, « sprach Fanny , ihn lustig ansehend , » wenn ich so wenig Wert auf Ihre Gegenwart in Mittelbach lege , daß ich Ihnen jetzt den Schein schenke unter der Bedingung , daß Sie morgen reisen ? Unhöflich - was ? Aber ich meine , hier haben Sie zu viel Abhaltung von der Arbeit . « » Hat Frau von Herebrecht meine Entfernung gewünscht ? « fuhr es Magnus heraus , der Angstschweiß stand ihm auf der Stirn . » Also richtig ! « dachte Fanny . » Adrienne ? Nein , « sagte sie unbefangen , verwundert ; » was hätte sie , die an allen meinen Freunden leider nur zu teilnahmlos vorübergeht , an Ihrem Bleiben oder Reisen für ein Interesse ? Nun , was denken Sie ? Sie sind beleidigt , daß ich Sie hier entbehrlich finde ? « » Ich denke , « sprach Magnus , aufatmend und Fanny voll in das kluge Gesicht sehend , » daß Sie mit Menschen umherschieben wie ein Theaterdiener mit Dekorationsstücken , aber Sie verstehen die Kunst , und es scheint , Sie haben immer recht und wissen immer alles , wenn Sie es gleich nicht gestehen . Ich gehe , wohin ich soll , ich nehme meinen Schuldschein zurück , wenn Sie es so wollen , das sind , ich weiß es , für Sie kleinliche Nebensachen ; machen Sie meinen Eltern meine Reise und die Notwendigkeit dazu klar . Und ich habe ein Neidwort für Sie - es möchte ein weniger Aufrichtiger in einen Segenswunsch zum Abschied kleiden : Sie sind so klug und klar für andere , beneidenswerte Frau , und haben für sich selbst kein Klugsein nötig , bleibe Ihnen das ! « Fanny fühlte sich durch seine letzten Worte sehr bewegt und konnte sich das nicht erklären . Adrienne aber saß und schrieb bis tief in die Nacht hinein einen Brief an ihren Gatten , und dabei erging es ihr seltsam . Arnold , der ernste Mann , der sie allezeit mit seinen » vernünftigen Worten « geplagt , verschwand vor ihr wie ein Schatten , die plötzlich geborene Sehnsucht hatte ihr in unbestimmten Umrissen einen Mann vorgezaubert , der so gütig war , alles zu verstehen , und so stark , alles zu verzeihen , und so liebevoll , ihr ganzes , begehrliches , ungesättigtes Herz zu füllen . Das Bedürfnis ihrer Seele , in dieser Stunde der Gefahr ganz in einer andern , vollkommenen Seele aufzugehen , um sich blind zu machen gegen Neugier und Versuchung , dies Bedürfnis war der Schöpfer ihrer jäh erwachten Liebe zum fernen Gatten . Ein Gefühl , so trügerisch und haltlos wie ein Irrlicht und dennoch ein Licht in der Nacht . So war alles , was sie schrieb und was aus ihrem Innern sich unwiderstehlich herausdrängte , eigentlich nicht an Arnold gerichtet , es war ein Selbstgespräch oder eine Phantasie an ein Trugbild . Und doch , wenn die Fieberspannung dieser Stunden gewichen sein wird und die Blätter mit den heißen Geständnissen hinfliegen über den Ozean , dann wird als Erinnerung das Bewußtsein bleiben , wie die Aussprache zu ihm alle Not beendigte , und das Flackerfeuer der plötzlichen Liebessehnsucht wird doch tief im Herzen Funken zurücklassen , und mälich , mälich wird sich daran die wahre , unauslöschliche Flamme echter Liebe entzünden . Denn der jungen Frau ist es ergangen wie dem Ungläubigen , der in der Stunde der Todesnot zu Gott betet : seitdem weiß er , daß bei ihm und in ihm aller Trost ist , und er sucht ihn nachher von freien Stücken . Neuntes Kapitel So glücklich Fanny durch die Gegenwart ihrer Gäste gewesen , fühlte sie zu ihrer eigenen Verwunderung dennoch eine erhöhte Freude , als in den ersten Oktobertagen ihr Haus wieder leer war . Auch die Einladung der Gräfin Taiß , wie immer den Monat November auf der Taißburg zu verleben , lehnte Fanny ab . Erst als der Graf ihr vorstellte , daß es doch seit manchem Jahr bei ihnen Sitte gewesen sei , Fannys und ihrer Cousine , der Gräfin , Geburtstage , die auf dasselbe Datum , den 20. November , fielen , zusammen zu feiern , erst da versprach sie , für drei Tage zu kommen . Natürlich hörte Lanzenau dies mit dem größten Unbehagen , denn für ihn , der ebenfalls seit Jahren der regelmäßige Novembergast des Grafen war , blieb ein Ablehnen unmöglich , wollte er sich nicht lächerlich machen , oder Fanny nicht kompromittiren . Und zu seiner noch größeren Verstimmung erhielt Joachim von Herebrecht nur eine Einladung für dieselben drei Tage , an denen auch Fanny nach der Taißburg kommen wollte . Er sann und sann , wie er seinen Aufenthalt dort abkürzen könne , ohne auffällig zu werden , und fand endlich , daß Fanny alle ihre Bekannten zu einer großen Jagd einladen müsse , da der Wildstand überhandnehme und den Rübenfeldern Schaden bringe . Fanny ließ sich arglos bereden , und ehe die gräfliche Familie abreiste , war bestimmt worden , daß alsbald nach dem doppelten Geburtstagsfest alle Gäste aus der Taißburg für zwei Tage nach Mittelbach übersiedeln sollten , um eine Treibjagd abzuhalten . Fannys Haus würde zwar nicht ausreichen , um alle zu beherbergen , allein eine Anzahl von Kavalieren konnte ganz gut im nahen Dreisa bei Lanzenau wohnen . Nach dieser Jagd war es selbstverständlich , daß der Baron dann nicht erst wieder nach Taißburg zurückkehrte . Also das Haus war für jetzt von Gästen leer . Man konnte sich für den Winter rüsten . Der große Saal ward zugeschlossen , die Terrasse sah kahl aus , die Kübel mit den Lorbeer- und Orangenbäumen standen im Warmhause , das sich hinter den Scheunen im Nutzgarten befand . Der Flügel war in das eine von den drei Zimmern geschoben , die jetzt bewohnt wurden und davon das eine neben dem Saal parkwärts , das andere an der Seitenwand des Hauses , das dritte vorn ,