kein guter Einfall kommen . Er habe hier wie überall , seine Superiorität zu erweisen . Die schöne Frau hätte seine Begierde , sie wieder zu sehen , nicht noch zu schüren brauchen . Er wälzte Tag und Nacht die Möglichkeiten eines zweiten Rendezvous in seiner Seele . Auf seinen einsamen Spaziergängen , die er jetzt bei Einbruch der Nacht über die gewohnten Grenzen seiner nächsten Nachbarschaft hinaus zu machen pflegte , war er in Charlottenburg , den brennenden Durst zu stillen , in ein Restaurant getreten , das , wie verödet es auch jetzt schien , Spuren ehemaligen Glanzes aufwies . Sein Bier trinkend , hatte er sich mit dem einzigen Kellner , der sich blicken ließ , einem älteren Mann , in ein Gespräch eingelassen und seine Vermutung bestätigen hören . Das Lokal sei früher ein sehr besuchtes gewesen ; jetzt hätten andere , dem Tiergartenbahnhof näher , es tot gemacht . Nicht ganz , Gott sei Dank ! Ein so renommiertes Restaurant verliere den alten guten Ruf nicht so leicht . Es kämen immer noch Herrschaften , alte Kunden zuweist , die wüßten , daß in der Küche gerade noch so schmackhaft gekocht werde und in dem Keller die feinen Marken nicht ausgegangen seien . Da gebe es denn manchmal noch ein kleines Dinerchen oder Souperchen hier im Saal unten , oder oben , oder in separaten Kabinetten , die bei ihnen ebenso komfortabel zu finden wären , wie bei Hiller Unter den Linden , oder einem sonstigen sogenannten eleganten Restaurant . Zum Beweis , daß er die lautere Wahrheit spreche , hatte er den einsamen Gast in ein oder zwei Kabinette blicken lassen , auch die Gasflammen entzündet , um ihn die verblichene Pracht bewundern zu lassen . An dies Lokal , das seine Phantasie eigentümlich berührt hatte , als sei es aus einem Dickens ' schen Roman herausgewachsen , dachte Albrecht . Es war nicht , oder so gut wie nicht besucht ; abgelegen und doch unschwer zu erreichen . Aber er wagte nicht , es Klotilden in Vorschlag zu bringen : es hätte ihren aristokratischen Gewohnheiten allzu wenig entsprochen . Vor einer andern Idee , die ihm ebenfalls kam , bebte er gar zurück . Er hatte wohl von Chambres garnies gehört , die für einzelne Tage , ja für Stunden zu mieten wären , und die Ankündigungen oft genug auf den betreffenden Schildern gelesen . Und weiter gehört , in welcher Absicht diese Zimmer nicht selten gemietet würden . Wenn es ihm undenkbar war , daß er jemals ein solches Haus betreten könne , wie hätte ihr Fuß die unsaubere Schwelle überschreiten dürfen ! Es war eine Versündigung , es nur zu denken . Aber was nun ? Sie sagte , daß sie sich nach seinem Anblick , nach dem Ton seiner Stimme sehne ; und seine Seele lechzte nach ihr , wie die Lippen des auf dem Schlachtfeld an seinen Wunden Verblutenden nach einem Tropfen Wasser . Nochmals eine Wagenexpedition ? Aber wenn ihr die ausführbar erschienen wäre , hätte sie selbst wohl daran gedacht . Oder wahrscheinlicher , sie fühlte wie er : daß eine solche Situation bei aller Süßigkeit des Augenblicks im Nachgeschmack etwas Plebejisches habe . Bis ihm ein besserer Einfall kam : ein neutraler Ort , der nichts Anstößiges hatte und wo man sich wenigstens sehen und , wenn das Glück gut war , ein paar Worte wechseln könnte . Die große Ausstellung war leider längst geschlossen ; Schulte ' s Salon wäre gewiß unverfänglich gewesen , nur daß man dort gar zu leicht auf Bekannte treffen konnte . Eines der Museen ? Sie waren der gesuchte Rendezvousplatz für sämtliche verliebten Studenten und Grisetten in Berlin . Höchstens das National-Museum . Und da fiel ihm ein , daß dort in den oberen Räumen gerade eine jener Ausstellungen der hinterlassenen Werke von ein paar Künstlern stattfand , die nicht eben zu den Koryphäen gehört hatten und deren Namen sicher wenig Anziehungskraft auf das Publikum ausüben würden . Nur ein pis aller freilich . In seiner Verlegenheit machte er ihr doch den Vorschlag , und daß er am nächsten Tage um zwei Uhr sich auf alle Fälle da einfinden werde . Es war ein dunkler , regnerischer Tag , der nächste , möglichst wenig für die Besichtigung von Kunstgegenständen geeignet . Was konnten sie sich Besseres wünschen ? Mit klopfendem Herzen hatte er die hohen Treppen erstiegen ; wie er es erwartet , fand er die unfreundlichen Räume bis auf einige wenige Personen völlig leer . In der That war auch nur in dem größeren Oberlichtsaal mit einiger Deutlichkeit zu erkennen was in sauberster Ordnung an den Wänden herumhing : größere Landschaften , Farbenskizzen , Zeichnungen - ; in den kleinen hintern Kammern herrschte beinahe völliges Dunkel . Er war einmal rasch durch sämtliche Räume geschritten , und hatte dann in dem Oberlichtsaal Posto gefaßt . Die Sachen hätten ihn sonst wohl lebhaft interessiert ; besonders der eine der beiden Künstler , ein allzu früh verstorbener junger Mann , zeigte bei aller tastenden Unsicherheit ein bedeutsames , freilich ganz im Bann der jüngsten Schule stehendes Talent . Er hatte den Brausekopf sogar gekannt und im Café Bauer ein und das andre interessante Gespräch mit ihm geführt . Was war ihm das alles jetzt , wo seine Seele nur den einen Gedanken hatte , sein Herz nur der eine Wunsch erfüllte ! Immer verzehrender , als nun Minute um Minute schwand , ohne daß sie kam . Anstatt ihrer erschien der Professor Hederich , um glücklicherweise wieder zu verschwinden , nachdem er kaum einen flüchtigen Blick auf die Bilder geworfen und ein vernehmliches Pfui Teufel ! durch die Zähne gemurmelt . Endlich ! Sie war von Kopf bis zu Fuß in dunkler Kleidung , dennoch schien ihm plötzlich der ganze Raum mit Sonnenlicht gefüllt . Er trat auf sie zu und begrüßte sie formvoll , obgleich im Moment nur noch ein einziger schlichter Mann , ein höherer Handwerker , wie es