aus meiner Welt und aus Ihrer . « » Dünkt es Sie so ? « sagte Einhart beglückt lächelnd . » Ja , nämlich lachen Sie nur nicht ! Aber alle Dinge sind so stumm , und nur ein Deuter kann sie zum Reden zwingen , « sagte Frau Rehorst , in den Anblick des Bildes neu versunken . » Dann kann es manchmal eine wundervolle Melodie sein , das Leben , « sagte Einhart , indes er Frau Rehorst verstohlen von der Seite ansah . » Und es gibt Menschen , die brauchen nur da zu sein , da sieht man mit ihren Augen und hört mit ihren Ohren , « sagte Frau Rehorst und sah Einhart mit ein wenig Schwermut an , vollendete nicht und sah auf die Skizzen , die Einhart aus Ecken und Winkeln nun vor sie trug , und dann und wann immer wieder auf das große Bild zurück . So waren sie lange stumm , Zeichnungen und Entwürfe betrachtend , dann und wann einmal mit dem Finger hinweisend und dazu lächelnd , oder , wie es Frau Rehorst tat , ein flüchtiges Urteilswort hinmurmelnd . » Seit Sie bei uns waren , « sagte sie endlich . Aber sie vollendete wieder nicht . Sie lachte Einhart jetzt nur freundlich an . Danach nahm sie ihren Hut , den sie sich sorgfältig vor dem Spiegel auf ihr volles Scheitelhaar steckte , und sagte dabei in ganz anderem Tone : » Ja , ja ! darüber können wir dann reden , wenn wir einmal vertrauter geworden sind und uns die Worte , die ein jeder redet , noch deutlicher und persönlicher auf uns selber hinweisen . Einstweilen genügt , daß Sie es wissen . « » Was wissen ? « fragte Einhart , » meine verehrte Frau Rehorst ? « Einhart war fast wie eingeschüchtert vor ihr . » Nun nichts , als daß ich Sie oft bei uns erwarte . « Einhart machte ein glückliches Gesicht . » Kommen Sie in der Dämmerung , wenn Sie nicht malen können . Kommen Sie , wenn es Ihnen paßt , Herr Selle ! « - - - » Herr Einhart Selle ! « - - - » Herr Einhart Selle « sagte sie noch einmal vor sich hin , als wenn sie den Namen schmecken wollte . » Ich habe eben erst Ihren Vornamen gelesen . Also muß ich ihn mir zweimal sagen , « redete sie launig . » Was für eine sehr , sehr feine Anschauung , und ist doch gar nicht unrichtig gesehen . Also aus unsrer Gesellschaft brachten Sie das mit heim ? « sagte sie noch einmal sinnend auf das Bild gewandt . » Und hatten also eine Erinnerung . Wie schön mir das däucht ! « sagte sie hastig . » Also Sie kommen , Herr Einhart Selle ! nicht ? « Einhart war ganz müde plötzlich , wie sie draußen seine Hand genommen in ihre weiche , weiße Hand , die noch ohne Handschuh war , und er dann diese zarte Hand heiß in der seinen gefühlt und sie geküßt hatte , was er noch nie im Leben getan . 9 Frau Rehorst lebte ein Leben voll Entsagung . Das kam , weil sie eine Jugend voller Träume in großem Reichtum genossen , und nun die Dinge um und um , über die sie Macht hatte , sich nicht tiefer enthüllen wollten , als bis zu ihren herkömmlichen Zwecken . Und dann kam es daher , daß sie jung war , und daß ihre Kinder , insonderheit Margit , sie vor sich selber alt machten , weil sie mit völlig eigenen Begehrungen herangewachsen waren , und das Gefühl ihrer Mütterlichkeit immer mehr zu Würde und Bürde erhoben . Aber noch mehr : Frau Rehorst hatte lange im Leben nur so hingelebt , Erfüllungen hingenommen , und Preise des Lebens genossen , und nirgends war doch bisher ein Sieg und ein Erringen aus der Fülle und Tiefe gewesen , nirgend auch aus der eigenen Seele die Feuerflut der wahren Beglückung hervorgebrochen . Nirgend . Denn weder als Jungkind , noch wie sie ihres Mannes Geliebte gewesen , hatten sich die Wunder des Lebens ihrem Auge aufgetan . Liebe war ein Rätsel geblieben . Die Kinder , die diesem Rätsel entreiften , sah sie mit der pflegenden Sucht der fast leidenden Mutter zu Menschen werden oder in Margit schon geworden , die von der Mutter Lebensträumen gar nichts wußten . Alles umgab sie , daß ihr Fuß sich nie an einen Stein stoße . Herr Rehorst war Güte und Rücksicht und liebte die rastlosen Taten ihrer Fürsorge . Er empfand , als wenn sein Reichtum erst in ihr einen Sinn gewonnen . Als wenn die großen Werke seiner Unternehmungen erst gewissermaßen unter ihren Händen die einzige , wahre Blüte trieben , jene große , menschliche Wohltätigkeit , die die Unzahl Menschenseelen liebend und pflegend einte , deren Leiber man in dem rastlosen Tun der Maschinen nicht ruhen ließ . Herr Rehorst konnte nicht die schlanke Erscheinung Frau Rehorsts und ihre sanfte , schwermutsvolle Stimme oder ihren versunkenen Trauerblick bemerken , ohne nicht heimlich wie eine Weihe zu fühlen über sein Tun . Und er ging durch seine Arbeiterhäuser und die Badeanstalten und Unterhaltungs- und Leseräume nicht anders , als daß er den Genius der Liebe pries , der hier zu inniger Menschlichkeit zusammenband , was die Industrie ohne Acht auf das hohe Gesetz des persönlichen Lebens in tausend kleinliche Erniedrigungen zerriß . Herr Rehorst war in dem Sinne geradezu ein Schüler dieser Frau . Er sagte viele Male , daß , wenn die Industrie auch unsäglich unbarmherzig vorwärts ginge , sie eben nur mit solcher Grausamkeit ihr Werk erzwänge , daß in den Wohlfahrtseinrichtungen die ersten Knospenkeime sozialer Menschlichkeit aufblühten . Diese Einrichtungen für den Menschen im Arbeiter wären der ganze Sinn . Frau Rehorst hatte das gleich gesagt , wie sie in die Ehe getreten . Und hatte Mittel genug gefunden