Dienerschaft erfährt , und es mit Absicht oder aus Versehen dem Herrn Scheurl verrathen könnte , hat sie mich zu Euch gesandt , darum darf es keine Menschenseele weiter wissen , und darum nahm ich Euch ja das Versprechen des Schweigens ab , wie auch Ihr darauf rechnen könnt ' , daß ich schweigen werde . « » Aber wenn nun inzwischen Herr Scheurl die Nadel vermißt ? « » So wird seine Gattin sagen , daß sie Euch dieselbe zur Reparatur gegeben , weil sie ein Steinlein daraus verloren , « antwortete scheu die Frau . » Nun , dann könnte ja auch dasselbe gesagt werden , wenn ich ihr die neue Nadel schickte , und sie käme ja nicht gleich in die rechten Hände . « Die Frau war offenbar über diese Bemerkung bestürzt und suchte vergeblich nach einer Gegenrede . Endlich sagte sie : » Die Frau Scheurl hat es aber einmal so befohlen , wie ich sagte , daß die Nadel wieder bei Euch abgeholt werden soll . Ihr könnt ' ruhig sein , Ihr brauch ' t sie nur gegen baare Bezahlung abliefern . - Und was die erwähnte Lüge betrifft , so war sie ja nur für den äußersten Nothfall ausgesonnen , und Frau Scheurl hofft , daß sie derselben nicht bedürfen werde , infern Ihr nur keine Unklugheit begeht . « » Nun , so komm ' t in drei Wochen wieder , ich will mein Möglichstes thun , das Werk noch einmal zu vollenden . « So war Dürer ' s letzter Bescheid und die Frau entfernte sich endlich . Ein paar Tage darauf , am Sonntag Nachmittag , hatte sein Sohn , der Malerlehrling Albrecht , seine Freistunden , die er stets am liebsten im Elternhause zubrachte und auch da sich nicht immer Ruhe von der Arbeit gönnte , da es in diesen Mußestunden oft noch eine Zeichnung für den Vater zu fertigen gab . Eben saß er über einer solchen , aber nicht in der heute verschlossenen Werkstatt , sondern in der Wohnstube , in der die Mutter Barbara die Spindel drehte , dabei immer wohlgefällig nach dem Lieblingssohne blickend . Er war ihr drittgeborener ; der älteste , der das Handwerk des Vaters lernte , war schon fort auf die Wanderschaft nach den Niederlanden , wo auch der Vater , der aus einem ungarischen Dorfe stammte , sich seine größte Geschicklichkeit erworben hatte . Das zweite Kind war gestorben , und so noch mehrere , aber dennoch war es noch ein ganzes Häuflein braungelockter Buben und Mädchen , das die enge Stube bevölkerte . Alle waren sehr einfach , aber reinlich gekleidet , das kleinste Kind lag noch in einer hölzernen Wiege , deren abgenutztem Zustand man es ansah , wie viele Insassen sie schon gehabt ; und indem sie Frau Barbara mit dem Fuß in Bewegung setzte , indeß sie mit den Händen glatte Fäden zu neuen Gewändern spann , da begriff man unter dieser Umgebung wohl , daß auch am Sonntag die Hände und Füße dieser Mutter sich keine Ruhe gönnen durften , die für so Viele zu sorgen hatten . Mitten in dies Gewirr trat noch ein schlank- und zartgebauter Jüngling , der durch seine Kleidung und Manieren ausgezeichnet , wenig in diese fast ärmliche Handwerkerfamilie zu passen schien , Willibald Pirkheimer . Im Vorderhaus , das er mit seinen Eltern und Schwestern bewohnte , sah es freilich anders aus als hier ; da herrschte der ganze Luxus des Reichthums mit feiner Sitte und dem Sinn für das Schöne wie für die Wissenschaft gepaart , da hatte der eifrig studierende Sohn des Hauses ein Gemach ganz für sich allein , in dem reiche Bücherschätze ihn umgaben und Niemand ihn stören durfte ; aber die Freundschaft für Albrecht , mit dem er aufgewachsen , den er sich einst vor allen Knaben und jetzt vor allen Jünglingen zum vertrautesten Genossen ausersehen , zog ihn hierher und ließ ihn jede der Schranken überspringen , die hier die Besitzenden und hochangesehenen Geschlechter von den eigentlichen Bürgern , zumal den ärmeren Handwerkern trennten . Albrecht und Willibald hatten sich mit der ganzen Schwärmerei jugendlich begeisterter Gemüther aneinander geschlossen , und waren nicht nur zusammen aufgewachsen , sondern oft mit einander verwachsen , daß sie auch von ihren übrigens sich fernbleibenden Familien als zusammengehörig betrachtet wurden . Die Frau Pirkheimer erwiederte den bescheiden ehrerbietigen Gruß der Frau Dürer stets nur mit vornehmem Kopfnicken und vermied jeden Umgang mit der armen , vielbekinderten Frau ; aber so oft der Albrecht kam , ward er in Pirkheimer ' s Familie wie das Kind vom Hause angesehen , denn er war einmal Willibald ' s Kamerad , und trat wieder dieser aus seinen prächtigen Räumen in die engen der schlichten Handwerkerfamilie , so wurden auch auf ihn weiter keine Rücksichten genommen , denn er war einmal Albrecht ' s Kamerad . So war es auch jetzt . » Ei , es ist schön , daß Ihr kommt , « sagte Frau Barbara ihm traulich zunickend ; » Albrecht hat schon immer nach Euch ausgeschaut , und würde uns bald davon gelaufen sein Euch aufzusuchen , wenn er da nicht erst noch Etwas für den Vater zu zeichnen hätte . « » Ich wäre auch schon früher gekommen , « sagte Willibald , » aber die Frau Scheurlin kam zur Mutter und hielt mich noch ein wenig auf . « Er lächelte dabei Albrecht zu , ihn durch seinen Blick an das kleine Abenteuer auf der Hallerwiese zu erinnern , und sich über seine Zeichnung beugend fragte er : » Was zeichnest Du denn da ? « Albrecht antwortete : » Mein Herr Pathe , Anton Koberger , hat bei meinem Vater ein Bibelbeschläge bestellt , und da es gerade für ihn ist , wollt ' ich gern die Zeichnung machen ; ich bin gleich fertig . « » Das ist hübsch ! « sagte Willibald ; » ein paar gefaltete Hände und ein Schwert und