auf . Kein jemals gehörtes Wort gab einen Hinweis , doch er ahnte es , wie man auf eine Feuersbrunst , die hinter den Bergen wütet , aus der Röte des Himmels schließt . Schändlich war ihm zumut , insgeheim fühlte er sich an , ob er denn auch seine Kleider am Körper trüge , und dann schaute er auf seine Hände nieder , ob sie nicht voll Schmutz seien . Er schämte sich , er schämte sich , vor den Wänden , vor dem Sessel , vor der brennenden Kerze schämte er sich ; er wünschte , die Tür möchte von selber sich öffnen , damit er unhörbar verschwinden könne . Es war wie das entsetzliche Aufleuchten von Augen , als ein rosiger Blitzstrahl ins Zimmer fuhr ; der Donner folgte wie ein enormer Schrei . Caspar drückte die Schultern zusammen und fing an zu zittern . Mittlerweile ging Frau Behold mit wahren Mannesschritten auf und ab , lachte ein paarmal kurz vor sich hin , plötzlich ergriff sie die Kerze und trat auf Caspar zu . » Du Aas , du verdorbenes , was hast du denn geglaubt , « sagte sie erbittert , » glaubst du vielleicht , mir liegt etwas an dir ? Ja , einen alten Stiefel ! Mach , daß du weiterkommst , und untersteh dich nicht , darüber zu sprechen , sonst massakrier ich dich ! « Sie lachte dabei , als solle es im Grunde doch nur Scherz sein , aber Caspar erschien sie übergroß , ihr schwarzer Schatten erfüllte den ganzen Raum , außer sich vor Furcht rannte er hinaus , die Frau hinter ihm her , er , die Treppe hinab zum Tor , rüttelte an der Klinke ; es war zugesperrt . Er hörte draußen den Regen aufs Pflaster prasseln , zugleich vernahm er hastig trippelnde Schritte , ein Schlüssel drehte sich im Schloß , und der Magistratsrat erschien auf der Schwelle . Die unaufhörlichen Blitze beleuchteten Caspars schlotternde Gestalt , und das Donnergeschmetter verschlang die Fragen des bestürzten Mannes . Oben an der Stiege stand Frau Behold , der nahe Kerzenschein durchfurchte ihr Gesicht mit verwildernden Lichtern und ihre Stimme übertönte den Donner , als sie ihrem Manne zuschrie : » Er hat sich betrunken , der Kerl ! Auf dem Schmausenbuk haben sie ihn betrunken gemacht ! Laß Er sich heute nur nicht mehr blicken ! Marsch , ins Bett mit ihm . « Der Magistratsrat schloß das Tor und klappte den triefenden Parapluie zu . » Nun , nun ... aber , aber , « machte er , » so schlimm wirds doch nicht gleich sein . « Frau Behold antwortete nicht . Sie schlug eine Tür zu , dann war es still und finster . » Komm Er nur mit , Caspar , « sagte der Rat , » wir wollen mal Licht anzünden und nachsehen , was es denn da gibt . Reich Er mir den Arm , so . « Er geleitete Caspar in dessen Zimmer , machte Licht und murmelte fortwährend kleine , beschwichtigende Sätzchen vor sich hin . Dann beroch er Caspars Atem , um zu sehen , ob er wirklich getrunken habe , schüttelte den Kopf und meinte verwundert : » Nichts dergleichen . Die Rätin ist da sicherlich im Irrtum . Aber mach Er sich nichts draus , Caspar , empfehl Er Seine Sache dem Herrn , und es wird wohl enden . Gute Nacht ! « Als Caspar allein war , irrte sein scheues Auge von Blitz zu Blitz . Bei jedem Aufflammen hatte er unter den Lidern Schmerzen wie von Nadelstichen , bei jedem Donnerschlag war ihm , als ob alles in seinem Leibe locker sei . Hände und Füße waren ihm eiskalt . Er wagte sich nicht ins Bett zu begeben , sondern blieb wie angewurzelt stehen , wo er stand . Er erinnerte sich mit Grauen des ersten Gewitters , das er im Turm auf der Burg erlebt hatte . Er war in einen Mauerwinkel gekrochen , und die Frau des Wärters war gekommen , ihn zu trösten . Sie sagte : » Man darf nicht hinausgehen , es ist ein großer Mann draußen , der zankt . « Immer , wenn es donnerte , bückte er sich ganz zur Erde , und die Frau sagte : » Hab keine Angst , Caspar , ich bleib bei dir . « Auch jetzt war es ihm , als sei ein großer Mann draußen , der zankte . Aber es war niemand da , um ihn zu trösten . Die Amsel , die in einem Käfig beim Fenster geduckt auf dem Holzstäbchen hockte , ließ bisweilen piepsende kleine Laute hören . Er hätte sie schon längst freigelassen , weil ihn das Tier erbarmte , doch fürchtete er Frau Beholds Zorn . Als das Gewitter im Wegziehen war , entledigte er sich schnell der Kleider , kroch ins Bett und deckte sich bis zur Stirn hinauf zu , um das Blitzen nicht sehen zu müssen . In der Eile vergaß er sogar , die Türe abzuriegeln , und dieser Umstand hatte ein gar sonderbares Geschehnis zur Folge . Am Morgen beim Aufwachen spürte er einen durchdringenden Geruch . Ja , es roch nach Blut im Zimmer . Schaudernd blickte er sich um , und das erste , was er sah , war , daß der Vogelbauer am Fenster leer war . Caspar suchte nach dem Tierchen und gewahrte , daß die Amsel auf dem Tisch lag , tot , mit ausgebreiteten Flügeln , in einem Blutgerinnsel . Und daneben , auf einem weißen Teller , lag das blutige kleine Herz . Was mochte dies bedeuten ? Caspar verzog das Gesicht , und sein Mund zuckte wie bei einem Kind , bevor es weint . Er kleidete sich an , um in die Küche zu gehen und die Leute zu fragen , doch als er das Zimmer verließ , erschrak er , denn Frau Behold stand im Flur neben