er machte ein bekümmertes Gesicht , seufzte und gab Heller die Hand zum Abschied , indem er sagte , die Welt sei heute anders wie früher , und ein Vater mit erwachsenen Kindern habe viele Sorgen ; er vertraue aber Heller , daß er nicht schlecht an seiner Tochter handeln werde ; darauf ging das alte Männchen unter vielem Dienern aus der Tür . Nach diesem Besuch dachte Heller in einer neuen Gesinnung über seine Liebe nach und kam zu dem Schluß , daß bei dem Verhältnis doch auf beiden Seiten ein Irrtum gewaltet habe , indem Helene eigentlich noch gänzlich in den bürgerlichen Anschauungen befangen war und sich nicht , wie er vorher gemeint , zu den modernen Ideen durchgerungen hatte und ihn auch nicht richtig verstanden hatte , und auch sie hatte sich etwas andres von ihm gedacht . Dazu kamen psychologische Erwägungen , denn es war ihm nicht entgangen , daß sie in ihrem Anzuge sehr ordentlich , aber recht einfach war und keinerlei Reiz entfaltete , wo doch offenbar ein Mädchen , wenn es liebt , den Wunsch hat , dem Mann auf jede mögliche Weise , namentlich aber durch den Anzug , zu gefallen ; deshalb , wenn sie in Wahrheit eine Neigung für ihn hätte , so müßte sich ihr Gefühl irgendwie in kleinen Koketterien der Haartracht , oder eines einfachen Schmuckes , oder einer gefälligen Bluse , oder sonstwie äußern , aber weil nichts dergleichen geschehen , so mußte er zu dem Schluß kommen , daß ihre Zuneigung zu ihm nur auf einem Irrtum beruhte , der ja erklärlich war , daß sie unter ihren eigentümlichen Umständen sich das einreden konnte , sie liebe ihn , während sie vielleicht nur Achtung empfand . Wie Heller sich das klar gemacht , beschloß er ohne Zögern so zu handeln , wie es die Umstände forderten , denn für sie beide schien es ihm das beste , wenn sie nunmehr , nachdem sie diese Einsicht gewonnen , in den gewöhnlichen Zustand zurückkehrten , in dem sie sonst gelebt hätten ; deshalb schrieb er gleich in diesem Sinne an Helene einen Brief . Diese aber war sehr traurig , als sie Hellers Meinung erfuhr , und weinte heftig , denn sie dachte , daß sie durch irgend etwas seine Zuneigung verscherzt habe , prüfte alle ihre Handlungen und fand endlich als einzigen Grund , der möglich war , daß sie die Angelegenheit ihrer Mutter erzählt , und daß vielleicht von ihrem Vater Schritte geschehen seien , die ihn verletzt hatten . So ging sie zu ihren Eltern , um sich zu erkundigen , und wie sie alles gehört , machte sie unter vielen Tränen ihrem Vater heftige Vorwürfe und sagte , er habe gegen sie ebenso gehandelt wie gegen ihren Bruder , und der alte Mann geriet in große Not und versuchte sie mit allerhand Versprechungen und Liebkosungen zu beruhigen , aber sie sagte immer , ihr Leben sei zerstört , und keinerlei Trost wollte helfen . Es mußte aber in solchen Fällen auf einen immer alle Schuld geworfen werden , und so vereinigte sich bald die Mutter mit der Tochter gegen den Vater , und am Ende kam Helene derart zu einer gewissen Beruhigung , weil sie beides , Vorwürfe machen und Klagen auslassen konnte . Wie Heller den üblen Erfolg seines Planes vernommen hatte , geriet er in große Verlegenheit und beschloß , daß er Helene weiterhin besuchen und scheinbar ganz in der früheren Weise mit ihr verkehren wollte , dabei aber sollte sein Zweck sein , sie sowohl durch Gründe wie durch Erregung von Stimmungen zu andern Gefühlen zu bringen , so daß sie ihre gefaßte Liebe vergäße . Indem er nach diesem neuen Plan handelte , geschah es indessen , daß die beiden als zwei junge und harmlose Leute sich immer weiter in dem Netz der Liebe verstrickten ; und wie es öfter geschieht , so kam es auch hier dazu , daß der weibliche Teil schnell ein Übergewicht erhielt , nachdem erst einmal eine gewisse Klarheit in den Beziehungen eingetreten war , und da Helene als ein braves und ordentliches Wesen keine Neigungen für Hellers neue Theorien aufwies , so endeten die beiden zuletzt mit einer gewöhnlichen und bürgerlichen Verlobung . Und dieses Ende machte zwar Heller manche Unruhe , denn er vermochte nur schwer seine Gedanken auf solche unerwartete Handlungsweise einzurichten , im Grunde aber hatte er doch ein großes Glück durch diesen Ausgang , denn nun wurde seinem Bedenken und Reden ein Schluß gemacht , und er mußte sich auf einen Broterwerb einrichten , was für einen solchen Mann doch nötig ist , sonst wird er mit den Jahren anstatt klüger , immer läppischer , und zuletzt gelangt er vielleicht sogar zu Bösartigkeit . Diese geschilderte Entwicklung von Hellers Liebe ging naturgemäß in einem längeren Zeitraum vor sich , währenddessen unser Held Hans verschiedenes kennen lernte , von dem er vieles noch nicht gewußt . Die Berichte Hellers vom Fortgang seiner Geschichte hörte er zuletzt mit Kopfschütteln an , denn wiewohl der andre älter war wie er , kamen ihm doch jetzt Bedenken über ihn , und er schätzte ihn nicht mehr so sehr hoch wie anfangs . Da sich eine solche Wandlung aus der größten Hochachtung nicht verbergen läßt , so verspürte sie Heller wohl , und indem er durch sie an einer Stelle getroffen wurde , wo er am leichtesten verwundbar war , nämlich in der besonderen Achtung , die er vor sich selbst hatte , so wurde er merklich kühler . Hans aber wurde inzwischen durch die Zufälle solcher unbestimmten Situationen des Lebens , wie er sich jetzt befand , zu einem weiteren Verkehr mit Krechting getrieben und zu einer Bekanntschaft in der Familie von Kurts Herrn . Über diesen Geschäftsmann und seine Frau ist nichts Wichtiges zu sagen , denn sie sind ganz gleichgültige bürgerliche Personen gewesen . Der Mann hatte sich von unten in die Höhe gearbeitet , und weil er nicht Zeit gehabt ,