, sprach sie . » Ich denke , wir werden auch das Umhauen der Eiche genehmigen . « Sie stieg mit Ekkehard den steinigen Pfad hinauf , der auf den Gipfel des hohen Krähen führt . Oben lag die Eiche gefällt , schier sperrten ihre mächtigen Äste den Platz . Eine Felsplatte , wenig Schritte im Umfang , ist der Gipfel des seltsam geformten Berges . Sie standen oben . Steil senkten sich die Felswände unter ihren Füßen abwärts ; es war eine schier schwindelnde Höhe , kein Stein oder Baum zum Anlehnen ; in die blaue Luft hinaus ragten die zwei Gestalten , der Mönch im dunkeln Gewand , die Herzogin , den hellen farbigen Mantel faltig umgeschlagen , Schweigend standen sie beisammen . Ein gewaltiger Anblick tat sich vor ihren Augen auf . Tief unten streckte sich die Ebene , in Schlangenlinie zog das Flüßlein Aach durch die wiesengrüne Fläche , Dächer und Giebel der Häuser im Tal waren winzig fern , wie Punkte auf einer Landkarte ; drüben reckte sich der bekannte Gipfel des Hohentwiel dunkel empor , ein stolzer Mittelgrund ; blaue platte Bergrücken erhoben sich mauergleich hinter dem Gewaltigen , ein Damm , der den Rhein auf seiner Flucht aus dem See dem Beschauer verdeckt . Glänzend trat der Untersee mit der Insel Reichenau hervor , und leise , wie hingehaucht , zeichneten sich ferne riesige Berggestalten im dünnen Gewölk , sie wurden deutlicher und deutlicher , lichter Glanz säumte die Kanten ihrer Höhen , die Sonne neigte zum Untergang ... schmelzend , duftig flimmerte die Landschaft ... Frau Hadwig war bewegt . Ein Stück großer weiter Natur sagte ihrem großen Herzen zu . Die Gefühle aber ruhen nahe beieinander . Ein zarter Hauch zog durch ihr Denken ; ihre Blicke wandten sich von den schneeigen Häuptern der Alpen auf Ekkehard . » Er will der heiligen Hadwig eine Kapelle weihen ! « so klang es immer und immer wieder in ihr . Sie trat einen Schritt vor , als fürchte sie den Schwindel , lehnte den rechten Arm auf Ekkehards Schulter und stützte sich fest auf ihn . Ihr Auge flammte auf die kurze Entfernung in das seine hinüber . » Was denkt mein Freund ? « sprach sie mit weicher Stimme . Ekkehard stand zerstreut . Er fuhr auf . » Ich bin nie auf solcher Höhe gestanden « , sprach er , » bei dem Anblick mußt ' ich der Schrift gedenken : Hernach führte ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Pracht und sprach zu ihm : Dies alles will ich dir geben , wenn du niederfällst und mich anbetest . Er aber antwortete und sprach : Weg von mir , Satan ! denn es steht geschrieben : Du sollst den Herrn , deinen Gott , anbeten und ihm allein dienen . « Starr trat die Herzogin zurück . Das Feuer ihres Auges wandelte sich , als hätte sie den Mönch hinabstoßen mögen in den Abgrund . » Ekkehard ! « rief sie , » Ihr seid ein Kind - oder ein Tor ! « Sie wandte sich und stieg schnellen , unmutigen Ganges hinunter . Sie ritt allein zur Feste Twiel zurück , sausend , im Galopp ; kaum mochte der Diener folgen . Ekkehard wußte nicht , wie ihm geschehen . Er fuhr mit der Hand über die Augen , als lägen Schuppen davor . Wie er in stiller Nacht auf seiner Hohentwieler Turmstube saß und den Tag überdachte , flammte ein ferner Feuerschein herüber . Er schaute hinaus . Aus den Tannen am hohen Krähen schlug die feurige Lohe . Die Waldfrau hatte der künftigen Kapelle zur heiligen Hadwig ihren letzten Besuch erstattet . Zehntes Kapitel . Weihnachten . Der Abend auf dem Hohenkrähen klang noch etliche Tage in der Herzogin Gemüt fort . Mißtöne werden schwer vergeben , zumal von dem , der sie selber angeschlagen . Darum saß Frau Hadwig einige Tage verstimmt in ihrem Saal . Grammatik und Virgilius ruhten . Sie scherzte mit Praxedis über die Schulmeister in Konstantinopel angelegentlicher denn früher . Ekkehard fragte an , ob er zur Fortsetzung des Unterrichts sich einstellen solle . » Ich habe Zahnweh « , sprach die Herzogin . » Die rauhe Spätherbstluft werde schuld daran sein « , meinte er bedauernd . Er fragte jeden Tag etliche Male nach seiner Gebieterin Befinden . Das rührte die Herzogin wieder . » Woher kommt ' s « , sprach sie einmal zu Praxedis , » daß einer mehr wert sein kann , als er selber aus sich zu machen weiß ? « » Vom Mangel an Grazie « , sagte die Griechin . » In andern Ländern hab ' ich das Umgekehrte wahrgenommen , aber hier sind die Menschen zu träge , mit jedem Schritt , mit jeder Handbewegung , mit jedem Wort auszusprechen : das bin ich . Sie denken ' s lieber und meinen , es müßte dann die ganze Welt auf ihrer Stirn lesen , was dahinter webt und strebt . « » Wir sind doch sonst so fleißig « , sprach Frau Hadwig wohlgefällig . » Die Büffel schaffen auch den ganzen Tag « , hätte Praxedis schier erwidert , aber in diesem Falle begnügte sie sich damit , es gedacht zu haben . Ekkehard war unbefangen . Es fiel ihm nicht ein , daß er der Herzogin ungeeignet geantwortet . Er hatte wirklich an das Gleichnis der Schrift gedacht und übersehen , daß es dem leisen Ausdruck einer Zuneigung gegenüber nicht zweckmäßig ist , die Schrift anzuführen . Er verehrte die Herzogin , aber mehr als den verkörperten Begriff der Hoheit , denn als Frau . Daß Hohes Anbetung fordert , war ihm nicht eingefallen , noch weniger , daß auch die höchste Erscheinung oft mit einfacher Liebe zufrieden ist . Frau Hadwigs üble Laune nahm er wahr . Er begnügte sich , seine Wahrnehmung in dem allgemeinen Satz niederzulegen , daß