Zeit hier am Kanubisee , als Vater und Mutter einander kennen lernten ? « » Ja , zu derselben Zeit . « Da stieg sie vom Steine herab und bat : » Reiche mir deine Hände ! « Er tat es . Sie ergriff sie , küßte sie ihm einmal , zweimal , zog dann seinen Kopf zu sich heran , küßte ihn einmal , zweimal auch auf die dunkle Wange und sprach : » Du bist der Retter meines Vaters ! Hast dich für ihn geopfert ! Warum kamst du nie zu uns ? Vater und Mutter haben niemals aufgehört , sich nach dir zu erkundigen , doch ohne zu erfahren , wo du bist ! « Der alte Westmann zitterte vor Aufregung und Rührung . Er weinte . » Woher weiß dein Vater , daß jener Schuß nicht mir , sondern ihm gegolten hat ? « fragte er . » Ich habe es nie verraten ! « » O doch ! Aber ohne daß du es wolltest . Du hast es im Fieber erzählt . Vater hat jenen Menschen zweimal wieder gesehen , doch ohne ihn fassen zu können . Sein richtiger Name war nicht Tom Muddy , sondern Sander . Als gestern Abend Euer Feuer wie ein ganz , ganz kleiner , flackernder Stern vom Berge leuchtete , sagte Mutter zu mir : So leuchtete damals das Lagerfeuer unseres weißen Retters von genau da oben herab , am Abend , bevor ich ihn zum ersten Male sah . « » Deine Mutter ist hier ? « erkundigte er sich schnell . » Sie war hier , ist es aber nicht mehr , « antwortete sie . » Es waren viele Frauen und Töchter hier , die aber mit dem Morgengrauen fortgeritten sind . Ich blieb allein zurück - - - als Wache , als Kundschafterin . « » Als Kundschafterin ? « fragte er lächelnd . » Wenn wir nun Feinde wären ? « » So hättet ihr mich nicht zu sehen bekommen . « » So hast du wissen wollen , wer wir sind ? « » Weil wir Euer Feuer gesehen hatten , ja . « » Und woraus erkanntest du , daß wir nicht gefährlich seien ? « » Weil eine Squaw sich bei euch befand . « » Ah ! Ganz richtig , ganz richtig ! Nun mußt du wohl schnell von hier fort ? « » Ja , um die Andern einzuholen . Doch werde ich diesen Ort nicht mehr verlassen , ohne von dir erfahren zu haben , wann und wo wir dich sehen und treffen können . « » Wohin reitet ihr ? « » Das darf ich nicht sagen . « Da stieg der » junge Adler « vom Pferde , trat hinzu und sagte : » Du darfst ! - Schau her ! Ich bin dein Bruder . « Er trug den neuen Lederanzug , den Pappermann ihm aufgehoben hatte ; den alten hatte er weggeworfen . In diesem neuen Anzuge nahm er sich sehr stattlich aus . Er deutete auf die rechte Seite der Brust , wo ein kleiner , zwölfstrahliger Stern aus Perlen eingestickt war . Ich sah an ihrem Gewande an derselben Stelle ganz denselben Stern . » Du bist ein Winnetou ? « fragte sie , ihn jetzt genauer betrachtend . » Ja . « » Und ich bin eine Winnetah . Wir tragen also beide den Stern des großen Winnetou und sind also Bruder und Schwester . Ich bin eine Siou Ogallallah . Und du ? « » Ein Apatsche vom Stamme der Mescaleros . « » Also von Winnetous Stamm . Ich bitte dich , mir deinen Namen zu sagen . Oder hast du noch keinen ? « » Ich habe einen , « lächelte er . » Man nennt mich den jungen Adler . « Da machte sie eine Bewegung der Ueberraschung . » Man weiß , daß ein Lieblingsschüler des berühmten Tatellah-Satah diesen Namen trägt . Er bekam ihn schon in früher Jugend , wo Andere noch lange Zeit ohne Namen sind . Kennst du ihn ? « » Ja . « » Er war der Allererste , dem Tatellah-Satah erlaubte , den Stern unsers Winnetou zu tragen . Weißt du , wo er sich jetzt befindet ? « » Ja . « » Darfst du es mir sagen ? « » Niemand verbietet es mir . Er steht vor dir . « » Du , du bist es ? Du selbst , du selbst ? « fragte sie , indem ein Glanz aufrichtiger Freude ihre Wangen überflog . » Man sagte , du seiest verschwunden ? « » Man sagte die Wahrheit , « antwortete er . » Um den heiligen Ton der Friedenspfeife zu holen ? « » Ja . Und noch Schwereres dazu . « » Man erzählte , du habest dir selbst dabei eine schwere , sehr schwere Aufgabe gestellt ? « » Auch das ist wahr . « » Ist dir die Lösung gelungen ? « » Sie gelang . Unser großer , guter Manitou hat mich geführt und beschützt . Seit ich den Mount Winnetou verließ , sind über vier Jahre vergangen . Nun kehre ich zurück . Du hast denselben Weg ? « » Ja . « » So will ich nicht fragen , wohin ihr heute reitet , denn ich weiß , daß ich dich wiedersehen werde . « » Wünschest du das ? « » Ja . Und du ? « » Ich auch . « » So bitte , gib mir deine Hand ! « » Ich gebe dir beide ! « Sie reichte sie ihm und schaute ihm mit großen , offenen Augen in das männlich schön gezeichnete , ernste Gesicht . Er aber sah über den See hinüber , wie in eine weite , weite Ferne hinein . Es gab eine kurze Zeit des Schweigens . Dann sagte er : » Die Enkelin des größten Medizinmannes der Seneca