geraten , da war ihm nicht mehr recht wohl , wenn er sich davon auch nichts anmerken ließ . Er hätte eine schöne Kuh drum gegeben , wenn er damit alles ungeschehen zu machen imstande gewesen wäre . Trotzdem brachten Dorotheens Vorwürfe ihn nicht von seinem Platze , ja diese zwangen ihn , innerlich sich zu seiner Selbstverteidigung immer wieder an das lästige Benehmen seines Knechtes zu erinnern . Er wollte kein wetterwendisches Weib sein wie Dorothee , welche - das hatte er genugsam bemerkt - sich noch vor wenigen Minuten selbst recht von Herzen über den Jos geärgert hatte . So blieb er denn sitzen und sendete Dorotheen einen zornigen Blick nach , als diese zu dem Unglücklichen eilte . Der Heuer hatte sich mit der Miene eines Mannes , welcher sich für den Helden des Tages hält , neben die seit Dorotheens Entfernung ausgelassen lustige Zusel gesetzt und begann nun , Hansen als Kirchweihwitwer auf die derbste Weise zu necken . Die Lacher natürlich hatte er bald auf seiner Seite , obwohl seine Witze zuweilen so ungehobelt waren , daß Zusel sich seiner zu schämen begann . Endlich war Hansens Geduld zu Ende , der Faden riß . Auf sprang er , schlug die Faust hart neben der Stumpfnase des Heuers auf den Tisch , daß die Gläser klirrten , und donnerte das geputzte Bürschchen an : » Derlei Brocken wirst du noch bekommen , wenn du nicht schon genug hast . Willst du aber nichts mitnehmen , so mach ' dich nur im Fluge fort und laß dich nicht mehr sehen , du Händelstifter , solang ' du dein gestriegeltes Spitzköpflein und den breiten Hemdkragen in Ordnung erhalten willst . « » Ich soll sterben - « , stammelte der Heuer und sah sich ängstlich suchend im Zimmer um . Aber die Zusel , welche nun durchaus nicht mehr länger neben ihm gesehen sein wollte und bereits mit der guten Gelegenheit zu rechnen begann , warf ihm einen Blick zu , der ihn nicht mehr ausreden ließ . Jetzt war sie entschieden für den Frieden . Der Heuer sah sich allein und nur kalte , höhnende Blicke auf sich gerichtet . So kam er denn bald zu der schmerzlichen Überzeugung , daß Gehen das klügste sei , und langsam , so leise und unmerklich , als es in der Eile nur immer geschehen konnte , rückte er seinen Stuhl so weit vom Tisch aus der Reihe der übrigen Stühle weg , daß er Platz genug zum raschen Aufspringen gewann . Er hätte aber gewiß nicht so aus dem Zimmer rennen , nicht auf jeden Tritt drei Stufen der Stiege unter die Füße nehmen müssen , denn sicher dachte kein Mensch daran , ihm etwas in den Weg zu legen oder ihn gar zu verfolgen . Er eilte ins Haus des Krämers , packte seine Sachen zusammen und hinterließ bei der Magd den Auftrag , ihm nach Abzug seiner Zeche den Heuerlohn so schnell als möglich nachzusenden . Im Wirtshaus » Zum Rößle « ging es nun wieder so lustig zu , als ob gar nichts vorgefallen wäre . Man gedachte auch des Geschehenen fast nur dadurch , daß man sich erfreut aussprach , nun doch der lästigen Händelstifter glücklich losgeworden zu sein . Stighans hatte sich unter allgemeinem Beifall auf des Heuers Stuhl gesetzt , hart neben Zusel , die ihm des Knechtes wegen keine Vorwürfe mehr machte . Der Krämer war überglücklich . Aber wie wohl ihm bei den jungen Leuten auch war , so schickte er doch den Hans mit seiner Zusel großmütig von sich weg auf den Tanzsaal , den diese erst spät in der Nacht verließen . Hans begleitete die Zusel heim , trank noch den in der Eile gemachten Kaffee und eilte dann - dem Morgen noch zu entrinnen - auf den stillen Stighof , wo die schon wieder tätige Dorothee ihm einen guten Tag wünschte . Elftes Kapitel Wie man schiebt und geschoben wird Wieviel auch , seit man das » Volk « als Kunstobjekt zu behandeln begann , über Bauern und besonders über Bauernmädchen geschrieben wurde , es ist doch immer noch fraglich geblieben , ob die guten Kinder sich mit der Kirchweih mehr die Woche vorher oder nachher in Gedanken beschäftigen . Wahrscheinlich wird man , wenn noch dreißig Jahre Dorfgeschichten geschrieben und alle deutsche Erdenwinkel durchstöbert sind , sich für die Woche hernach entscheiden . Bei einzelnen kann das schon jetzt als ausgemacht gelten . Zusel hatte nicht viel , wenigstens gar nichts Besonderes gehofft . Nur einmal ein wenig Lärm wollte sie haben , und nun war aus dem Spaße ganz unvermutet Ernst geworden . Jetzt war der Ehrgeiz des Mädchens wach . Was sich so wie von selbst angezettelt hatte , das mußte nun fort und fertig gewoben werden , damit sie sich vor Hansjörg , wenn er wiederkam , nicht mehr so gleichsam in ihrer Blöße sehen zu lassen brauchte . Der Bursche war ihr jetzt wieder viel im Sinn , woran vielleicht auch die von Jos gemachten Anspielungen einige Schuld haben mochten . Sollte wirklich der Vater ihn in des Kaisers Rock gebracht haben ? Sie fragte , horchte , sah in den Rechnungsbüchern nach und ergab sich nicht mehr , bis es ihr klar geworden war , daß der Krämer wirklich nur Mathisles Abhängigkeit benützt habe . Aber diese Entdeckung wirkte jetzt nicht mehr so , wie sie noch vor wenigen Monaten gewirkt haben würde . Wohl konnte sie den armen Burschen bedauern , aber sein Briefhandel war dadurch nicht entschuldigt . Hansjörg war eben ein Mensch , der so wenig fest auf seinem Platze stehen konnte als der Heuer . Ob aus der nämlichen Ursache , war ihr jetzt ziemlich gleichgültig . Ihr Liebhaber mußte ein ganzer Mann sein ; woher es ihm kam , blieb ihr immer das nämliche , wenn es nur da war . Hansjörg und der Heuer , sie waren sich so ziemlich gleich , denn beide zogen