Luxus .... Aha ! Luxus ... Mahagony ? Nicht wahr ? Drum gefiel dir auch wol die neue Dreschmaschine beim Heidekrüger ? Der Fremde ließ sich durch diese verschmitzte Frage nicht irremachen , sondern setzte umständlich das Getriebe einer solchen Maschine auseinander , trotzdem , daß sie nicht von Mahagony war . Er wollte eben zeigen , daß er die Praxis verstand . Dankmar , der aufmerksam zuhörte , mußte fortgesetzt lachen ; denn Hackert verstummte plötzlich über die Schrauben , Ventile , Stempel , von denen der Fremde sprach . Sein Plan , den verkleideten Regierungsassessor Müller aufs Glatteis zu führen , war gescheitert . Das darauf eintretende Stillschweigen währte längere Zeit . Dankmar rauchte . Hackert schickte sich zum Schlafen an . Der Fremde sah auf die Gegend und notirte sich zuweilen Etwas , was ihm plötzlich einzufallen schien , in einem kleinen zierlichen Buche . Das dauerte so fort , bis er hinter einem Dorfe , das sie wieder zurückgelegt hatten , Namens Helldorf , zu Dankmar sagte : Da sind wir jetzt in einem Lande , wo ja mit einem Fürsten , wie wir vorhin sagten , reiner Tisch gemacht worden ist ! Es ist wahr , es lebt sich darin nach wie vor . Die Menschen gehen und wandeln , die Bäume tragen schwer an den Ästen , die Ernte ist reif , das Gras schon zum zweiten male gemäht . Es hat sich nichts verändert . Wo wären wir denn da ? wandte sich Dankmar um . In dem Fürstenthume Hohenberg , sagte der Fremde ; hier beginnt die kleine Herrschaft , die so verschuldet ist , daß selbst eine Lotterieanleihe sie nicht mehr retten konnte . Heben Sie den Glanz und das Glück der kleinen Herrscher auf und sie gehen von selbst . Und die großen ? fragte Dankmar , der nicht abgeneigt schien , das begonnene Gespräch fortzusetzen . Halten Sie es für möglich , sagte der Fremde , unbekümmert um den in politischen Dingen schweigsamen und nun schlafenden Hackert ; halten Sie für möglich , daß jemals Staaten wie Preußen , Österreich , Baiern ganz aufhören können ? Diese Sondergeschichte ist nicht auszulöschen und in den Fürsten erhalten sich die Erinnerungen der Völker und werden durch sie getragen . Dankmar antwortete ironisch : Ich bewundere , wie Sie glauben , die Hebel der Gesellschaft , die Organe der Menschheit in Bewegung setzen , neue Sitten , neue Gesellschaftsformen bilden zu können und doch an dem Bestande von Dynastieen wie an etwas Ewigem haften ! Wie gern auch söhnt ' ich mich mit diesem Bestande aus , wenn ich darin nur die Fortbildung unserer Freiheit gesichert sähe ! Wissen Sie , was mir durch diese Monarchieen allein gesichert scheint ? Ein Übel , das mir noch gefährlicher dünkt als die von Ihnen gerügte allgemeine Genußsucht . Es ist Dies die allgemeine persönliche Eitelkeit , begründet auf eine durchgreifende Erniedrigung des Menschengeschlechts . Wir hörten ja gestern vom Reubunde . Wie erscheint der Ihnen ? Ein wenig lächerlich , war die Antwort . Mir scheint er gefährlich , sagte Dankmar . Gefährlich deshalb , weil er mit einigen guten Eigenschaften des civilisirten Menschen ein unverantwortliches Spiel treibt . Liebe und Hingebung sind himmlische Thätigkeiten der menschlichen Seele , aber sie haben ihre Grenzen . Sagen Sie selbst , ob nicht in jener Monarchie , zu deren Erhaltung und Unterstützung der Reubund gestiftet wurde , das eigentliche Hinderniß freier Entwickelung die tief in den Institutionen und den Erinnerungen des Volks wurzelnde Eitelkeit das Hinderniß der wahren Freiheit ist ? In diesem Staate entwürdigt sich der Mensch als Gattungsbegriff , um sich als bürgerliche Person hochzustellen . Das Individuum will bedeutend sein auf Kosten des Geschlechts . Oder woher denn sonst dieses rastlose und die Menschenwürde beschämende Drängen nach Auszeichnung ? Eine Unzahl von Ehrenzeichen und Titeln wird in Massen verschleudert , die allgemeine Militairpflicht untergräbt das kräftige Selbstgefühl der Heimat und ordnet Jeden einer abstracten Ehre , der Soldatenehre , unter . Wo Sie im Bereich dieser Monarchie hinkommen , überall bilden sich die Menschen ein , in unmittelbarer Beziehung zum Fürsten zu stehen . Jeder glaubt sich von ihm persönlich gekannt ; Jeder drängt sich vor , um irgendwie zur Notiz der hohen Behörde genommen zu werden . Wie eilt nicht Alles zu Unterschriften , zu namentlicher Nennung bei jeder Gelegenheit ! Streiten Sie mit diesen Menschen , so hat Jeder eine Meinung für sich , Jeder weiß es besser als der Andere , und wenn man sich unterordnet , so ist es nur einem hochgestellten und betitelten Manne . Einer Berühmtheit die Schleppe zu tragen , die Kundschaft einer Excellenz zu genießen , von einer erlauchten Person angeredet zu werden , Das ist dort wie in Rußland der Bindekitt des öffentlichen Geistes und die Bedingung seiner Formen . Wenn Montesquieu die Ehre als das Wesen der Monarchie bezeichnete und er es aufrichtig meinte und nicht etwa damit seinem Souverain ein leeres Compliment machen wollte , so kommt dieses Merkmal , das nur aus Mangel eines tiefern Begriffes erfunden zu sein scheint , in jenem Staate zu seiner kleinlichsten , aber auch gefährlichsten Anwendung . Der Fremde schwieg eine Weile . Dann nahm er , als er Hackert wirklich schlafend fand , das Wort und sagte : Auch ich hasse die gedankenlose Hingabe an den flüchtigen Glanz des Bestehenden , nur um an diesem Glanze theilzuhaben ; besonders ist mir , trotz meiner conservativen Gesinnung die Coquetterie mit dem Heere unerfreulich . Es ist Dies ein Stolz , der denn doch auf nur höchst unglückliche , den großen Menschheitszwecken widerstrebende Anomalieen sich begründet ! Nie wird ein Staat eine Zukunft haben , der sich nur auf die Institutionen der Gewalt stützt und darauf hinarbeitet , im Volke das Staatsleben nur wie einen Formel- und Götzendienst zu begründen . Auch das Beamtenwesen ist eine solche morsche Stütze des dauernden Bestandes . Eine einzige verlorene Schlacht stürzt alle diese blankgeputzten und zierlichen Götzen und was