immer Onkel « , sagte Zarek und ging an den Spiegel . » Schau ' ich wirklich aus wie alter Onkel ? « Er hatte eine rote wattierte Jacke an , eine Riesennase und struppiges Haar . » Geben Sie Obacht , der Spiegel zerspringt , wenn Sie hineinsehen « , rief eine russische Studentin , die neben Baldern auf einer Matratze saß . - Außer den beiden war noch ein Bildhauer da mit einem rotblonden Mädel . Der Maxl schlug vor , man sollte Glühwein machen , um endlich warm zu werden . So legten sie alle zusammen , und er ging zur Krämerin hinüber , um Wein zu holen . Dann gab es ein lautes Durcheinander , bis jeder sein Glas oder seine Tasse hatte . Zarek schnitt mit einem großen Messer Holzspäne , die als Löffel dienen mußten . Nun wurde es endlich gemütlich ; weil nicht genug Platz war , zogen sie Polster und Kissen aus dem Bett und legten sich damit auf den Boden . Die Luft füllte sich mit Zigarettenrauch , und es war ein solcher Lärm , daß man sich kaum verstehen konnte . Baldern und die Russin hatten sich auf dem Bett niedergelassen , er spielte Gitarre und sie sang ein Lied nach dem andern . Der Maxl , der einzige , der immer nüchtern blieb , saß auf einem Stuhl , die Beine weit von sich gestreckt , und sprach über Rembrandt , Ellen neben Walkoff an der Erde und hörte zu . Sie hatte den Kopf an ihn gelegt , seine Hand glitt über ihre Haare und ihren Hals - zwischendurch sahen sie sich an und tranken aus demselben Glas . Das andre Paar flüsterte und küßte sich in der entferntesten Ecke . Dazwischen wanderte der Onkel unruhig umher und stolperte jeden Augenblick über ein paar Füße - er hatte ein künstliches Bein und hinkte stark ; das machte seine schwerfällige , breite Gestalt noch unbeholfener . » Seid ihr alle besoffen , pfui , liebe ich nicht Bacchanal . « » Hab ' ich kein Weib « , parodierte ihn Baldern , » komm her , du kannst abwechselnd bei uns hospitieren . « » Nicht gemein werden « , sagte die Russin . » Warum ist die Dalwendt nicht hier , dann seid ihr immer so anständig . « Zarek setzte sich neben sie und strich ihr eine schwarze Locke aus der Stirn . » Fräulein , schauen Sie mich an mit glühenden Augenach , sind Sie schön , sind Sie wie Schmetterling . « Dann wollte er sie fangen und küssen , irgend jemand löschte die Lampe aus , und nun kam eine verworrene Rauferei im Dunkeln - die Studentin schrie , der Onkel grollte mit seiner tiefsten Stimme , und das Paar in der Ecke lachte laut . Walkoff beugte sich zu Ellen nieder und küßte sie auf den Hals , auf den Mund , bei jeder Bewegung durchrieselte sie ein heißer Schauer . Der Maxl sah ruhig zu , sein schmales Gesicht mit dem blonden , kurz emporgesträubten Haar blieb unbeweglich , während er immer weiter sprach . Da wurde stark an die Tür geklopft , alle fuhren zusammen , blieben dann aber ruhig in ihrer vorigen Stellung , als eine lange Gestalt , die man nicht deutlich erkennen konnte , in der Tür erschien . Nur Zarek polterte dem Angekommenen entgegen : » Ach , Fritz ! Grüß Gott , Fritz . « » Grüß Gott , Fritz « , schrien nun alle im Chor , niemand wußte , wer er war . - Zarek versuchte vorzustellen : » Herr Bruhnert - Fräulein ... « Der neue Gast verbeugte sich aufs Geratewohl ins Dunkel hinein , er war namenlos verlegen und wußte sich nicht hineinzufinden ; obendrein konnte er niemand erkennen , und immer mehr Stimmen kamen aus dem Hintergrund . » Mach ' doch Licht , Zarek , man kann ja nichts sehen . « » Ist auch besser , du siehst nicht . - Ist der Fritz noch sehr unverdorben « , erklärte er dann . Der setzte sich ergeben auf einen Stuhl und schien peinlich berührt . Die andern kümmerten sich nicht viel um seine Gegenwart , schließlich wurde auch die Lampe wieder angezündet . Etwas mißtrauisch und halb amüsiert sah der Fritz über seinen Klemmer weg . - Er war sehr gut angezogen und machte einen wohlhabenden Eindruck . » Du mußt etwas zu trinken haben , Fritzl « , sagte Ellen , » dann wird dir schon besser werden « , worauf er sie mit unbegrenztem Erstaunen ansah . » Ja , wenn Sie so freundlich sein wollen . « Sie goß den Rest in die Gläser , während Zarek es noch einmal mit dem Vorstellen versuchte , aber es war umsonst , und er gab es auf . Dann schlug er mit dem großen Küchenmesser an sein Glas und brüllte : » Ruhe ! - Sind wir alle Menschen , sind wir alle Brüder - sind wir alle Künstler - haben wir alle Rausch - wollen wir Brüderschaft trinken in Kunst ! « » Na , dann komm ich mal doch auch zu einem Kuß « , sagte der stoische Maxl , und das Bruderschaftstrinken begann ; sie waren alle aufgestanden , legten die Arme ineinander , schwenkten sich im Kreise herum und küßten sich . Der Fritz küßte den Damen nur die Hand . » Gehen wir jetzt ins Café , Fritz hat Geld . « Im Café ließen sie sich an ihrem gewohnten Tisch nieder ; man kannte sie dort schon und erschrak etwas , wenn sie kamen , denn für die andern Gäste war es dann unmöglich , noch ein Wort zu reden . - Ellen saß dem Fritz gegenüber und war in ihrer seligsten Laune . » Schaut sie aus wie ein Kind « , sagte Zarek zärtlich . » Walkoff , nimm dich in acht vor Zuchthaus . « » Nimm dich selber