er räusperte sich ein weniges , eh er sprach : » Was soll ich da viel sagen , als daß es mir eine Ehre ist , oder uns , wollt ich sagen ! Ich bin ein schlichter Landwirt ( die Söhne hatten ihm diesen Ausdruck eingelernt , weil der alte Name Bauer , der immer einen Herren voraussetze , im souveränen Volke nicht mehr üblich sei ) , ich bin ein schlichter Landwirt und weiß nicht gelehrte und wohlgesetzte Worte zu machen ! Ich kann nur die freundlichen Jungfern , die mir ganz gut gefallen , willkommen heißen , und hätte nie gedacht , zu so vornehmen Sohnsfrauen zu kommen ! Möge der Herr seinen Segen dazu geben ! « » Ich hab es schon lang getan ! « rief Mama Weidelich , » es soll gelten ! Laßt uns darauf anstoßen ! « Sie trank die andere Hälfte ihres Glases aus , wischte sich aber diesmal mit der Schürze gerührt die Augen , statt des Mundes ; denn ein schöner Teil all ihres Sinnens und Trachtens schien jetzt in Erfüllung zu gehen . Vorderhand lief sie wieder in die Küche , um ihrerseits die Arbeit am Glücke nicht ausgehen zu lassen ; man hörte sie Kaffee mahlen , Zucker zerstoßen und dazwischen laut mit der Magd reden , die , einen Spritzkuchen an einer langen Gabel emporhaltend , nicht aus dem Staunen über das Ereignis herauskam . Es blieb keine Zeit für den Spaziergang , auf den die Jungen gehofft ; die Frau wollte die unverhoffte Verlobungsfeier nicht unterbrechen , den Triumph sich nicht verkürzen lassen , und sie teilte die Heiterkeit ihres Gemütes auch den anderen mit , zumal den zwei Bräuten , welche für die Ausdauer ihrer Gefühle hier mehr Anerkennung fanden , als im eigenen Elternhause , und sich offenen Herzens daran erfreuten . Es wurden sogar einige Liedchen im Chor gesungen ; vor dem Hause sammelten sich neugierige Kinder , bei dem alten Brunnen mit dem abgesägten Flintenlauf standen Weiber aus der Nachbarschaft , welche das Gerücht herbeigelockt , und suchten des Anblickes der Brautleute teilhaftig zu werden . Das gelang ihnen auch . Die Herren Notare konnten trotz des mütterlichen Eindringens nicht über Nacht bleiben , weil für beide auf den nächsten Morgen Geschäfte vertagt waren ; die Bräute aber waren zuletzt doch froh , sich auf den Heimweg zu machen , um noch vor der Mutter zu Hause zu sein . Die Zuschauer auf dem Brunnenplatze , Weiber und Kinder , sahen daher unvermutet den kleinen Festzug aus der Tür treten und sich über den Platz bewegen , zu zwei und zweien , voran die Brautpaare , zuletzt die Eltern als Nachhut . Mama Weidelich wollte sich sehen lassen und bestand darauf , eine Strecke weit das Geleite zu geben . » Seht ! « flüsterten die Leute , » da kommen sie ! Das sind die Landschreiber , potztausend ! Und das also die Fräulein , die hortreich sein sollen ! Sauber sind sie , leutselige Weibsbilder ! Und die Alte , die blüht ja wie eine Rose ! Guten Abend , Frau Weidelich , guten Abend , Herr Weidelich ! « Sie nickte den Weibern dankbar zu , weil sie so hübsch am Wege standen . XI Nachdem das Doppelbündnis einmal entschieden war , nahm sich die andere Mutter , Marie Salander , der Aussteuer ihrer Töchter um so sorgfältiger und freigebiger an . Nicht nur alles Gewobene , sondern so ziemlich die ganze haushältliche Einrichtung im Lautenspiel zu Unterlaub und in Lindenberg sollten sie mitbringen . Martin , ihr Mann , meinte , man müsse doch den Leuten im Zeisig auch das Übliche zu tun einräumen ; allein sie sagte , vor allem wünsche sie , daß die Kinder in ihrem Zugebrachten sitzen und stehen , schlafen und wachen können ; man wisse nicht , wozu es gut sei . Ein weiterer Vorteil bestehe in dem gleichmäßigeren , einfachen Geschmack , der dabei herauskomme ; wenn man nicht in altgewohntem Väterhausrat lebe , so müsse man sich das Neue auch für die Augen wohnlich zu machen suchen . » Hör auf , Frau ! « lachte Salander , » woher fliegen die Mücken ? Du wirst mir am Ende gelehrt und arbeitest an einer Mobiliarpsychologie ! « » Laß mich zufrieden , « sagte sie , » ich bin nicht zu Possen aufgelegt ! « Setti und Netti ließen die Mutter gerne gewähren , um sie bei gutem Willen zu erhalten ; glich sie doch in ihrem Walten beinah einem jungen Mädchen , das eines Tages nochmals über seine alte Puppenstube gerät und träumerisch damit zu spielen beginnt . Sie sah dabei aus , wie wenn man sie nicht stören dürfe , um nicht das öffentliche Geheimnis ihres Kummers zu wecken . Die Töchter hatten indessen andere Schmerzen ; die Frage , wer alles zu der Hochzeit geladen werden solle , gab ihnen zu schaffen . Daß beide Hochzeitsfeste in eines verschmolzen werden müssen , schien in der Natur dieser außerordentlichen Heiratsgeschichte selbst zu liegen und eine gerechte Krönung des ganzen Liebeskunstwerkes , eine Vergütung der dabei erlittenen Unbilde zu sein . Nun erfreute sich aber die Salanderfamilie keiner ausgebreiteten Freundschaft und geselliger Beziehungen , einmal wegen ihrer wechselreichen Schicksale , dann auch wegen Salanders politischem Wesen . Wohlhabende Geschäftsleute und ähnliche , die aus den für besonnen geltenden Reihen des bisherigen Zustandes heraustreten und mit den bewegten Massen voranstürmen , gelten bei jenen Standesgenossen mindestens für wunderliche , unvertraute Käuze , denen die gesicherte Staatsordnung ein Spielball der Leidenschaft oder des Ehrgeizes sei ; hieraus erwächst immer ein Lösen des engeren Verkehrs , während die allgemeine Achtbarkeit schon der nützlichen Geschäftssachen wegen bestehen bleibt . So wenigstens suchte Martin Salander den Seinigen entschuldigend die Verlegenheit zu erklären , die bei der Auswahl der Hochzeitsgäste zutage trat . Die Töchter vollends besaßen gar keine » intimen « Freundinnen mehr . Unter diesen Umständen dachte der Vater eine Zeitlang daran ,