Kuchen backen , zu welchem Pauline selbst die Zutaten beim Krämer holte . Dann kam das Kind an die Reihe . Es wurde mit dem wollenen Kleidchen angeputzt , das Komtesse Ida der jungen Mutter kürzlich zugeschickt hatte . Schließlich machte auch Pauline sich selbst zurecht , ordnete ihr Haar und steckte die Granatbrosche an , die Gustav ihr früher einmal vom Jahrmarkt mitgebracht hatte . Der Nachmittag zog sich hin in Erwartung des Bräutigams . Zum Kaffee wird er wohl kommen , dachte Pauline bei sich ; daß er zu Hause bei seiner Mutter essen würde , war anzunehmen . Die Vesperzeit verging , er war noch nicht gekommen . Frau Katschner hatte den Kaffee selbst getrunken , damit er nicht umkomme , und den Kuchen weggeschlossen . Es wurde dunkel in der kleinen Stube . Pauline , die sich den ganzen Tag über lebhafter gezeigt hatte als gewöhnlich , war still geworden . Sie entkleidete den kleinen Gustav seiner Festsachen und brachte ihn zur Ruhe in die Kammer . Frau Katschner hatte die Lampe bereits angezündet , als Pauline wieder ins Wohnzimmer trat . » Nu war ar duch ne gekummen , Pauline ! « sagte die Mutter , halb mitleidig , halb neugierig , was die Tochter nun anstellen werde ; jedenfalls war sie nicht ganz frei von Schadenfreude . Pauline erwiderte nichts ; in ihrer gespannten , trostlosen Miene lag alles ausgesprochen . Jetzt hielt sie es nicht mehr der Mühe für wert , der Mutter gegenüber den Schein der Gleichgültigkeit aufrecht zu halten . Nichtsdestoweniger besorgte sie alles , schaffte und ordnete , wie sie es jeden Abend zu tun gewohnt war . Aber als sie allein war in der Kammer bei dem schlafenden Kinde , brach der zurückgehaltene Jammer aus . Sie saß auf der Kante ihres Bettes . Die Tränen liefen ihr über die Wangen , unaufhörlich . Daß er ihr das antun konnte ! Er war im Dorfe ! Seit dem frühen Morgen schon war er da , und zu ihr hatte er den Weg noch nicht gefunden . So wenig hielt er auf sie , so wenig bedeutete sie für ihn . Das hatte sie nicht verdient um ihn ! - So saß sie stundenlang . Das Kind störte sie nicht . Ruhig lag der Junge in seinem Korbe , mit den gleichmäßig leichten Atemzügen des gesunden Kinderschlummers . Die Kälte , welche von allen Seiten eindrang in die Kammer , seit im Nebenraum das Feuer ausgegangen war , fühlte sie kaum . Ihr Blick war durch die kleinen Scheiben des Schiebefensterchens hinaus gerichtet in den Garten , der in hellem Mondschein lag wie ein Tuch . Die alten Obstbäume zeichneten mit ihren krüppeligen Ästen verzwickte Schattenbilder darauf . Wie oft in früheren Zeiten hatte sie hier so gesessen , klopfenden Herzens in die Nacht hinein wartend , ob er wohl kommen werde . Sie dachte an jenes erste Mal , wo er vor ihrem Fenster gestanden . In einer warmen Juninacht war es gewesen ; nur seinen Kuß hatte sie bis dahin gekannt . Wie er sie da um Einlaß gebeten ! welche Worte er da gehabt hatte ! welche Gebete und Schwüre ! - Und jetzt , nachdem sie ihm alles gestattet , alles gegeben , was sie hatte , nachdem sie ihm ein Kind geboren und ihm durch schwere Zeiten hindurch die Treue gehalten , jetzt brachte er es über sich , nach langer Trennung einen ganzen Tag im Dorfe zu sein und nicht zu ihr zu kommen . Die Uhr schlug zehn Uhr vom Kirchturme . Sie starrte noch immer in den Garten . Ihre Tränen waren versiegt . Eine Art von Kälte war auch über ihre Seele gekommen . Mochte es sein , wie es war ; es war gerade recht so ! Sie wollte den bitteren , feindlichen Gefühlen nicht wehren . Es lag ein Genuß darin , das Unrecht , das einem widerfuhr , auszukosten und den in Gedanken schlecht zu machen , der es einem zugefügt . So also hielt er seine Schwüre ! Das war wahrscheinlich die Art , wie er sie von jetzt ab behandeln wollte . Jetzt , wo sie das Kind von ihm hatte , wo sie ihm sicher war , hielt er ' s wohl nicht mehr für nötig , lieb mit ihr zu sein . Oder ob er seine Pläne inzwischen geändert hatte ? - Vielleicht dachte er daran , eine ganz andere heimzuführen . Er plante wohl gar eine reiche Heirat ! - Da war Ottilie Kaschel , die Tochter aus dem Kretscham , seine Cousine . Die hätte ihn nur gar zu gern gehabt . Diese alte widerliche Person ! - Aber hieran glaubte Pauline selber nicht recht . So schlecht konnte Gustav nicht sein ! Und außerdem war sie sich ihrer eigenen Vorzüge doch zu sehr bewußt , die im Wettstreite mit der häßlichen Kretschamtochter den Sieg davontragen mußten . Ob sie ihm etwa zu Haus abgeredet hatten . Mit den alten Büttners stand sie sich ja neuerdings besser ; aber da war diese böse Sieben : Therese . Vielleicht hatte die irgendeine Verleumdung ersonnen , der Gustav Glauben geschenkt . Er war ja überhaupt so mißtrauisch ! Alles glaubte er , was ihm von bösen Menschen Schlechtes von ihr gesagt wurde . » Übelnehmsch « war er auch . Tagelang konnte er wegen einer Kleinigkeit » mukschen « . Und seine Eifersucht ! Wenn ein anderer sie nur mit einem Blicke ! ansah , war er sofort außer dem Häuschen . Pauline mußte lächeln , als sie an einen Vorgang dachte beim Kirchweihfest vor einigen Jahren . Da hatte er sie einem Tänzer aus den Armen gerissen und sie vom Tanzsaale weggeführt , weil er gefunden , daß ihr Partner den Arm zu fest um sie gelegt hatte . Wie töricht er sich bei so etwas anstellen konnte ! Aber ein lieber Kerl war er doch ! Sie hatte gut , ihn mit