tät ich dich bitten , schenk ' m Kleebinder Muckerl ' n lieben Gsund völlig wieder , daß ihm kein Nachmahnung an sein Siechtum verbleibt , laß ' n gscheit werdn , daß er einsieht , wie ' n d ' Zinshofer Helen eigentlich gar niemal gern ghabt hat und seiner gar nit wert is , und wann dir recht wär , so hätt ich nix dagegn , wann du ihn mir zum Manne gäbst . Ich würd ihm schon treu bleiben und fleißig sein und alles verrichten und erleiden , was halt sonst noch im heiligen Ehstand not tut und sein muß , was du ja selber weißt , hochgebenedeite Gottesmutter und allerreinste Jungfrau ! « Als die Glocken klangen , nahm sie das Bild in ihre Arme und lief damit davon , sie lüpfte es , so schwer es war , küßte es auf die Wange , kurz , hätschelte es wie ein Kind seine Puppe ; plötzlich aber besann sie sich auf das Ungehörige ihres Gebarens und trug die Statuette , aufrecht gehalten und in gemessenen Schritten , nach der Kirche . Später fiel ihr oftmal der Gedanken schwer aufs Herz , ob sie sich nicht etwa durch ihre kindische , » unrespektierliche « Vertraulichkeit die himmlische Fürsprache verscherzt habe . Denn im Laufe desselben Tages noch , während sie am oberen Ende des Dorfes ihrer harten Arbeit nachging , trugen sich am unteren Ende Dinge zu , deren Folgen ihr manchmal den Stoßseufzer erpreßten : » Himmlische Gnadenmutter , ich will nit murren , aber das war damal doch nit schön von dir ! « Die Sonne stand schon ziemlich hoch am klaren Himmel , als der Kleebinder Muckerl in den rückwärtigen Garten trat und dort langsam auf und nieder zu schreiten begann . Die Luft fächelte lind und rein , denn der Bach sammelte in sein Bett den gerinnenden Schnee und wusch es vom Kies bis zum Uferrande ; die Knospen waren geplatzt , und Bäume und Büsche standen in Blüte oder jungem Grün , doch machte diese zarte Zier die Äste und Zweige noch nicht schatten und gab zwischendurch dem Blicke die weiteste Ferne und nächste Nähe frei . Ganz nah , vom verwahrlosten Nachbargarten her , schimmerten drei farbige Flecke , der rote Rock , das graue Linnenhemd und das bunte Kopftuch eines Frauenzimmers , das , am Boden kauernd , mit einem Messer die Erde eines Beetes lockerte und alles , was da schon grün aufgeschossen war , mit Stumpf und Stiel ausjätete . Daneben auf dem Kies lag eine Tüte von grauem , geschöpftem Papier , mit vergilbten Schriftzügen bedeckt , das » Taufzeugnis « eines , der lange nicht mehr lebte ; ein buntes Gemenge von Samenkörnern war daraus hervorgerollt , und über dieses furchtbare Geschütte und Gerölle suchte eben eine kleine Mücke zappelnd den Weg , welche wohl keinen Grund dafür wußte , warum sie sich nicht der Flügel , die ihr am Leibe angewachsen waren , bediente . Das eifrig geschäftige Weib hielt den Kopf tief gebeugt ; daß es jung war , das verrieten die vollen und doch sehnigen Arme , das verriet der runde Nacken , bei dessen wechselnder Bewegung sich das Hemd strammte und zugleich fältelte . Der Muckerl wußte gar wohl , wer das war . Er hatte die drei farbigen Flecke nur so nebenher wahrgenommen , und doch tanzten sie ihm Weges auf und ab vor den Augen . Aber brauchte er die Dirne zu scheuen ? Denk nicht ! Wie sie ihm auch begegnen mag , nicht ! Und wie sie das würd , das möcht ihn schon neugiern - schier - gwaltig auch noch . - Mit eins blieb er hart am Zaune , kaum zwei Schritte von ihr , stehen . Eine geraume Weile starrte er hinüber . Sie mußte wissen , daß und wie nah er zur Stelle sei , auch ohne ihn zu sehen ; sie mußte den Schritt , mit dem er plötzlich herangetreten , gehört haben . Der Schatten vom Rande seines Hutes streifte das Beet , in dem sie grub , aber sie jätete weiter , als hätte sie sonst auf nichts acht . Wollte sie es abwarten , bis er wieder fortginge ? Liegt ihr seine Näh so hart auf ? Schon recht ! Er will doch sehen , wer es eher müde wird . Nun räusperte sie leise und sagte , ohne aufzublicken , halblaut : » Bist du mir bös ? « Als er lange nicht antwortete , wandte sie ihm ihr Gesicht zu . Ihre Lider waren gerötet , die Augen sahen verweint aus . Da schüttelte er traurig den Kopf . Sie stieß das Messer in die Scholle , rückte auf den Knien herzu bis an den Zaun , griff den Saum ihres Rockes auf , reinigte ihre Finger von der Erde und sagte dann : » So gib mir dein Hand . « Er reichte sie ihr dar und sagte mit schluckender Stimme : » Ich bin dir ' s nit . « Sie sah ihn überrascht an : » Ich doch dir nit « , flüsterte sie . Er zog seine Hand zurück und rang sie mit der andern ineinander . » Helen , wie hast mir nur das antun können ? ! « Sie kehrte sich ab und bohrte mit dem Messer , das sie wieder ergriffen hatte , paarmal in die Erde . » Ich weiß ' s selber nit « , brach sie mit rauher Stimme los , es klang hart , fast abstoßend . » Es muß mich rein der Teufel gritten haben . Schad , daß mer ' s beredt ! Gschehens laßt sich nimmer ungschehn machen . « » Aber doch vergessen . « » Das kannst du ja leicht für dein Teil , wie überhaupt d ' Mannleut in denen Stücken besser dran sein . Redn mer von was andern . « Sie erhob sich , warf das Messer hinter sich