. Dann sagte sie : Ferner verhelfen Sie mir zu dem schönsten Armbande in Berlin . Frau von Wöhrstein und ich trafen uns bei dem Hofjuwelier und handelten Beide um dasselbe Armband , wollten es auch Beide sogleich besitzen . Inzwischen sprachen wir davon , daß Sie nicht auf den Ball kommen wollten , was der Baronin leid that . Da fiel ich auf einen Ausweg . Ich wette , sagte ich , daß ich Ihnen den Assessor für die Quadrille schaffe , wenn Sie das Armband zum Preise aussetzen . Das war sie lachend zufrieden und nun haben wir alle Beide unsern Willen und sind Ihnen Beide verpflichtet . Aber Sie scheinen sehr gleichgültig gegen meinen Triumph ! - Und in der That theilte Theophil die Freude der jungen Frau nicht , die sich bald darauf entfernte , um in eine Gesellschaft zu fahren , in die Julian ihr folgen sollte , denn der ganze Scherz mißfiel ihm . Das liebenswürdige Wesen bringt mich aus all meinen Gewohnheiten , sagte der Präsident , nachdem er Eva an den Wagen begleitet hatte . Es ist eine solche Lust , einen ganz glücklichen Menschen zu sehen , daß ich Eva in Allem nachgebe , ihr gern überall hin folge , um mich an der seltenen Erscheinung zu ergötzen . Sie lebt wie die glücklichen Wesen des goldenen Zeitalters , ohne Sorge , ohne Kummer , ohne Denken möchte man fast sagen , und eben so harmlos und rein , wie jene . Darin liegt ein hoher Reiz für den Betrachter . Sie erquickt mich wie Poesie nach einer ermüdenden Arbeit , und ich danke ihr das sehr gern durch Nachgiebigkeit in ihre Einfälle . Es ist mir unbegreiflich , daß Sie sie nicht ebenso reizend finden , Theophil ! besonders da sich Eva für Sie offenbar interessirt . Das wäre nun grade eine Frau für Sie ! die würde Sie schon erheitern , schloß der Präsident , während er die Brille zurechtrückte und den jungen Freund forschend betrachtete . Das ist mir auch eingefallen , während Eva neben Ihnen vor dem Spiegel stand bemerkte Therese . Sie passen wirklich gut zu einander . Ihnen ? Ihnen ist das eingefallen ? fragte Theophil im Tone schmerzlicher Ueberraschung . Ich hätte geglaubt , Sie kennten mich besser , Sie wüßten , daß Eva mir ganz gleichgültig ist . Während Therese sehr ernst wurde , schien Julian sich der Erklärung zu freuen . Beide schwiegen aber , und Jener fuhr fort : Sie glauben es nicht , wie ungelegen mir dieser Maskenball kommt . Ich liebe dergleichen gar nicht , und daß Frau von Barnfeld mich zum Gegenstand einer thörichten Wette macht , ist mir vollends so verdrießlich , daß ich am liebsten mein Versprechen zurücknähme . Es liegt für mich etwas Beleidigendes darin . Es sollte Ihnen schmeichelhaft sein , daß zwei so reizende Frauen an Sie denken , meinte Therese . Wie an ein Spielzeug ! fügte Theophil verdrießlich hinzu . Frau von Barnfeld wünscht mich zum Tänzer , wie sie das Armband begehrt , weil ihr die Erreichung des Wunsches unwahrscheinlich war . Verbirgt sich Eitelkeit oder gekränkte Liebe hinter diesen Worten ? fragte der Präsident . Nichts weiter als Langeweile . Ich hasse diese Maskeraden , die bei uns etwas Gemachtes sind . Wir Deutschen passen nicht dazu . In Italien , wo man sich gelegentlich wol noch hinter Schleier und Kapuze verbirgt und so verborgen durch die Straßen wandelt , ist eine Maskerade ein aus der Volksgewohnheit hervorgehender Scherz . Wir , die wir nicht gern mit Jemand sprechen , dessen Namen und Stand wir nicht kennen , wir taugen mit unserm Ernst nicht dazu , und sind gewiß in dem Domino oder im Panzerhemde eben so unbeholfen und ungesellig , als im schwarzen Frack . Sie sprechen ganz meine Meinung aus , sagte Therese . All diese Maskeraden , die lebenden Bilder , das Komödienspielen und Musiciren in unsern Gesellschaften sind nur Beweise , daß es an wahrer Geselligkeit fehlt . Wie selten findet man ein Haus , in dem die Wirthin ihre Gäste gewähren läßt , in dem die Gleichgestimmten sich von selbst zusammenfinden und mit einander in ungezwungener Unterhaltung verkehren dürfen ! Ueberall will man etwas bedeuten , man will einen musikalischen , einen besonders geistreichen , einen literarischen Kreis um sich versammeln . Da werden nun die unbedeutendsten Leistungen von Dilettanten präsentirt . Eine halbe Stunde geht mit Nöthigen und Zurüstungen hin , dann hört oder sieht man etwas sehr Unvollkommenes , muß sich mit lügnerischem Entzücken dafür bedanken und am Ende hat man sich gelangweilt . Man müßte es mit unserer Gesellschaft wie mit den Kindern machen . Gewöhnt man diese daran , ihre Spiele zu leiten , so lernen sie nicht allein zu spielen : man kann nichts Besseres für sie thun , als sie ganz sich selbst zu überlassen , dann helfen sie sich auch selbst . Und wie albern werde ich als Oberon aussehen ! wie paßt denn ein Mann , der Tage hindurch bei den Akten sitzt , zu solch luftigem Scherz ! sagte Theophil . Ich begreife nicht , wie Sie Frau von Barnfeld in dem Gedanken bestärken konnte . So lange Oberon und Titania nur als poetische Gebilde in unsern Seelen lebten , meinte der Präsident , mochte eine solche Wahl bedenklich sein . Seitdem man nun den Sommernachtstraum aber aufgeführt , ihn aus dem Reich des Ideals in die grobe Wirklichkeit gezerrt hat , scheint es mir weniger gewagt , und Sie Beide werden ganz gut aussehen als streitendes Elfenpärchen . Sie sind also auch gegen die Aufführung dieses Gedichtes gewesen ? Ganz und gar , sagte der Präsident . Es gibt Dichtungen , wie eben der Sommernachtstraum , der gestiefelte Kater , die so sehr in das Gebiet des Phantastischen streifen , daß man sie zerstört , wenn man sie festhalten will . Dem Menschen bleibt aus seiner Kindheit die Fähigkeit , sich ein Wunder ,