die Festung verließen , die Gestalt in den verhüllenden Feredschi21 verborgen , während das Haupt unter dem weißen Schleier , Yaschmack genannt , verschwand , den , aus einem langen Streifen Mousselin bestehend , die muhamedanischen Frauen , sobald sie ihre Gemächer verlassen , um den Kopf wickeln und unter dem Kinn befestigen , so daß er das ganze Gesicht verbirgt und nur einen etwa drei Finger breiten Streifen für die Augen frei läßt . An der grünen Farbe des Mantels war leicht zu erkennen , daß die Eine die Herrin , die Andere eine Sclavin war . Die Gestalt der Ersteren erschien trotz der verhüllenden Kleidung groß und stolz und hatte nicht den durch die doppelten Pantoffeln gewöhnlich hervorgebrachten schleppenden und unsicheren Gang . Die Dame trug vielmehr unter den weiten türkischen Beinkleidern rothe mit Gold gestickte Stiefel , und jede ihrer Bewegungen zeigte eine bei den Orientalen ungewohnte Rastlosigkeit und Energie . Die beiden Frauen gingen allein , aber deshalb nicht unbegleitet . Ein seltsamer und schauerlicher Gefährte bewachte jeden ihrer Schritte , - ein gezähmter Wolf , der gleich einem Hunde , die rothe lechzende Zunge aus dem Rachen hängend , neben ihnen her trottete . Die Erscheinung war zu auffallend , um unbemerkt vorüber zu gehen , und obschon der Grieche eben nur Augen für sie hatte , konnte er doch wahrnehmen , wie die Besucher des Caffeehauses sich von ihr unterhielten , und mehrmals hörte er den Namen Fatinitza aussprechen . Er hatte sich vom Sitz erhoben , als er die beiden Frauen bemerkt , und stand dicht an der Straße , die sie vorüberführte . Schon von Weitem hatte ihn in dieser Stellung der Blick der Türkin getroffen , der mit einem seltsamen verzehrenden Ausdruck auf ihm haften blieb . Starr und ruhig , lag doch eine wahrhaft unheimliche Gluth im Hintergrunde dieses schwarzen Auges , das sich förmlich an ihn festzusaugen schien . Seine ganze Kraft und Selbstständigkeit schien unter dem Ausdruck dieses Blickes zu schwinden , und dennoch vermochte er nicht , den seinen davon abzuziehen . Wenn das unheimliche Auge dieser Frau wirklich eine Freude auszudrücken vermochte , so zeigte sie sich bei dem Erblicken des jungen Griechen . Man sah durch die Oeffnung des Schleiers den sichtbaren schmalen Theil des bleichen Gesichts lebhaft erröthen und ihre Hand ließ unwillkürlich den Zipfel des Mantels fahren , der zurückfallend eine der Tracht der Mirditen ähnliche Kleidung zeigte , in deren Gürtel ein leichter Handjar und eine zierliche Pistole von französischer Arbeit steckten . Der Mantel verhüllte sie im Augenblick wieder , und nur ein leises Neigen des Kopfes , als sie dicht an ihm vorüberging , und der Ausdruck des Auges zeigten dem nach orientalischer Sitte stumm und ehrerbietig grüßenden jungen Manne , daß er wiedererkannt sei . Starr und lange schaute er nach , als die beiden Frauen im Zugang des Bazars verschwanden , ohne daß er zu folgen wagte . » Bei Allah ! « sagte eine Stimme hinter ihm , » Du bist ein kühner Christ , daß Du Dich unterfängst , der Wölfin von Skadar so keck in die Augen zu schauen . Nur wenige der Moslems wagen , die Tochter Selim ' s zu begrüßen . « Als Grivas sich umschaute , sah er einen greifen türkischen Kaufmann in ärmlicher Kleidung vor sich , der ihm jedoch bekannt schien , denn er begrüßte ihn alsbald und lud ihn ein , neben ihm Platz zu nehmen . » Kennst Du die Frau , Ali Martinowitsch , « redete er ihn an , » so sage mir , wer sie ist . « Der Alte schüttelte den Kopf . » Laß Dich warnen , Jupane , « entgegnete er , » daß Du nicht in die Klauen dieser Wölfin fällst . Es ist Fatinitza , die einzige Tochter des Selim Pascha , der in Skadar gebietet , von einer Mirditin ihm geboren und der Apfel seines Auges . Aber ihr leibhaftiger Vater ist der Scheitan22 , denn sie liebt das Blut , gleich der Wölfin , die sie selbst in den Schluchten des Sutorman aus dem Nest geholt und gezähmt hat . Schon viele der jungen Männer , schön und kühn wie Du , haben ihr Ende gefunden durch diese Frau , und Niemand weiß , wo ihre Gebeine bleichen . Man sagt Böses und Geheimnißvolles von ihr , das die Lippe nicht wieder zu erzählen wagt . Es sollte mir leid thun um Dich , der mir das Zeichen des Begs , meines Blutsfreundes , gebracht hat . « In der That gehörte der Moslem zu dem Stamm des alten Czernagorzen . Als Stanischa , der Sohn Iwo ' s des Schwarzen , nach der abenteuerlichen Vermählung mit der Tochter des Dogen von Venedig und seiner Rache an dem schönen Wojwoden Djuro - wie sie die Piesmen so romantisch erzählen - zu den Moslems floh und zum Islam übertrat , waren ihm viele Tapfere seiner Heimath gefolgt . Obschon seitdem eine bittere Feindschaft zwischen den Nachkommen der Abtrünnigen und den christlichen Czernagorzen herrschte , hätte doch Keiner aus der Familie Buschatli - diesen Namen führen die Nachkommen Stanischa ' s in Skadar , wo dieser von den Moslems als Pascha eingesetzt worden , - einen der alten Blutsfreunde des Hochgebirges an einen Türken verrathen . Es bestand und besteht vielmehr eine gewisse , man könnte sagen Gastfreundschaft , die sie verpflichtet , in privaten und Familien-Dingen sich gegenseitig zu Dienst zu sein , unbeschadet der allgemeinen Feindschaft . So besaß auch der Beg in dem alten Kaufmann einen Stammverwandten und häufig schon hatten Beide in den gegenseitigen Kriegen sich Dienste erwiesen . An ihn hatte der Alte daher schon bei der ersten Fahrt nach Skadar den jungen Griechen gewiesen , und der Kaufmann hatte ihm versprochen , auf Grund der Mittheilungen Hassan ' s weitere Nachforschungen und Vorbereitungen zu treffen . Nicolas Grivas gedachte der ihm obliegenden Pflichten und ermannte sich aus seinem Brüten . » Fürchte Nichts