fest . Meine Thränen waren von dem eisigen Hauch , der mich aus den Worten der Mutter anwehte , getrocknet . - Du wirst sein falsches Herz mit diesem Dolche durchbohren , Salvador . - Ich werde es thun . - Komm an meine Brust , mein Kind , schluchzte jetzt die Mutter , mich zu sich hinaufziehend . - - Der Name des Verräthers wurde zwischen uns nie mehr genannt . Lydia hatte mit wachsender Spannung , die zuletzt in Angst überging , auf Salvadors Erzählung gehört . Sie konnte den Rachedurst der Spanierin nicht begreifen , welche ihr eigenes Kind zum Vatermörder erzogen hatte . Aber sie wagte es nicht , ihre Ansicht hierüber mitzutheilen , aus Furcht , sein Vertrauen zu verlieren . - Und hast Du - sagte sie zögernd - Deinen Schwur gehalten ? Der Knabe sah fragend zu ihr auf . - Lebt Dein Vater noch ? - Er lebt noch - Donna ! Ihr kennt ihn auch . - Ich ? - Ja . Erinnert Ihr Euch noch des Abends in Wien , wo ich Euch zur Messe begleitete ? Als wir zurückkehrten nach Eurer Wohnung , da trat er Euch auf der Schwelle entgegen . - Der Fürst Lichninsky ? - sagte überrascht Lydia . - Was ist Fürst ? - fragte gleichgültig Salvador . - Und warum hast Du ihn damals nicht getödtet ? - - Es war noch nicht Zeit , hatte der Tio gesagt . - Der Tio ? Wer ist das ? - Das ist der Pater Angelikus . Lydias Ueberraschung war zum Entsetzen geworden . Der fromme Vater , dem sie mit Hingebung sich überlassen , dessen Munde sie oft Worte der Liebe und Verzeihung hatte entströmen hören ; er wußte um den verbrecherischen Plan des Knaben , unterstützte ihn vielleicht gar ? Ihr schwindelte vor diesem Gedanken . Da durchzuckte eine Idee ihre Brust , die sie plötzlich mit neuer Hoffnung belebte . - Mein Salvador - sagte sie mit dem weichsten Tone ihrer lieblichen Stimme - nicht wahr , Du hast mich lieb ? mein Kind . - Ja - sagte der Knabe mit Ungestüm , und ein Strahl blitzte aus seinen Augen , vor dem Lydia erröthend das ihrige senkte - ich habe Euch am liebsten auf der Welt ; aber ich bin kein Kind . - Nun , wenn Du mich lieb hast - fuhr Lydia , seinen Lockenkopf streichelnd , fort - so mußt Du das nicht thun . - Was nicht thun ? - Deinen Vater tödten . - - Ich habe keinen Vater . - Salvador , versprich mir , ihn nicht zu tödten - bat Lydia fast flehend in unschuldiger Koketterie ihre Hand auf seine brennende Stirn legend , denn sie fühlte , daß sie eine Macht über ihn besaß - die sie zum guten Zweck anwenden wollte . Des Knaben Brust arbeitete unter dem doppelten Einfluß zweier einander widerstrebender Gewalten . Lydia ' s Stimme tönte so süß in seinem Herzen , daß er fast nicht mehr widerstehen konnte . - - Da dachte er an den Schmerz seiner Mutter . Ihr herzzerreißendes Geschrei bei dem Abschiede von dem » Verräther « klang in seinen Ohren , durchdringend wie ehemals - er riß sich mit Ungestüm von Lydia los und sagte , mit flammenden Augen vor sie hintretend : - Nein ! Nein ! Nein ! Ich will Euch hassen , Donna , wenn Ihr das von mir verlangt , und wenn Ihr mich verrathet , werde ich Euch ermorden . Aber schon im nächsten Augenblick lag er zu ihren Füßen und bat um Verzeihung . Lydia war durch die ganze Scene in eine fieberhafte Aufregung versetzt . Sie beugte sich zu dem Knaben nieder und suchte ihn zu beruhigen ; aber selbst im Innersten bewegt , trug ihre Bemühung wenig zur Besänftigung der im Knaben erregten Leidenschaft bei . Der Schmerz im Andenken an die Qual seiner Mutter vermischte sich mit der Wonne , von Lydias Armen umschlungen zu sein , ohne daß er sich der Ursache klar wurde . Durch die Thränen , welche reichlich über seine Wangen strömten , glänzte die südliche Glut einer knospenden Liebe zu dem schönen Mädchen , das er umschlungen hielt , hindurch . Mit übermächtiger Gewalt zog es ihn hinauf an ihre Brust ; Lydia vermochte , sich in dem Gefühl Salvadors täuschend , nicht zu widerstehen . Im nächsten Augenblicke preßte sich sein glühender Mund auf den ihrigen , ihre Thränen vermischten sich , ihre Herzen schlugen stürmisch einander entgegen . Beschämt über ihre Schwäche , und die ihr selbst unerklärliche Hingabe an den Knaben - küßte sie sanft seinen Arm und sagte mit zitternder Stimme : - Nicht wahr , Salvador , Du wirst ihn nicht tödten ? Als hätte ihn eine Natter gestochen , so sprang der Knabe empor . - Sprich nicht davon , bei allen Heiligen , ich bitte Dich - sagte er düster - soll ich den Fluch meiner Mutter auf mich laden ? Nein , es darf nicht sein . Lydia seufzte . - So werde ich Dich nicht mehr lieb haben , Salvador . - - Der Knabe blickte sie wild an . Dann setzte er sich wieder auf seine Fußbank und begann ein altes spanisches Lied zu singen , als Alice mit glühenden Wangen und fliegendem Athem ins Zimmer trat . - - - IX Am Morgen des 18. März schien es , als ob plötzlich aller Zwist , der seine blutige Geißel die ganze Woche hindurch über die Hauptstadt geschwungen hatte , verschwunden , und das Berliner Volk seinen alten Charakter der Jovialität und Leichtfertigkeit wiedergefunden hätte . Man sah nur freudig daherwandelnde Gruppen und heitere Spaziergänger . Alles deutete darauf hin , daß der Hader beseitigt und das alte Verhältniß philiströser Anhänglichkeit des Volkes zum Könige wiedergekehrt sei . Die Bürgerwehr sollte errichtet werden . Die Menge strömte nach dem Zeughause , wo der nachherige Minister von Schreckenstein in