tut uns den Himmel erwerben . Dir bring ' ich das Glas , o Gotteslamm , für dein heiliges Leiden und Sterben ! « Da ist es still gewesen in der ganzen , weiten Stube , und der alte Mann hat das Glas ausgetrunken . Bald aber füllt er es zum zweitenmal und spricht : » Ihm sei die Ehr ' , aber es soll der Herr nun in Freuden auch bei uns sein , und darum laden wir zu diesem Ehrentag auch den Herrn Jesus ein , wie auf der Hochzeit zu Kana in Galilä , auf daß er uns mache das Wasser zu Wein , den ganzen Winkelbach , heut ' und alle Tag ' . Und der Wein ist hell und rein , weiß und rot zusammengossen , wie die zwei jungen Herzen sein zusammengeschlossen in Lieb ' und Ehr ' , und sonst keiner mehr . Der Wein wird gewachsen sein bei Sonn- und Mondenschein zwischen Himmel und Erden , so wie unsere Seel ' von oben ist , und der Leib von der Erden . Und der süße , guldene Wein soll Braut und Bräutigam zur Gesundheit sein . « Das ist jetzt eine Lust und ein Geschrei , und die Pfeifen und Geigen klingen drein , und der Braut gießen sie Wein auf ihren grünen Kranz . Jeder hebt nun sein Glas und bringt seinen Hochzeitsspruch , sein Brautlied aus dem Stegreif dar . Zuletzt torkelt die alte Ruß-Kath empor und mit unglaublich heller Stimme singt sie : » Schneid Birnbam , Schneid Buxbam , Schneid birn-buxbam ' ni Ladn , Mei Schatz will a buxbamas Bettstadl habn ! « Das ist ihr Trinklied und Hochzeitsspruch gewesen . Wie ' s jetzt angegangen , da hab ' ich gemeint , der Hall und Schall drücke alle vier Wände hinaus in den ruhsamen Abend . Nach und nach ist es wohl wieder stiller geworden und die Leute haben ihre Augen auf mich gelenkt , ob ich , der gelehrte Mann , denn keinen Brautspruch wisse . So bin ich denn aufgestanden : » Glück und Segen dem Brautpaar ! Und wenn nach fünfundzwanzig Jahren seine Nachkommen in den Ehestand treten , so wird es in der Pfarrkirche am Stege der Winkel sein . Das möge kommen ! Ich leere den Becher ! « So hat mein Brautspruch gelautet . Darauf ist ein Gemurmel und Geflüster gewesen und einer der Ältesten ist an meinen Platz getreten und hat mich höflich gefragt , wie die Rede gemeint . - Die ganze Nacht hin hat in dem Wirtshause zu Holdenschlag die Musik geklungen , haben die Hochzeiter getanzt und gesungen . Am anderen Morgen haben wir das Ehepaar aus seiner Kammer hervorgeholt . Dann ist eine lange Weile der Brauthüter gesucht und nicht gefunden worden . Wir hätten den Berthold zu einem uralten Hochzeitsspiele , dem Wiegenholzführen , benötigt . Wer hätte gedacht , daß der wildlustige Bursche in des Pfarrers Stube steht , eine ganze Alpenglut auf seinen Wangen trägt und mit beiden Händen die Krempen seines Hutes zerpreßt . Der Pfarrer zu Holdenschlag - das muß ein scharfer Mann sein - geht würdigen Schrittes in der Stube auf und ab und sagt mit väterlicher Stimme die Worte : » Zähme dich , mein Sohn und bete , verlängere dein Abendgebet dreimal oder siebenmal , wenn es nötig ist . Die Versuchung wird weichen . - Heiraten ! Ein Habenichts , wozu denn ? Hast du Haus und Hof , hast du Gesinde , Kinder , daß du ein Weib brauchst ? - Nun also ! - Auf den Bettelstab heiraten , die Narrheit geht nicht an . Wie alt bist du denn ? « Auf diese Frage errötet der Bursche noch mehr . Es ist eine schauderhafte Blödheit , wenn einer sein Alter nicht weiß . Und er weiß es nicht . Um zehn Jahre wird er nicht fehlen , wenn er auf geradewohl zwanzig sagt . » Werde dreißig , erwerbe dir Haus und Hof , und dann komme wieder ! « ist des Pfarres Bescheid . Darauf geht er in die Nebenstube , und der Berthold bleibt stehen und ihm ist , als müsse er noch was sagen - ein gewichtig Wort , das alle Einwände zu Boden wirft und der Herr beigeben muß : ei , das ist ganz was anders , dann heiratet in Gottesnamen . Aber der Bursche weiß kein Wort , das es vermöchte zu deuten und hell zu künden , warum er eins - ewig eins sein will mit Aga , dem armen Almmädchen . Da Herr Pfarrer nicht mehr zurückkehrt aus der Nebenstube , sondern in derselben sein Frühstück verzehrt , wendet sich der Bursche endlich traurig der Tür zu und steigt die Treppe nieder , auf der er vorher , wie auf einer Himmelsleiter mit voller Zuversicht emporgestiegen war . Aber auf der grünen Erde angelangt , ist er ein anderer . Und es ist ein Arg ' gewesen , wie der Bursche sich an diesem zweiten Hochzeitstage übermütig toll gebärdet hat . Am Nachmittage hat sich gepaart Mann und Weib , Bursch und Magd ; der Andreas Erdmann hat sich zum alten , bärtigen Rüpel gesellt , und so sind wir alle wieder zurückgegangen in die Wälder der Winkel . Fußnoten 1 Hier scheint ein Irrtum obzuwalten ; unseres Wissens hat zu jener Zeit in Salzburg keine Gelehrtenschule bestanden . Vielleicht ist der wahre Name der Anstalt absichtlich verhüllt worden . Der Herausgeber . 2 Taufmünze , so die Braut einst von ihrem Paten erhalten . Die Schriften des Waldschulmeisters ( Zweiter Teil ) 1815 . Vor mehreren Jahrhunderten sollen in der Gegend der Winkelwässer Menschen gewohnt haben , die sich von Getreidebau , Viehzucht und Jagd ernährt . - Die Winkel ist vorsorglich eingedämmt , an ihren Ufern hin grünen gepflegte Wiesen und ein Fahrweg führt hinaus zu den vorderen Gegenden . An den Bergen grünen Felder . - So soll es gewesen sein .