sollte hier verwertet und vertrieben werden . Die märkischen Gutsbesitzer sollten die Maschine kaufen , weil sie sowohl Sand als Sägespäne hatten . Der Chef hatte Verbindungen in aristokratischen Kreisen , besonders in denen des Landadels . Er sah sehr stattlich aus , glich einem Offizier in Zivil , war groß und kräftig , trug ein feines , englisches Bärtchen , einen sorgfältig geglätteten Offizierscheitel , eine diskrete Perle in einfarbiger Krawatte , hatte ein schneidig schnarrendes Organ und besaß einen kapitalen , echt russischen Windhund » Barseu « - dessen Leben auf 5000 Mark versichert war und mit dem er täglich mittags und abends persönlich auf den belebtesten Korsostraßen des feinen Westens spazieren ging , um auf diese Art für den » Barseu « eine seiner Rasse würdige Gefährtin zu finden . - Es waren noble , große Räume in einer Prachtstraße , die er gemietet hatte . Das Direktionsbureau sollte romanisch eingerichtet werden ; vorderhand war es allerdings noch fast leer , - ein alter Tisch , zwei Hocker , eine Kiste und eine Matratze für den » Barseu « bildeten das Inventar ... Erikas Kündigung erfolgte hier , weil sie angeblich zu langsam stenographierte und ungenügend die Schreibmaschine beherrschte . Die letzten vierzehn Tage peinigte sie der Chef , so erzählte sie , mit Vorsatz . Er diktierte viel zu schnell , zankte mit ihr , wenn sie die Sätze mit dem richtigen Kasus schrieb , während er Akkusativ und Dativ manchmal verwechselte . Zum Schluß kam es zu einer heftigen Szene . Als sie einem galoppierenden Diktat seiner schnarrenden Stimme nicht folgen konnte und er sie auf der Stelle zu entlassen drohte , empfahl sie ihm , sich einen Reichstagsstenographen zu engagieren . Der schneidige Chef erklärte ihr wütend , die Geschichte mit ihr sei » mau « , - worauf sie ihm erwiderte , sein Geschäft sei mau . Er wies ihr auf