Tage , bis endlich die Mutter nachgab und erkannt wurde , es müsse dem Johannes geschrieben werden , daß er die Sache alsbald verrichte . Aber wer sollte schreiben ? Die Mutter konnte nicht , Joggeli war eine Feder ärger zuwider als ein angezündet Schwefelholz unter der Nase . Elisi schmierte endlich einen Bogen voll , von dem aber erkannt wurde , den könne man nicht abgehen lassen , denn der gelehrteste Professor könne nichts daraus machen . Elisi heulte , aber damit entstund kein verständlicher Brief . Joggeli mußte endlich das Wort geben , er wolle morgen selbsten einen machen . Am Morgen fiel es Joggeli plötzlich ein , heute sei der Tag , an welchem der Lehenzins verfallen sei , und nun plagte ihn die Neugierde , ob Uli wohl zahlen werde oder nicht ? Er hatte gesehen , daß der Müller Korn geholt , hatte auch die Zahl der Malter gezählt , den Preis zu vernehmen gesucht und daraus geschlossen , Uli werde im Sinn haben zu zahlen . Joggeli hatte nicht Angst , er könne um seine Sache kommen , aber er freute sich auf das Geld . Kinder und alte Leute sind auch darin sich ähnlich , daß sie gerne mit Geld spielen , es zählen , es rollen lassen durch die Finger , Häufchen machen , es durcheinanderwerfen , es transportieren aus einem Sack in den andern Sack . Er vergaß den Brief ganz , sah gleich mit Tagesanbruch erst lange durch die Fensterscheiben , ob Uli nicht anrücke . Später träppelte er ums Haus herum , zeigte sich , in der Erwartung , Uli lasse sich dann auch hervor mit einem großen Bündel Geld . Da kein Uli erschien , trippelte er hinüber zum Hause , kam zu den Knechten , frug wie von ungefähr , ob der Meister daheim sei oder fort ? Sie wüßten nichts anders , sagten die Knechte , sie hätten ihn erst noch gesehen und gsunntiget sei er nicht gewesen . Er scheuet sich vor mir , dachte Joggeli , darf oder will sich nicht sehen lassen ; entweder hat er das Geld nicht oder er will mich nicht bezahlen , eins ist so schlimm als das Andere , aber wenn es vierzehn Tage geht , so schreibe ich Vetter Johannes , er ist Bürge , er kann zur Sache sehen . Doch trotz diesem Rückhalt hatte er den ganzen Tag keine Ruhe , er trappete herum , als ob er ein Wurmpulver im Leibe hätte , und trotz seinem Trappen sah er Uli den ganzen Tag mit keinem Auge . Uli lebte , er lebte einen großen Tag , er machte seine Jahresrechnung , zog seine Bilanz , verglich mit der Rechnung die Kasse . Das ist ein Stück Arbeit für einen Uli ! Zehn Jucharten Roggen säen in einem Tage ist Kinderspiel dagegen . Ja , Rechnen hat eine Nase , besonders wenn man es nicht wohl kann . Uli hatte begreiflich das Jahr durch schon gar oft gerechnet , vielleicht nur zu viel , doch so recht bis auf den Grund noch nie , und das sei notwendig , hatte er gehört , besonders für Anfänger . Es sei schon gar Mancher zugrunde gegangen , weil er nie nachgesehen , wie er stehe , ob er vorwärts oder rückwärts gehe . Am Jahrestag seiner Meisterschaft übernahm er nun diese Arbeit . Er zählte zuerst das Geld , welches er hier in einem Bündelchen , dort in einem Körbchen , anderwärts in einem Strumpfe hatte . Ein reicher Bauer hatte ihm gesagt , wenn man viel Geld im Hause habe , müsse man es verteilen ; kämen Diebe , so kriegten sie doch niemals alles , sondern nur einen Teil . Das Zählen schon trieb ihm den Schweiß aus , denn so oft er zählte , so oft gestaltete sich die Summe anders . Zu der Gewißheit kam er , daß jedenfalls über tausend Taler seine Kasse enthielt . Nun versuchte er die richtige Summe aus seinem Buche zu finden , das war aber erst ein Hexenwerk , aus welchem noch ein ganz Anderer als Uli nicht gekommen wäre . Uli hatte aufgemacht und hatte nicht aufgemacht . Größere Posten waren aufgeschrieben , aber kleinere begreiflich nicht . Verkaufte Kühe waren aufgemacht , aber von verkauften Kälbern fand man wenig Spuren , von verkauften Ferkeln gar keine ; so wollten im Buche sich nicht reimen Ausgaben und Einnahmen , und mit dem vorhandenen Gelde paßte die Bilanz im Buche erst nicht . Im Buche fehlten alle kleinen täglichen Ausgaben , nur die größern Summen stunden da . Wer aber einige Zeit hausgehalten hat , weiß , wie viel Kleines zu was Großem sich summiert . Kurz ins Reine brachte er es nicht , er kam bloß so weit ins Klare , daß er mehr als zweihundert Taler in bar gespart . Das Vieh im Stall war von geringerem Werte als das , welches er übernommen , dagegen besaß er noch ein ziemlich Quantum Korn , weit mehr als für den Hausbedarf bis zur Ernte . Vorräte von allen Sorten , wie sie einer Haushaltung wohl anstehen , hatte Vreneli doch gemacht ; seit der Bodenbauer seine Vorlesung über Hausökonomie gehalten , war es von Uli weniger gehindert worden . Was er an Vorräten harte , schätzte er zu ungefähr hundert Talern , so daß also sein Gewinn oder Arbeitslohn zum wenigsten dreihundert Taler betrug . Zuerst wollte er sich freuen darüber , dieweil das ein so schöner Anfang sei , aber nach und nach flogen ihn allerlei Mücken an . Er fand , daß dies doch eigentlich nichts sei . Es sei ein ausgezeichnet gutes Jahr gewesen , sagte er , und nur dreihundert Taler ! Jetzt habe er bar auf der Hand , daß er in ordinären Jahren nichts verdiene , nicht so viel als sein schlechtest Knechtlein . Sollte es aber Fehljahre geben , könne er nicht bloß dreihundert , sondern sechshundert Taler verlieren