prophetische Vorhersagen gibt , zu wissen tun , was mir die zigeunerische Wahrsagerin zu Hirschberg prophezeit hat : ich werde einen großen Schatz gewinnen und reich wie König Salomo werden . Item ist mir von einem Sterndeuter im Hause des Herrn Medikus Schmirsel eine Vorhersage gemacht . Nachdem dieser astrologische Adepte vernommen , ich sei am Johannistage des Jahres 1606 zu Magdeburg ans Licht gekommen , brachte er heraus , ich werde großen Reichtum zusammenbringen und eines Fürsten getreuer Diener werden . Da ich nun die Frage tat , wer wohl dieser Fürst sei , entgegnete der Sterndeuter : Kein andrer als der künftige Böhmerkönig ! Aber nicht bloß zu meinen Gunsten sollst Du Herrn Seno bekehren ; noch eines andern Menschenkindes Wohlfahrt liegt mir derart am Herzen , daß ich den Herrn in aller Inständigkeit um Hilfe bitte . Burg Wasenstein , mein Gefängnis , birgt auch eine schuldlose Jungfer , die Tochter jenes Grafen Schlick , so zu Prag wegen Rebellion enthauptet worden . Nicht genung , daß Fräulein Thekla von ihrem Oheim , dem Grafen Slawata , ihres väterlichen Erbes beraubt worden , ist sie gar seine Gefangene , ohne Richterspruch . Ein Klosterfräulein möchte der Slawata aus seiner Nichte machen und , maßen sie sich weigert , den Schleier zu nehmen , sie hinter Schloß und Riegel kirren . Die arme Jungfer verbindet ihr Flehen mit dem meinigen , Herr Seno möge doch Seiner Hoheit , dem Herzog zu Friedland , das Herz zu Gnaden wenden , daß Fräulein Thekla nebst ihrer Kammerfrau zur Freiheit gelange . Um Herrn Seno in Stand zu setzen , seinem Herzog dies alles darzustellen , magst Du meinen Brief , nachdem Du Copiam genommen , in seiner Hand lassen . Nun federe Dich , lieber Oheim , und tue alles genau nach meinem Plane . Lege Herrn Seno meine Ehrfurcht zu Füßen und sei ein zweiter Vater Deinem armen Johannes . « Diese Briefe wurden von mir geschrieben und in einer Hülle durch einen Courier dem Pater Aloisio übersandt . Kaum war der Courier fort , so zeigte mir Fortuna , wie wenig ihrem Lächeln zu trauen , und wie ihre Gunst an einem Spinnenfaden hängt , leicht zerreißbar . Es begab sich nämlich , daß beim Experimentieren mit Salpeter und anderen entzündlichen Stoffen das im Schmelztiegel befindliche Gemenge sich entzündete und unter dumpfem Knall den ganzen Schmelzofen zersprengete , so daß die Mündung in den Schornstein sichtbar ward . Vom Getöse herbeigerufen , kam der Vogt und besah den Schaden . Wiewohl ich bemüht war , sein Aufmerken vom Schornstein abzulenken , erkannte er doch , daß hier ein Ausweg aus meinem Gefängnisse sei , und ließ sogleich den Schmied holen , der vor die Höhlung des Schornsteins schwere Eisenstangen ins Gemäuer einfügen mußte . Hierauf erst ward mein Schmelzofen durch Mauern und Kitten wiederhergestellt . Das war nun für mich ein harter Schlag , denn es schien mir kaum möglich , die Eisenstäbe zu beseitigen . Dabei mußte ich noch froh sein , daß ich alles Wichtige mit dem Fräulein verabredet hatte . Von Tag zu Tag wuchs meine Beklommenheit und Ungeduld . So waren bereits die Frühlingsstürme verrauscht und milde Tage gekommen . Nach meiner Berechnung hätte Seno schon vor sechs Wochen eintreffen können . Pater Aloisius schwieg , und ich wußte nicht einmal , ob mein Schreiben in seine Hand gelangt sei . Seit die ersten Stare im Burghofe gezwitschert hatten , war nun schon zweimal Vollmond gewesen , aber kein Zeichen der Außenwelt versprach mir Hilfe . Die Hoffnung auf Seno hatte ich bereits aufgegeben , und in tiefer Betrübnis grüßte ich den Tag , an welchem meine Gefangenschaft sich jährte . Um die Mittagszeit erscholl auf dem Hofe ein Lärmen und Hundekläffen , als ob eine Jagdgesellschaft einziehe . In der Tat sah ich durchs Fenster Grünröcke , über der Schulter das Waldhorn , eine Koppel Hunde und Reiter mit Feuerrohren . Froher Schrecken fuhr mir durch die Glieder , als Schritte sich meinem Gemache näherten und ein fremder Herr eintrat , gefolgt vom Vogte und von Soldaten . Der Herr , von kleiner Gestalt , hatte ein fahles , durchfurchtes Angesicht , Haupthaar und Bart ergraut ; er trug fürnehme Kleidung , wiewohl nicht nach Art der Kavaliere . Sein stechend schwarzes Auge ruhte forschend auf mir , und dieser Blick , der mein ganzes Wesen und Schicksal ausspähen wollte , verriet mir : Seno muß das sein ! Hierauf wandte sich der Herr zum Vogte : » Ich will mit diesem Goldmacher allein sein . « Der Vogt stutzte und tat den Einwand : » Wolle der gnädige Herr verzeihen . Habe von meinem Herrn , dem Grafen Slawata , strengsten Befehl , diesen alchymistischen Zauberer mit niemand verkehren zu lassen , und wenn ich ... « Mit gerunzelter Stirne schnitt Seno ihm die Rede ab : » Ich weiß wohl , daß der Graf Slawata Oberstkanzler von Böheim ist ; aber einstweilen hat er auf Wasenstein noch nicht zu gebieten , während ich hier stehe im Namen seiner Altezza , des Herzogs zu Friedland . Wolle er das beachten , Vogt , widrigenfalls ich ihm durch meine Leute demonstrieren lasse , wer allhie gebeut . « Der Vogt rollte die Augen und tat gar einen Griff nach seinem Degen , doch die zupackenden Soldaten machten ihn rasch gefügig . Und Seno befahl : » Haltet den Vogt in eurer Mitte und harret draußen vor der Tür . Ich habe mit dem Goldmacher ein Stündlein zu reden . « Nach einem Blick ins offene Laboratorium meinte Seno : » Ist das Eure Werkstatt ? Treten wir ein ! « Wie ein Kundiger betrachtete er den Schmelzofen , trat zu den Gestellen , auf denen die Gefäße mit allerlei Stoffen geordnet stunden , und las etliche Aufschriften . Das Antlitz zu mir wendend , sprach er mit einem forschenden Blick : » Will Er sich nun wirklich unterstehen , vor meinen Augen Gold