Dich wohl , daß sie ungefähr eben so lange verheirathet ist , als ich , etwas länger noch - da sie jetzt in Potsdam mit ihrem Manne wohnt , so hatte ich sie seitdem nicht gesehen - heute also fragte sie mich , ob - ob - - « sie verbarg ihren Kopf an seiner Brust . Landsfeld erschrak . » Es ist die höchste Zeit « - dachte er . - » Wenn eine indiskrete Freundin den Schleier lüftet , den ich selbst noch nicht gehoben , dann ist mein ganzes Werk vernichtet . « - » Warum solltest Du mir nicht sagen können , was eine Freundin zu Dir zu sagen wagte ? « - fragte er laut . » Mißverstehe mich nicht , Richard ; Therese meinte es gewiß nicht böse . - Sie fragte , ob - wir ein und dasselbe Zimmer bewohnten ? « - Eine flammende Röthe überdeckte ihr Gesicht , als sie nach einem kurzen aber heftigen Kampfe diese Worte herausgebracht hatte . Landsfeld athmete etwas freier . » Und was weiter ? « - fragte er mit einem Lächeln , das ihr neuen Muth gab . » Als ich ihr mein Mißfallen über das Unzarte ihres Benehmens zu erkennen gab , erwiederte sie : das wäre bloße Ziererei und ich thäte gerade so , als ob ich noch ein Mädchen wäre . Das kränkte mich , Richard , da ich nicht begreifen kann , warum eine Frau weniger Zartsinn haben sollte , als ein Mädchen ; ich stand auf und verließ Theresen , um mich zu ihrer älteren Schwester zu setzen . - Aber diese war mir gefolgt und trug nun wie zu ihrer eigenen Rechtfertigung unser ganzes Gespräch mit einer mir räthselhaften Unbefangenheit ihrer Schwester vor . Letztere hörte aufmerksam zu und meinte dann , als ich die Wahrheit der Erzählung bestätigt hatte : entweder sei ich selbst ein kleiner Schelm , oder mein Herr Gemahl - wie sie sich ausdrückte - ein großer . - Was sagst Du dazu , Richard ? « - » Sie mag wohl nicht ganz unrecht gehabt haben - doch lasse sie reden und kümmere Dich nicht darum « - setzte er schnell hinzu . - » Sie haben sich wohl nur einen Scherz machen wollen . « » Das dachte ich auch anfangs , aber - - « Lydiens Stimme drückte von Neuem eine so mädchenhafte Zaghaftigkeit aus , daß Landsfelds Besorgniß wieder rege wurde . » Noch mehr ? « fragte er aufmerksam . Lydia wollte eben antworten , als sie plötzlich , nach dem Fenster zeigend , ausrief : » Mein Gott , was ist das ? Sollte die Mutter kränker geworden sein ? Was bedeutet das Licht auf dem Korridor ? « » Bleibe hier , liebe Lydia « - sagte Landsfeld , sie sanft zurückdrängend , da sie das Zimmer verlassen wollte . » Du bist so leicht bekleidet . Ich werde selbst nachsehen . « Bei diesen Worten verließ er das Zimmer und ging leise den Korridor hinab . Am Ende desselben traf er Gertrud , welche eben im Begriff war , das Zimmer der Forsträthin zu öffnen . » Was giebt ' s , Gertrud ? « fragte er . » Ach , gnädiger Herr - ' s steht gar nicht gut mit der Frau Mutter , glaub ' ich . « - » Still , Gertrud « - wir wollen dem Himmel nicht vorgreifen . Und vor allen Dingen lassen Sie meiner Frau nichts von Ihren Befürchtungen merken ! « - » Behüte der Himmel , gnädiger Herr . « Landsfeld kehrte zu Lydia zurück , die in ängstlicher Spannung am Fenster seiner harrte . Nachdem er sie mit einigen Worten beruhigt hatte , drang er von Neuem in sie , ihre Mittheilungen fortzusetzen . Lydia war durch diesen Zwischenfall zu sehr aus ihrer früheren Stimmung gebracht , als daß sie seiner Bitte mit der nöthigen Unbefangenheit hätte genügen können . » Morgen « - sagte sie bittend . » Wie Du willst , liebes Kind . Morgen Abend dann ; ich reite schon früh fort und werde nicht zu Tische kommen . Du weißt , daß ich morgen zur Jagd geladen bin . « - Er drückte einen warmen Kuß auf ihren Mund und eilte nach seinem Zimmer . Als Karl dem ihm gewordenen Auftrage gemäß gegen fünf Uhr an die Thüre seines Herrn klopfte , fand er denselben bereits angekleidet am Sekretair mit dem Siegeln eines Briefes beschäftigt . » Dies Billet « - sagte er - » giebst Du an Gertrud , um es meiner Frau zu überreichen , sobald sie aufgestanden . « » Sehr wohl , Herr Baron . « » Jetzt hole mir das Frühstück und dann mach ' Dich selbst und die Pferde fertig . « Als der Diener das Zimmer verlassen , nahm Landsfeld das Licht vom Tische und begab sich mit leisen Schritten nach dem Schlafzimmer Lydiens . Behutsam öffnete er die Thüre und schloß sie eben so . Es rührte sich nichts . Dann stellte er das Licht auf die Console , und verdeckte es durch einen Lichtschirm , um seinen hellen Schein etwas zu dämpfen . Darauf trat er vor das Lager seiner Gattin , und versank in eine lange und stumme Betrachtung . Lydiens Schlaf schien nicht ruhig gewesen zu sein . Ihr linker Arm hing unbedeckt über die Bettlehne heraus , während der andere eine Hand breit unterhalb ihres Busens ruhte . Der kleine weiße Fuß von vollendeter Schönheit hatte die rothseidene Bettdecke von sich gestoßen . - - Landsfelds Blicke ruhten mit stiller Wehmuth auf diesen Reizen , ohne daß sich in ihm ein Verlangen irgend einer Art regte . Fast schmerzlich war der Ausdruck seines Gesichts , als er , in tiefes Sinnen verloren , vor dem Lager stand . Plötzlich wurde er aufmerksam . Lydia bewegte die Lippen . Er bog sich sanft über sie . » Richard « - sagte