, Emma ! « flüsterte die Baronin , und der Kutscher zog die Zügel an . Der Bumsdorfer Afrikaner zog den Hut vom Kopfe und trat an den Wagenschlag . » Da wären wir wieder « , sagte Nikola , ihm die Hand reichend . » Sehen Sie , lieber Freund , es ist , wie ich Ihnen sagte und wie Sie bereits aus eigener Erfahrung wissen konnten : man geht so leicht nicht in der Welt verloren . « Und fast in alter Heiterkeit und Schelmerei sich zu der Frau Emma wendend , rief sie : » Das ist mein Sindbad der Seefahrer , von welchem ich dir soviel des Löblichen und Wunderbaren mitteilte . Nun bitte ich dich , sieh ihn an ; hat jemals die Wirklichkeit der Phantasie ärgerlicher ein Bein gestellt ? Abscheulich , abscheulich ! O lieber Herr , es glaubt Ihnen niemand mehr , daß Sie auf einem Greifen oder dem Vogel Roch nach Nippenburg geritten seien . Wir haben uns viel , viel zu sagen ; aber vor allen Dingen bitte ich um den Namen Ihres Schneiders ! « » Felix Zölestin Täubrich , Kesselstraße Numero fünfundfünfzig « , lautete die Antwort , und die Majorin Emma nickte lächelnd , als ob der Künstler zu ihrer genauesten Bekanntschaft gehöre und wohl verdiene , gekannt zu sein . » Wir sind gestern heimgekommen , Herr Hagebucher , und ich hoffe Sie bald meinem Gemahle vorstellen zu können « , fuhr Nikola fort : » Sie sehen mich gleichfalls bedenklich an ; ach , suchen Sie die alte Nikola nicht länger ! Es findet sich wohl die Zeit , in welcher wir uns um die Außenseite nicht mehr zu kümmern haben ; dann wollen wir andere Sachen mit mehr Ernst besprechen . Die Gaffer nehmen zuviel Anteil an uns ; hier haben Sie meine Freundin , Frau Emma Wildberg , die Gattin eines trefflichen Mannes ; sie soll unser nächstes Wiedersehen bewerkstelligen . Fort , Kutscher - die Leute werden unerträglich . « Beide Damen verneigten sich gegen den Afrikaner , und dieser blickte dem Wagen nach , und alle seine Gedanken hafteten an jenem schwarzen Brote , von welchem die Frau Klaudine Fehleysen in der Katzenmühle ein Stück abschnitt , um es dem Fräulein von Einstein , der Verlobten des Herrn von Glimmern , mit auf den Weg in die weite Welt zu geben . Vierzehntes Kapitel Es war nur ein Gerücht , daß der große Reisende , Naturforscher und Kammerherr Seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelm des Vierten sich einst in der Schneidergesellenherberge unserer Residenz persönlich nach einem andern großen Reisenden umgesehen und , als er den Gesuchten nicht vorfand , seine Visitenkarte mit umgebogenem Rande für denselben zurückgelassen habe . Es war nur ein Gerücht ; aber dieses Gerücht erhielt sich mit Zähigkeit in allen den Kreisen des Türkenviertels , welche durch die populäre illustrierte Literatur des Tages die Bekanntschaft jenes berühmten Mannes gemacht hatten , und wem anders konnte der große Alexander von Humboldt einen Besuch zugedacht haben als dem Herrn Felix Zölestin Täubrich , der auch sein Wanderbuch aufzuweisen hatte und den man weit über das Türkenviertel hinaus unter der Bezeichnung » Täubrich-Pascha « kannte und zu schätzen wußte ? Sein Vater war ein Schornsteinfeger gewesen , ein dunkler Ehrenmann , welcher zu einem solchen Sohne kam , ohne zu wissen wie ; seine Mutter , vordem eine gebildete Putzmachermamsell , hielt alles Klettern . Kriechen und Kratzen in anderer Leute Feueressen und Rauchfängen für sehr gemein und für völlig unverträglich mit eigener Reinlichkeit und den zartern Regungen der Seele : ihr hatte die Welt vorzüglich die Bildung dieses Charakters zu danken , der denn freilich die höchsten Schornsteine der Erde tief unter sich ließ . Täubrich-Pascha glaubte an die Visite des Herrn von Humboldt so fest wie an seine eigene Existenz ; wie fest er aber an seine eigene Existenz glaubte , kann nur durch einen längern und genauern Verkehr mit ihm deutlich gemacht werden . Weiß und zart und zierlich erblickte er das Licht der Welt und begrüßte es mit einem schrillen Stimmchen . Der schwarze Vater und dessen schwarze Gesellen begrüßten ihn mit kopfschüttelnder Verwunderung und nannten ihn einen » ganz kuriosen Fisch « . Gegen alle Erwartung gedieh er unter der sorgsamsten mütterlichen Pflege vortrefflich , wie denn auch die gütige Mutter Natur bestens für ihn sorgte , indem sie ihn mit einem sehr reizbaren Nervensystem , einem dünnen rötlichen Haarwuchs und einer erklecklichen Menge Sommersprossen begabte , ihm aber die Zierde des Mannes , den Bart , welchen er als geborener Damenschneider doch nicht gebrauchen konnte , gänzlich vorenthielt . Er wurde ein Damenschneider , allem Gebrumm und Gepolter des Erzeugers zum Trotz ; - grollend stieg der Alte , welcher allmählich für seinen Beruf viel zu fett geworden war , in seinen eigenen Schornstein hinauf , blieb in demselben stecken , wurde längere Zeit vergeblich gesucht und spät am Tage entdeckt , als er dem Rauche des Feuers , welches man zur Bereitung der Abendsuppe anzündete , den Weg versperrte . Man zog ihn an den Füßen herab , ohne daß er sich für die Gefälligkeit bedankte ; ein Schlagfluß hatte ihn getroffen und ihn allen Erdensorgen schnell entrückt . Seine Witwe erhielt sich noch einige Jahre als sehr belesene Eigentümerin einer kleinen , aber ausgewählten Leihbibliothek , starb dann gleichfalls , und zwar in ziemlich bedrängten Umständen , worauf Felix Zölestin , aller schönen und romantischen Gefühle voll , auf die Wanderschaft ging gleich unserm Freunde Hagebucher , weit über Konstantinopel hinauskam und wie jener lange Zeit zu den Verschollenen gerechnet wurde . Gleich jenem kam aber auch er zurück , und zwar auf kläglich durchgelaufenen Sohlen und von Jerusalem . Da er erst vor einigen Tagen dem Mann aus Abu Telfan einen Bericht über diese Heimkehr abstattete , so setzen wir auch hier mit Vergnügen seine eigene Relation an die Stelle der unsrigen . » O in Jerusalem ist es schön !