daß er unmittelbar für sie einzutreten , für sie zu arbeiten vermocht hätte . Sein Gedanken- und Gemüthsleben war viel zu differenzirt , als daß er nicht eng an die Gegenwart hätte anknüpfen müssen . Und doch war es ihm jetzt zu Sinn , als hätte er Etwas verloren , was schon ganz sein eigen gewesen ... » - Herr Doctor - ! « Lydia wußte nicht recht ... sie war erschrocken , verlegen , fast bekümmert - aber Alles nicht ganz rein , es zweifelte etwas Unklares in ihr - Adam hatte sich gefaßt . Seine Stimme klang noch gepreßt und stockend , aber äußerlich nahm er sich doch bedeutend kühler und ruhiger aus . » Sie haben Recht , gnädige Frau - da bleibt mir wirklich nichts weiter übrig , als Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche auszusprechen - « » Ich danke Ihnen verbindlichst , Herr Doctor ! . « Lydia lächelte schelmisch-ironisch . Dann schwiegen beide eine kleine Weile . Nun begann Lydia wieder , einen schmollend-vorwurfsvollen Ausdruck in der Stimme : » Aber Sie fragen ja gar nicht , wer mein Auserwählter ist ? ! Nehmen Sie in der That so wenig Antheil an mir ? ... « » Ich bitte Sie , gnädige Frau ! Einem armen Burschen , der todeswund am Boden liegt , ist es so ziemlich gleichgültig , wer ihm die Kugel in die Brust gejagt hat - er weiß nur , daß man ihm das Aufstehen verleidet hat - « antwortete Adam mit affektirter Trauer und Resignation . » Na - nehmen Sie ' s nur nicht zu tragisch , Herr Doctor ! . Sie thun ja gerade so , als ob ... nun ! - jedenfalls sind Sie wieder einmal auf dem besten Wege , Ihnen und mir Etwas vorzulügen - « » Sie sind doch eine unverbesserliche Zweiflerin , Lydia ! . « Das hatte Adam in ehrlichstem Ernste , wirklich bekümmert , gesprochen . » Ich will Ihnen reinen Wein einschenken , lieber Freund ! Die Geschichte von der Verlobung war natürlich nur ein Scherz ... Ich habe heute früh allerdings einen Heirathsantrag erhalten - von - aber das ist Ihnen ja gleichgültig ... Ein Major außer Dienst - nebenbei Weinhändler und Agent einer Lebensversicherungsgesellschaft - natürlich von Adel - übrigens ' n ganz passabler Mensch - nur ' n Bissel zu alt ... ' n Bissel zu unbedeutend und ... und ' n Bissel zu verschuldet - hat mich schon seit Jahr und Tag mit seinen Aufmerksamkeiten verfolgt - ist mir nachgereist - u.s.w. - u.s.w. - aber - pardon ! - das interessirt Sie ja nicht - also ... nun ! - ich habe für die Ehre gedankt , Frau von ... von X oder Y zu werden ... Mein Name gefällt mir zu gut ... und meine Freiheit gefällt mir noch besser ... Sie werden mich verstehen , Herr Doctor - « » So ? - Glauben Sie , gnädige Frau ? - « Adam hatte sehr kalt und gleichmüthig geantwortet . Er vermied es , Lydia anzusehen . Er wandte sich ab und schien die ihm gegenüber liegende Front des Parkes mit außerordentlicher Aufmerksamkeit zu betrachten . Seine Finger trommelten mit nervös schwirrendem Nachdruck auf dem Wagenschlage herum . Der Wagen hatte das ganze Gehölz durchfahren und näherte sich jetzt - auf einer anderen Seite - der Stadt . Die ersten Tropfen eines leichten Regens rieselten nieder . Lydia war empört . Eine verworrene Fülle von Gedanken und Gefühlen durchgährte sie . Sie wußte nicht , wie sie ihrem Aerger , ihrer Erbitterung auf eine besonders maliziöse Weise Luft machen sollte . Man kam der Stadt immer näher . » Gestatten Sie , daß ich hier aussteige , gnädige Frau - « begann Adam jetzt und sah Lydia von der Seite an ... » Ah ! - Fräulein Irmer ... gewiß mit ihrem Vater ! . Der Mann sieht sehr leidend aus - er scheint doch recht hinfällig zu sein - « Adam wandte sich schnell um ... und bemerkte , wie Herr Doctor Irmer , von Hedwig geführt , langsam ... sehr langsam , zusammengebückt , mit dem Stocke in der linken Hand unsicher vor sich hintastend , herankam . Adam grüßte mit zufahrend pathetischer Höflichkeit ... und wurde dabei doch wieder ein wenig verlegen . Aber zugleich machte ihm der harmlos-einfältige Gedanke wollüstiges Vergnügen , daß für Hedwig die Thatsache , ihn in einem offenen Wagen an der Seite Frau Lange ' s gesehen zu haben , zu einem neuen Grunde , sich mit ihm zu beschäftigen , werden mußte - und daß andrerseits sein auffallend höflicher Gruß gegen Irmers nicht ohne Eindruck auf Lydia bleiben konnte . » Gestatten Sie , daß ich hier aussteige , gnädige Frau ! ... « wiederholte Adam , als der Wagen kaum noch hundert Schritt von dem Ausgang des Parkes entfernt war - » und « - fügte er leiser hinzu - » wann werden Sie einmal für mich zu Hause sein , Lydia ? Das geht so nicht weiter - das ertrage ich nicht länger - die Sache muß zur Entscheidung kommen - - oder - ja ! - das ist besser - ich schreibe Ihnen - « » Wie Sie wollen , Herr Doctor . Ich weiß übrigens nicht , was Sie mir - doch - nebenbei bemerkt - ich verreise demnächst auf einige Wochen - « Frau Lange ließ halten . Adam stieg aus und zog den Hut . » Adieu ! ... « Das klang entsetzlich kurz und schroff . Der Wagen rollte davon . Es regnete stärker . Adam schlug die Richtung nach seiner Wohnung ein . Das leise Prickeln und verhaltene Stechen der Regentropfen that ihm fast wohl . Bei einer solchen Naturstimmung fliegen keine großen Gedanken auf . Da kann man , in sich zusammengezogen , still vor sich hindenken , behaglich vor sich hinbrummeln . Und Adam bemühte sich , eine reine , köstliche Heiterkeit im Gemüth ,