bedenke , was sollte werden , wenn sie lebte ? Sie liebte ihn ! « - » Was werden sollte ? « rief Rusticiana , von ihm zurücktretend . » O , wenn sie nur lebte ! Wer kann wider die Liebe ? Wäre sie sein geworden , sein Weib - seine Geliebte , wenn sie nur lebte ! « - » Aber du vergißt , daß er sterben mußte . « - » Mußte ? warum mußte er sterben ? auf daß du deine stolzen Pläne hinausführst ! O Selbstsucht ohnegleichen ! « - » Es sind deine Pläne , die ich ausführe , nicht die meinen ; wie oft muß ich dir ' s wiederholen ? Du hast den Gott der Rache heraufbeschworen , nicht ich : was klagst du mich an , wenn er Opfer von dir fordert ? Besinne dich besser . Lebe wohl . « Aber Rusticiana faßte heftig seinen Arm : » Und das ist alles ? Und weiter hast du nichts , kein Wort , keine Träne für mein Kind ? Und du willst mich glauben machen , um sie , um mich zu rächen habest du gehandelt ? Du hast nie ein Herz gehabt . Du hast auch sie nicht geliebt - kalten Blutes siehst du sie sterben - ha , Fluch - Fluch über dich . « - » Schweig , Unsinnige . « - » Schweigen ? nein , reden will ich und dir fluchen . O , wüßt ' ich etwas , das dir wäre , was mir Kamilla war ! O , müßtest du , wie ich , deines ganzen Lebens letzte , einzige Freude fallen sehen , fallen sehen und verzweifeln . Wenn ein Gott ist im Himmel , wirst du das erleben . « Cethegus lächelte . » Du glaubst an keine Macht im Himmel , die vergelte ? wohlan , glaub ' an die Rache einer jammervollen Mutter ! Du sollst erzittern ! ich eile zur Regentin und entdecke ihr alles ! Du sollst sterben ! « - » Und du stirbst mit mir . « » Mit lachenden Augen , wenn ich dich verderben sehe . « Und sie wollte hinweg . Aber Cethegus ergriff sie mit starkem Arm . » Halt , Weib . Glaubst du , man sieht sich nicht vor mit deinesgleichen ? Deine Söhne , Anicius und Severinus , die Verbannten , sind heimlich in Italien , in Rom , in meinem Hause . Du weißt , auf ihrer Rückkehr steht der Tod . Ein Wort - und sie sterben mit uns : dann magst du deinem Gatten auch die Söhne , wie die Tochter , als durch dich gefallen zuführen . Ihr Blut über dein Haupt . « Und rasch war er um die Ecke des Ganges biegend verschwunden . » Meine Söhne ! « rief Rusticiana und brach auf dem Marmorestrich zusammen . - Wenige Tage darauf verließ die Witwe des Boëthius mit Corbulo und Daphnidion den Königshof für immer . Vergebens suchte die Regentin sie zu halten . Der treue Freigelassene führte sie zurück auf die verborgne Villa bei Tifernum , die je verlassen zu haben sie jetzt tief betrauerte . Sie baute daselbst , an der Stelle des kleinen Venustempels , eine Basilika , in deren Krypta eine Urne mit den Herzen der beiden Liebenden beigesetzt wurde . Ihre leidenschaftliche Seele verband mit dem Gebet für das Heil ihres Kindes unzertrennlich die Bitte der Rache an Cethegus , dessen wahre Beteiligung an Kamillens Tod sie nicht einmal ahnte : nur das durchschaute sie , daß er Mutter und Tochter als Werkzeuge seiner Pläne gebraucht und in herzloser Kälte des Mädchens Glück und Leben aufs Spiel gesetzt hatte . Und kaum minder unablässig als das Licht der daselbst gestifteten ewigen Lampe stieg das Gebet und der Fluch der vereinsamten Mutter zum Himmel empor . Die Stunde sollte nicht ausbleiben , die ihr die Schuld des Präfekten ganz enthüllte und auch die Rache nicht , die sie dafür vom Himmel niederrief . Drittes Kapitel . Am Hofe von Ravenna aber wurde ein zäher und grimmiger Kampf geführt . Die gotischen Patrioten , obwohl durch den plötzlichen Untergang ihres jugendlichen Königs schwer betrübt und für den Augenblick überwunden , wurden doch von ihren unermüdlichen Führern bald wieder aufgerafft . Das hohe Ansehen des alten Hildebrand , die ruhige Kraft des zurückberufenen Witichis und Tejas wachsamer Eifer wirkten unablässig . Wir haben gesehen , wie es diesen Männern gelungen war , Athalarich zur Abschüttelung der Oberleitung seiner Mutter zu verhelfen . Jetzt gelang es ihnen leicht , unter den Goten immer mehr Anhang zu finden gegen eine Regentschaft , in welcher der ihnen als Hochverräter verhaßte Cethegus mehr als je in den Vordergrund trat . Die Stimmung im Heer , in der germanischen Bevölkerung von Ravenna war genügend zu einem entscheidenden Schlage vorbereitet . Mit Mühe hielt der alte Waffenmeister die Unzufriedenen zurück , bis sie , durch wichtige Bundesgenossen verstärkt , desto sicherer siegen könnten . Diese Bundesgenossen waren die drei Herzoge Thulun , Ibba und Pitza , die Amalaswintha vom Hofe verscheucht und ihr Sohn soeben zurückberufen hatte . Thulun und Ibba waren Brüder , Pitza ihr Vetter . Ein andrer Bruder der ersteren , Herzog Alarich , war vor Jahren wegen angeblicher Verschwörung zum Tode verurteilt und seit seiner Flucht verschollen . Sie stammten aus dem berühmten Geschlecht der Balten , das bei den Westgoten die Königskrone getragen hatte und den Amalungen kaum nachstand an Alter und Ansehn . Ihr Stammbaum führte , wie der des Königshauses , bis zu den Göttern hinauf . Ihr Reichtum an Grundbesitz und abhängigen Colonen und der Ruhm ihrer Kriegstaten erhöhten Macht und Glanz ihres Hauses . Man sagte im Volk , Theoderich habe eine Zeitlang daran gedacht , mit Übergehung seiner Tochter und ihres unmündigen Knaben , zum Heile des Reiches den kräftigen Herzog Thulun zu seinem Nachfolger zu bestellen . Und die Patrioten waren jetzt , nach dem Tode