merkwürdigen Juden « , und brachte einmal eine wohlgefütterte Kutte herbeigeschleppt . » Da schlüpf ' hinein « , riet er , » die Kutte hat dem Pater Ämilius gehört , er hat sie immer angezogen , wenn er hier in der Bibliothek ein Buch gesucht hat . « Aber Sender sträubte sich lange , das Mönchsgewand anzuziehen , und als er es endlich an einem besonders kalten Tage dennoch tat , da war es ihm , als hätte er eine schwere fast unsühnbare Sünde auf sich genommen . Einige Tage später hatte er eine Unterredung , welche das Maß seiner Sorgen und Bekümmernisse voll machte . Als er nämlich eines Abends heimkam , fand er bei seiner Mutter im warmen Stübchen einen Mann sitzen , den er sonst sehr gern gesehen hatte , seit einigen Wochen aber so ängstlich mied , als wäre es der leibhaftige Teufel . Das war Itzig Türkischgelb , der fröhliche » Marschallik « ( Lustigmacher ) und Heiratsstifter von Barnow , in seiner Art auch ein » Pojaz « und wahrlich nicht der langweiligste , klug und wohlwollend , immer fröhlich , freilich auch immer durstig . Sender war damals vielleicht der einzige Mensch in Barnow , der die Gesellschaft dieses feuchten Greises fürchtete . Denn Itzig Türkischgelb war eine überaus beliebte Persönlichkeit , und verdiente dies auch durch seine Bravheit und ewig muntere Laune . In Häusern , wo sich heiratfähige Kinder fanden , war er besonders wohlgelitten , denn er stand im Rufe , daß er selbst das häßlichste Mädchen , den ungeschicktesten Tölpel anzubringen wisse , sofern er sich nur recht der Sache annehme . Nur die Mädchen liefen vor ihm davon , weil er seinem Witz und seiner Phantasie gern freien , sehr freien Lauf ließ . Aber Sender war kein Mädchen , und darum hatte er bei Gastmählern und Hochzeiten manche fröhliche Stunde mit dem Alten verbracht und so wacker in allerlei Schwänken mit ihm gewetteifert , daß die Leute oft kaum zu sagen wußten , wer sie besser unterhalten habe , ob der gemietete » Marschallik « oder sein freiwilliger Nebenbuhler . Jetzt freilich wurde Sender bleich , als er den alten Kumpan da sitzen sah , und blickte ihn finster an . Aber Itzig bemerkte es nicht , oder tat so , als ob er es nicht bemerkte . » Sender « , rief er ihm fröhlich entgegen , » sei so gut und mach ' den Mund auf und sag ' Ja ! « Aber Sender blieb finster . » Was wollt Ihr ? « fragte er kurz . » Daß du Ja sagst « , erwiderte der Alte freundlich . » Wenn du aber vielleicht müde bist , so brauchst du nur mit dem Kopfe zu nicken , und es ist uns auch genug - nicht wahr , Frau Rosel ? « Die Frau richtete auf ihren Sohn einen Blick , dessen Macht Sender wohl kannte , denn er schlug sofort die Augen nieder . » Wir haben es dir zum Guten ausgedacht « , sagte sie scharf . » Reb Itzig wird dir sagen , um was es sich handelt - « » Ich kann es mir denken « , sagte Sender , » und ich glaube ... « » Höre ! « befahl die Frau kurz . » Redet , Reb Itzig ! « » Es handelt sich « , begann der » Marschallik « behaglich und wiegte sich hin und her , » um eine Blume ! Eine schönere und duftigere Blume ist noch nie in einem Garten gewachsen , seit uns das Paradies verschlossen ist . Es handelt sich um einen Schatz ! Kein Mensch in unserer Gemeinde oder im Barnower Kreis hat noch je einen solchen Schatz besessen . Es handelt sich um einen Diamant ! Ein so kostbarer Diamant ist noch nie gefunden worden , seit die Welt steht , und sogar der Kaiser in seinem goldenen Haus in Wien wünscht sich ihn umsonst ! Es handelt sich - « » Und wie heißt dieser Diamant ? « fragte Sender spöttisch . » Wie soll ein Diamant heißen ? ! « war die Antwort . » Diamant ! « » Wie ? « » Chaje Diamant , die Tochter von Reb Mortche Diamant , dem Uhrmacher von Mielnica . « Darauf folgte eine lange Stille . Sender schwieg und biß sich die Lippen blutig . » Der gute Jung ' ! « rief Türkischgelb . » Auf so ein Glück war er gar nicht gefaßt ! Aber ist das ein Wunder ? Wirklich ! Ein solches Glück kann einem die Red ' verschlagen ! Erstens ist das Mädchen schön wie die Sonne , weiß wie Schnee , rot wie Blut , frisch wie ein Fisch , dick und schwer , daß das ganze Haus zittert , wenn sie auf den Fußspitzen herumschleicht , und gesund ist sie wie das ewige Leben . Eher stürzt der Himmel ein , als daß die auch nur den Schnupfen bekommt . Zweitens ist Reb Mortche der geschickteste Uhrmacher im ganzen Land und sein Geschäft ist das beste Geschäft auf der ganzen Welt , und seinen Schwiegersohn will er in dieses Geschäft aufnehmen und für das ganze Leben versorgen wie einen Herrn , wie einen Baron , wie einen Grafen , wie einen Fürsten , wie einen Kaiser . Drittens ist das Mädchen klug wie der Tag , freundlich und still wie der Mond , und versteht zu kochen , daß alle Weiber von ganz Israel bei ihr lernen sollten . Neulich , wie ich bei Reb Mortche war , hat sie Fische gekocht in der braunen Brühe mit Rosinen - das waren Fische - Sender , Fische waren es - auf Ehre , ich kann nicht weiterreden , wenn ich an diese Fische denke , das Wasser läuft mir im Munde zusammen - ich kann nicht weiterreden - « » Es ist auch nicht nötig « , sagte Sender finster . » Freilich