? « Das Gesicht des Fräuleins leuchtete auf im Triumph glücklich erfüllter Erwartung , und die Baronin beeilte sich hinzuzusetzen : » Nämlich - unter einer Bedingung ! « Hastig fiel ihr Regula ins Wort und meinte , bevor von Bedingungen die Rede sein könne , müßte man ihr Zeit lassen , den so unerwarteten Antrag in reifliche Erwägung zu ziehen . Noch wisse sie nicht , ob sie überhaupt imstande sei , darauf einzugehen . Ei ! dachte die Baronin , willst du uns zappeln lassen - willst du uns in der Kühlwanne halten , mein Schatz ? und sagte mit einem scharfen Blicke und mit ganz verändertem Tone : » Das versteht sich von selbst , einen solchen Entschluß faßt man nicht von heut auf morgen . Und jetzt sagen Sie mir - wo kaufen Sie Ihren Kaffee ? Ich war mit meinem letzten Gold-Java äußerst unzufrieden ! « Die Baronin erwähnte der Angelegenheit , die sie nach Weinberg geführt hatte , mit keinem Worte mehr , aber Regula kam darauf zurück . Dies geschah auf dem Wege zum Gasthofe , wohin sie die Baronin begleitete . Beide Damen traten nun aus ihrer Reserve und verständigten sich bald so weit , daß die Baronin sagen konnte , ihr Bruder werde in den nächsten Tagen kommen , um mit Regula zu sprechen . Das Fräulein erwiderte , es werde sie freuen , obwohl sie » eigentlich « Herrenbesuche nicht empfange . Die Freifrau blieb voll Verwunderung stehen und wollte in ihrer Aufrichtigkeit schon ausrufen : Tun Sie ' s getrost ! Aber sie besann sich ; Regulas Miene und affektierte Befangenheit machten einen befremdenden Eindruck auf sie . Wie ein Blitz durchzuckte sie der Gedanke : Die Weinhändlerin hält sich für gefährlich ! - und forschend betrachtete sie das gelbe Fräulein ... Ihr Reichtum hat vielleicht doch schon einen oder den andern in Versuchung geführt . Ja , ja , Geld beherrscht die Welt . Wäre sie nur nicht gar so reizlos - die einfachste Lösung all der Verlegenheiten läge nahe . Der arme Ronald darf im Grunde weniger Ansprüche machen als sie , und ein Ertrinkender greift sogar nach einer - Regula . Schweigend erreichte man das Tor des Gasthofes . Der Wagen der Baronin war bereits angespannt , sie bezahlte ihre Rechnung , wechselte einige Worte mit dem Wirte und wandte sich abschiednehmend zu Regula , der sie beide Hände entgegenstreckte . Das Fräulein legte die Fingerspitzen hinein : die leichte , aber nicht erlernbare Kunst , einem Menschen warm und herzlich die Hand zu drücken , verstand sie nicht . » Montag also kommt Ronald « , sprach die Baronin . Helle Tränen standen ihr in den Augen , als sie davonfuhr . Seit der Todeskrankheit ihres ältesten Sohnes hatte sie nicht mehr geweint . » Armer Ronald ! « seufzte sie , » das Elend , nicht das deine - das trügest du - , aber das Elend deiner Eltern oder - diese Frau ! - Armer Ronald - welche Wahl ! « Ihr schwesterliches Herz , das lange geschlafen hatte , war plötzlich erwacht . Die Zeit , die so vieles vollbringt , hatte dem Professor Bauer im Hause Regulas die Stellung eines Hausfreundes gesichert , das heißt , er brauchte sich nicht mehr immer mißhandeln zu lassen , er durfte manchmal selbst mißhandeln . Die schüchternen Tage kamen bei ihm seltener , um so häufiger die melancholischen und die rabiaten . Er quälte Regula oft mit seiner Eifersucht . Sie jedoch hatte sich an seine bärbeißige Anbetung gewöhnt und hätte sie nicht mehr entbehren mögen . Es ist doch sehr schmeichelhaft , einen Menschen nach Willkür froh oder traurig machen , sein Herz stellen zu können wie eine Uhr , zu wissen : Diese Anhänglichkeit ist wie ein gutes Gewehr , sie versagt nie . Der Professor schmollte , zürnte , verlor tausendmal die Geduld , aber er fand sie immer wieder , denn er liebte und war treu . Zur Verzweiflung brachte ihn Regula , wenn sie ihm ihre Freundschaft anbot und sagte , sie wolle leben und sterben wie ihre Ideale : die Königinnen Elisabeth von England und Christine von Schweden . Der Professor schüttelte grimmig sein Haupt und erinnerte an die Grafen Essex und Monaldeschi . Das Fräulein wurde ernstlich böse und erklärte diese beiden Herren für Lügen der Geschichte . Hierauf entbrannte regelmäßig ein heißer Kampf ; Ludwig Bauer schleppte alle möglichen Geschichtswerke herbei , die Zeugnis für die in Frage gestellten Existenzen ablegen sollten . Regula wies die Zumutung von sich , dergleichen zu lesen ; man schied voll gegenseitigen Unwillens , und es war vorgekommen , daß Professor Bauer sich durch volle drei Tage im alten Hause nicht blicken ließ wegen der Grafen Essex und Monaldeschi . Als er von dem bevorstehenden Besuche des Grafen Ronald hörte , geriet er in große Unruhe . Er fragte so lange : » Was will er ? Was hat er hier zu suchen ? « bis Regula abweisend sprach : » Vous m ' ennuyez , cher professeur ! « Die Vorbereitungen , die zu dem Empfange des seltenen Gastes getroffen wurden , schmerzten den täglichen auf das tiefste . Er ging , wie er pflegte , wenn ihm das Herz gar zu schwer war , zu Bozena und sprach : » Ich bitte Sie - was fällt ihr ein ? Jetzt wird das Silbergeschirr auf der Kredenz aufgestellt ... Eben bin ich dem Hausknechte begegnet , der Teppiche aus dem Keller herauftrug ... Und die Überzüge werden von den Kronleuchtern herabgenommen ... Hat man je dergleichen gesehen ? ... Was soll das alles heißen , sagen Sie mir um Gottes willen ? ! « Regula wußte sehr gut , daß der Professor bei Bozena über sie klagen ging , aber das kümmerte sie gar nicht , obwohl es ihr sonst schrecklich war , wenn auch nur eine Grille etwas anderes zirpte als ihr Lob . Sie war überzeugt ,