diese Sentiments wirklich andernorts mitteilte , ächzte die Frau Adelheid : » Ich sage Ihnen , Alter , in meinem ganzen Leben nicht habe ich das heilige Osterfest so inbrünstig herbeigewünscht als diesmal . Ich habe den Jungen herzlich lieb , und es geht mir schwer ab , ihn in die Welt hinauszuschicken , aber ich will meinem Schöpfer auf den Knien danken , wenn er glücklich vom Hofe ist . Ich fange jedesmal an zu schwitzen , wenn er mir vor die Augen kommt , und nachher ist mir das Frölen mit seinem Wassereimer mehr als ungesund . O liebster Alter , machen Sie es wie ich und gehen Sie beiden soviel als möglich aus dem Wege ! Ich versichere Sie , Ostern muß kommen ! Und was man mit Geduld ausrichtet , das können Sie tagtäglich an mir lernen ! « Und endlich kam Ostern wirklich ! Gleich einem zweiten jungen Ritter Sankt Georg zog der Junker zum Kampf mit dem nichtswürdigsten aller Drachen , nämlich der » erbärmlichen Gegenwart « , aus . » Und das will mein Junge sein ! Und das schneidet Gesichter , wenn es in die weite Welt hinausgeht ! « sprach die Frau Adelheid beim Abschiednehmen mit ziemlicher Entrüstung . » Ich schneide keine Gesichter « , greinte der Junker Hennig ; » aber mir sind genug geschnitten worden die letzte Zeit hindurch . Kein Mensch weiß , wie ich heimkommen werde , sagt das Frölen ; aber mir ist zuletzt alles einerlei ! « » Der Junge könnte einen um den letzten Rest natürlicher Abschiedsrührung bringen ! « stöhnte die gnädige Frau mit erhobenen Augen und Händen . » Jetzt trolle dich - der Wagen wartet - bleib gesund , sei brav und lerne was , auf daß du deinen Vorfahren einmal einen wirklichen richtigen Grund zur Verwunderung gibst ! « Was das Fräulein noch am Hoftor sprach , ist durch keine Feder dem vollen Wert und Inhalt nach wiederzugeben ; der Chevalier sagte wenig oder eigentlich gar nichts ; wir aber benutzen die hoffentlich im Leser durch diese Abschiedsszene hervorgerufene Beklemmung , um ihn zu versichern , daß wir im folgenden ihn nicht mit den Leiden und Freuden der sehr dankbaren , jedoch auch recht bekannten Schulgeschichten behelligen werden . Der Junker Hennig von Lauen zeigte sich in den jetzt folgenden Jahren nicht besser und nicht schlimmer als die Millionen guter Jungen , die vor ihm diese Wege beschritten und denen man am Schluß ihrer irdischen Laufbahn das Lob mit in die Grube gab : Kein Licht , aber ein braver Kerl . Daß er seine Ahnen durch außergewöhnliche Gelehrtheit nicht in Verwunderung setzen würde , war seinen Lehrern bald klar ; aber daß er ein wackrer Bursch sei , wurde ihnen ebenso schnell kund , und so rechneten sie , wie solches ebenfalls seit Jahrhunderten geschieht , eins ins andere und hielten ihn wert , wie es sich gebührte . Daß die Frau Jane Warwolf ihr Wort einlöste und ihn ihrerseits in die große Welt einführte , gereichte ihm sehr zum Vorteil . Die Frau Jane kannte die große und die kleine Welt , und viele der Mitschüler des Junkers beneideten ihn nicht wenig um diese Bekanntschaft und Freundschaft , obgleich er auch viel Hohn und Spott darum zu leiden hatte . Der Oberlehrer Krummholz , bei welchem dem Junker außer der körperlichen auch noch einige geistige Pflege kontraktlich ausgemacht worden war und der beim ersten Auftreten der würdigen Frau ziemlich bedenklich dreinsah , hatte bald nichts mehr gegen ihre Besuche einzuwenden und trat sogar , im Laufe der Zeit , selbst in ein freundschaftliches Verhältnis zu ihr . Als der Knabe in den Sommerferien zum erstenmal nach Haus zurückkehrte , fand er sich in der schönsten Blüte der Flegeljahre dem Faktum gegenüber , das von jetzt an die Farbe und den Lauf unseres Berichtes bestimmt . Und daß er dasselbe unbefangen hinnahm , ohne es in seiner ganzen Bedeutung zu verstehen und ohne weiter darüber nachzudenken , versteht sich wohl von selber . Er kam nach Haus und fand die kleine Antonie Häußler in das tiefste Vertrauen und die innigste Zuneigung des Fräuleins Adelaide von Saint-Trouin aufgenommen ! - - - Die Sache aber war in der Art zugegangen , daß selbst der Chevalier und die gnädige Frau , obgleich sie in mancher stillen Stunde den Kopf darob schüttelten und die Stirn rieben , nicht einen einzigen wirklichen Grund zur Verwunderung auffinden konnten . Überreich an den schönsten Verheißungen war der Frühling am Fuße der Harzberge erschienen ; und was der Frühling versprochen hatte , das erfüllte der Sommer im reichsten Maße . Wir haben bereits im vorigen Kapitel erzählt , in welcher Weise das Kind im Siechenhause die düstern wie die sonnenhellen Tage zu benutzen wußte und welche Schätze es von jedem Streifzug der alten Pflegemutter heimbrachte ; so voll von Blumen , Licht und Wohlduft war die elende Hütte seit Menschenaltern nicht gewesen ! Mit rührend listigen Sprüngen folgte das Kind dem leise lachenden Wandel der Natur , und keine Knospe konnte sich entfalten am Bach , am Waldrande , im Gebüsch und auf den Wiesen von Krodebeck , die es nicht vorausahnte , im Traume sah und am Tag pflückte , am sie liebkosend der Greisin in den Schoß zu werfen . Alles freudige Leben des Jahres schien sich dichter an das alte verwahrloste Haus zu drängen . Über den Zaun des Kirchhofs quollen die Blüten der Holunder-und Goldregenbüsche auf das morsche Dach . Dem Efeu und dem wilden Wein ließ sich nicht wehren , und die Vögel sangen zu Scharen auf dem First , setzten sich auf die Fensterbrüstung und hüpften vertrauter als je über die Türschwelle . » Es ist ein Wunder , wie schön es auf der Erde ist ! « sagte Hanne Allmann an jedem neuen Morgen . » Ach , ich habe nicht gewußt , wie leid es einem ums Fortgehen sein könne . Ja , das klingt im Sinn