seiner Beerdigung auf dem Kirchhofe weinten . Die schwarze Marann ' sagte auf dem Heimwege noch als besonderen Grund : » Der Rodelbauer ist der letzte noch Lebende gewesen , mit dem ich einstmals in meinen jungen Jahren getanzt habe . Mein letzter Tänzer ist nun gestorben . « Bald aber hielt sie ihm eine andere Nachrede , denn es zeigte sich , daß der Rodelbauer , der Barfüßele so jahrelang darauf vertröstet , sie in seinem Testamente gar nicht erwähnt , viel weniger ihr etwas vererbt hatte . Als die schwarze Marann ' gar nicht aufhören wollte mit Klagen und Schelten , sagte Barfüßele : » Das geht jetzt in Einem hin , es ist nun einmal so , es hagelt jetzt von allen Seiten auf mich los ; aber die Sonne wird schon wieder scheinen . « Die Erben des Rodelbauern schenkten indeß Barfüßele einige Kleider des Alten ; sie hätte sie gern zurückgewiesen , aber durfte sie es wagen , jetzt noch mehr Trotz kund zu geben ? Auch Dami wollte die Kleider nicht annehmen , aber er mußte nachgeben . Es schien einmal sein Loos , in den Kleidern allerlei Abgeschiedener sein Leben zu verbringen . Der Kohlenmathes nahm Dami zu sich in den Wald zum Meiler , und Zuträger sagten dem Dami , er solle nur einen Proceß anfangen , man könne ihn nicht ausweisen , weil er noch an keinem andern Orte angenommen sei , das sei stillschweigende Voraussetzung beim Aufgeben des Heimathsrechtes . Die Leute schienen sich fast daran zu erlustigen , daß die armen Waisen weder Zeit noch Geld hatten , einen Rechtsstreit anzufangen . Dami schien sich wohlzugefallen in der Einsamkeit des Waldes . Es war so nach seiner Art , daß man sich nicht an- und auszuziehen brauchte , und jedesmal am Sonntag Nachmittag kostete es Barfüßele einen Kampf , bis sich Dami nur ein bischen reinigte ; dann saß sie bei ihm und dem Mathes , und man sprach wenig , und Barfüßele konnte ihre Gedanken nicht abhalten , daß sie in der Irre umhergingen in der Welt und Den suchten , der sie einst einen ganzen Tag so glücklich gemacht und in den Himmel gehoben hatte . Wußte er nichts mehr von ihr und dachte er nicht mehr an sie ? Kann denn der Mensch den andern vergessen , mit dem er einmal so glücklich war ? Es war am Sonntag Morgen gegen Ende Mai , Alles war in der Kirche . Es hatte am Tage vorher geregnet . Ein frischer erquickender Athem hauchte von Berg und Thal , denn die Sonne schien hell hernieder . Auch Barfüßele hatte in die Kirche gehen wollen , aber sie lag wie festgebannt unter dem Fenster , während es läutete , und sie versäumte die Kirche . Das war seltsam und noch nie geschehen . Nun da es zu spät war , entschloß sie sich , allein zu bleiben und daheim in ihrem Gesangbuch zu lesen . Sie kramte in ihrer Truhe und war überrascht von allerlei Sachen , die sie besaß . Sie saß auf dem Boden und las eben einen Gesang und summte ihn halb laut vor sich hin , da regte sich etwas am Fenster . Sie schaute sich um : eine weiße Taube steht auf dem Simse und schaut nach ihr , und wie sich die Blicke des Mädchens und der Taube begegnen , fliegt die Taube davon und Barfüßele schaut ihr nach , wie sie hinausfliegt über das Feld und sich dort niederläßt . Dieses Begegniß , das doch so natürlich war , macht sie plötzlich ganz froh , und sie nickt immer hinaus in ' s Weite nach den Bergen , nach Feld und Wald . Sie ist den ganzen Tag ungewöhnlich heiter . Sie kann nicht sagen warum , es ist ihr , als ob ihr eine Freude in der Seele jauchzte , sie weiß nicht woher sie kam . Und so oft sie auch am Mittag an die Thürpfoste gelehnt , den Kopf schüttelt über die seltsame Erregung die sie spürt : sie weicht nicht von ihr . » Es muß sein , es muß doch sein , daß so Jemand an dich gedacht hat ; und warum kann das nicht sein , daß so eine Taube der stille Bote ist , der mir das sagt ? Die Thiere leben doch auch auf der Welt , wo die Gedanken der Menschen hin und her stiegen , und wer weiß , ob sie nicht Alles still davon tragen . « Die Menschen , die an Barfüßele vorübergingen , konnten nicht ahnen , was für ein seltsames Sinnen sich in ihr bewegte . 13. Aus einem Mutterherzen . Während Barfüßele im Dorf und in Feld und Wald träumte und sorgte und kümmerte , bald von seltsamen Freudenschauern sich durchrieselt fühlte , bald sich wie ausgestoßen vorkam in der weiten Welt , schickten Eltern ihr Kind fort , freilich , damit es um so reicher wiederkomme . Droben im Allgäu , auf dem großen Bauernhofe , genannt zur » wilden Reuthe , « saß der Landfriedbauer mit seiner Frau bei ihrem jüngsten Sohne , und der Bauer sagte : » Hör ' einmal Johannes , jetzt ist mehr als ein Jahr um , seitdem du zurückgekehrt bist , und ich weiß nicht , was mit dir ist ; du bist damals wie ein geschlagener Hund heimgekommen und hast gesagt , du wollest dir lieber hier in der Gegend eine Frau suchen , aber ich sehe nichts davon . Willst du mir noch einmal folgen , dann will ich dir kein Wort mehr zureden . « » Ja , ich will , « sagte der junge Mann , ohne sich aufzurichten . » Nun gut , versuch ' s noch einmal ; Einmal ist Keinmal , und ich sage dir , du machst mich und die Mutter glücklich , wenn du dir eine Frau nimmst aus unserer Gegend , und am liebsten , wo die Mutter her