eine Weile stehen und wartete ; und als derjenige , den er erwartete , nicht kam , ging er ins Gärtchen , in dem er auf und ab wandelte , auslugend , horchend . Plötzlich schlug er sich vor die Stirn ... Dummkopf , der er war , daß ihm das nicht früher eingefallen ! ... Bei ihm , in seinem Hause befand sich der Lehrer , um ihm - ihm ganz allein Lebewohl zu sagen . Auflebend mit der rasch erblühten Hoffnung , rannte er durchs Dorf nach seiner Hütte und rief , bei derselben angelangt : » Herr Lehrer ! « Keine Antwort . Auch hier alles still , und nun begriff Pavel , daß er seinen alten Gönner vergeblich suchte . In der Mitte der Stube stand der Tisch , an dem er so oft ihm gegenübergesessen hatte , sein dünnbeiniger Lehnsessel davor und an der Wand sein altersbrauner Schrank ... Der Anblick dieser Habseligkeiten schnitt Pavel in die Seele und reizte seinen Zorn . Er schleuderte den Sessel in die Ecke und führte einen Fußtritt gegen den Tisch , daß er krachend umstürzte ... Was brauchte Pavel das Zeug ? Was brauchte er Erinnerungen an den , der ihn so treulos verlassen hatte ? ... Fort , fort sein einziger Freund ! ... Fort - ohne nur gesagt zu haben : Behüt dich Gott ! ... Was für ein Mensch war er denn , daß er das vermochte ? ... Besser tausendmal , er wäre gestorben , daß man an seinem Sarge weinen könnte und denken : Bis zum letzten Augenblicke hat er dich geliebt . Aber so entgleiten wie ein Schatten - das macht all seine Güte und Freundschaft schattenhaft . 13 Zur Schnittzeit in demselben Jahre fand ein großes Ereignis statt . Die Gemeinde führte ein langgehegtes Vorhaben aus ; sie kaufte für ihre bisher von einem Pferdegöpel betriebene Dreschmaschine ein Lokomobil . Auf der Eisenbahnstation wurde es abgeholt und zog sechsspännig , mit Blumen bekränzt , ins Dorf ein . Stolz schritten die Bauern neben ihm ; es verdarb keinem die Freude an der wertvollen Erwerbung , daß man nur die erste der zehn Raten , in welchen sie bezahlt werden sollte , erlegt hatte und vorläufig noch nicht wußte , woher das Geld nehmen für die übrigen neun . Unweit von Pavels Hütte lag frei auf der Anhöhe , das Dorf beherrschend , der Hof des neugewählten Bürgermeisters . Dort eröffnete das Lokomobil seine Tätigkeit . Es dampfte und schnob , und die mit ihm in Verbindung gesetzte Dreschmaschine schluckte die dargereichten Garben und spie mit nie dagewesener Geschwindigkeit die ausgelösten Körnlein aus und das zerknitterte Stroh . Anfangs drängte sich viel Publikum zu dem hübschen Schauspiel , allmählich jedoch ließ bei den meisten das Interesse an dem ewigen Einerlei nach und erhielt sich nur bei einem armen Jungen unvermindert , der wohl keine Aussicht hatte , die Maschine jemals in seinem Dienste zu beschäftigen , nämlich bei Pavel . Er hatte Arbeit beim Holzschlag im herrschaftlichen Wald erhalten und machte auf dem Gang dahin täglich einen kleinen Umweg , um den Anblick des schnaubenden Ungeheuers zu genießen , dem er sich mit stillem Staunen hingab , bis es hieß : » Mach , daß du fortkommst ! « - » Wenn der einem die Maschine wegschauen könnte , er tät ' s « , meinte der Bürgermeister . Pavel ging , nahm aber die Erinnerung an die Bewunderte mit sich und hatte ein deutlicheres Bild von ihr im Kopfe als die Bauern , die in ihrer nächsten Nachbarschaft auf der Bank an der Scheune saßen und die Hantierung der Taglöhner überwachten . Wohlgefällig sahen die Eigentümer des Getreides , das eben gedroschen wurde , zu und freuten sich , wenn die fleißige Maschine die Arbeit in wenig Tagen fertigbrachte , die ihnen monatelang zu tun gegeben hätte . Bald kam die Frage zur Beratung , ob man nicht einen Teil der vielen jetzt übrigbleibenden Zeit dem für den Bauer so außerordentlich lockenden Vergnügen der Jagd widmen solle ? Im nächsten Jahre lief der Pachtkontrakt mit der Herrschaft ab , und dann gedachte man sich ' s wohl zu überlegen , ehe man ihn erneuern würde . Die Sache wurde oft besprochen und fand in der Gemeinde nur wenige Gegner , unter ihnen jedoch einen sehr einflußreichen und sehr entschiedenen , nämlich Peter . Aus lauter Geiz , behaupteten seine Feinde ; ihn reue das Geld für die Jagdkarte , für Pulver und Blei . Er ließ das gelten und erklärte , er brauche sein Geld » zu was Gescheiterem « . Nun höhnten die Spötter regelmäßig : Bei ihm ginge eben alles in Hafer auf für die Kohlfuchsen , daß die doch ein bißchen zu Kräften kämen . Damit gelang es immer , Peter wild zu machen . Er setzte seinen ganzen Stolz in eine Pferdezucht , die schon sein Vater mit gutem Glück betrieben , und war kürzlich mit zwei Kohlfüchsen zur Prämiierung von Arbeitspferden gefahren , deren Anblick , wie er oft geprahlt hatte , » die Kommission umreißen und alle anwesenden Pferde in den Grund und Boden schlagen müsse « . Statt dessen hatte man ihn zurückkommen sehen ohne Preis , zornig und schimpfend über die Kommission , die zusammengesetzt gewesen sei aus lauter Eseln . Im Dorfe verspottete man ihn ; jeder wußte , die Kohlfüchse waren für Arbeitspferde zu schwach befunden worden , und nun setzte Peter seinen Kopf darauf , sie zu den stärksten Pferden weit und breit zu machen , und hoffte nur auf die Gelegenheit , einen glänzenden Beweis davon zu geben , daß ihm dies gelungen sei . Der ersehnte Augenblick schien endlich gekommen . Wenn die Maschine am Getreide des Bürgermeisters und an dem der Umgegend ihre Schuldigkeit getan haben würde , sollte sie im Hof Peters am unteren Ende des Dorfes aufgestellt werden , und er hatte die Zeit , sie abzuholen , kaum erwarten können . Am bestimmten Tage