, wenn ich deine Frau gesehen hätte . « » Mutter , schweig vom Sterben , du darfst uns nicht sterben , und von einer Frau schweiget mir . « » Und ich schweige nicht « , sagte Christen . » Es ist doch dann noch nicht gesagt , daß es immer gleich gehen müsse , und probieren schadet nichts . Es kömmt nur darauf an , ob dich das Meitschi will oder nicht ; wenn man das vernehmen könnte , so müßte die Sache bald richtig sein . Hast du seither nichts von ihm vernommen ? « Nein , sagte Resli , er hätte nicht gewußt , was das Nachfragen abtrage , wo es besser wäre , er vergesse die ganze Sache , je eher je lieber . » Da hast du unrecht getan « , sagte Christen , » und ich will für dich vernehmen , was nötig ist ; es ist mir auch daran gelegen , daß du eine rechte Frau erhaltest , und wenn die Mutter so Freude hat an einer Sohnsfrau , so muß sie noch vor Ostern eine haben , oder ich will nicht Christen heißen . Vater , gib mir einige Neutaler in Sack , die meinigen sind neue use , und ich will um etwas aus , um Rosse , Kühe Schafe , sei es was es wolle , und somit habe ich Gelegenheit , auf das Dorngrüt zu kommen , unbekannt , vielleicht mit dem Meitschi z ' reden , und vernehme allweg , was für Werch an der Kunkel ist und wie die Sache öppe anzukehren wäre . « » Mache , was du willst « , sagte Resli , » und ich danke dir für dein Anerbieten , aber ich will dich nicht geheißen haben und an nichts schuld sein . Ihr seid alle nur viel zu gut gegen mich , aber ich will es auch Keinem vergessen . « » Das hätte ich vor acht Tagen noch nicht hoffen dürfen , daß es so kommen könnte « , sagte die Mutter , » und wenn es mir jemand gesagt hätte , so hätte ich es ihm nicht geglaubt . Aber bei Gott sind alle Dinge möglich , und wie er das Unglück einbrechen läßt wie einen Dieb in der Nacht , warum sollte er nicht auch das Glück heraufführen wie die Sonne aus ihrer Kammer , wenn die Herzen dafür reif geworden sind ? « » Horch , was ists ? « rief Resli und sprang vom Boden auf . Langsame Glockenschläge hallten einzeln durch die Luft , alle sprangen auf . » Es stürmt , wo brennts ? « frugen alle . Rauch war nirgends zu sehen , aber nur im Halbkreise lag frei der Horizont vor ihnen . Sie eilten dem Hause zu ; in zwei Minuten sah man Resli , den Feuerhaken auf der Achsel , den Eimer darangehängt , in raschem Laufe dem Kirchturme zueilen , wo immer ängstlicher die Glocke um Hülfe wimmerte , und verschwunden war das schöne Bild der innigen Familie , verschlungen vom Wirbel der Welt . Aber sei auch das Bild verschwunden , ist nur der Geist geblieben ; der lebendige Geist sprüht neue Bilder immer wieder auf , schöne Kinder , Zeugen seines Lebens . Vorwort zum zweiten Teil Dem geneigten Leser wird anmit eine Fortsetzung der Erzählung » Geld und Geist « , welche im zweiten Bändchen der » Bilder und Sagen « enthalten ist , dargeboten ; der Ärger vieler Leser über den scheinbar zu raschen Schluß bestimmte den Verfasser dazu , und Bedingungen zu fernerem Leben fanden sich in der ersten Erzählung hinreichend vor . Auf neuem Boden birgt sich das innere Leben mehr hinter äußere Verhältnisse , und unfreundlich wölbet sich der Himmel über ihm ; wer aber in Geduld dieses überwindet , findet im Schlusse vielleicht den Geist wieder , welcher das Geld besiegt und den Segen der Versöhnung über die Herzen bringt . Wer hat nicht schon den Unterschied bemerkt , der im Klange der Glocken liegt , es gefühlt , wie verschiedene Empfindungen sie erregen im menschlichen Gemüte ? Ernst und hoch , wie vom Himmel her , ertönen sie , wenn sie den Menschen rufen in Gottes Haus , sich zu demütigen vor dem Allmächtigen , sich aufzurichten am Allerbarmenden ; dumpf tönt die Totenglocke , von weitem her wird es einem , als höre man auf den Sarg die Erde prasseln , als versinke man in ein dunkles Gewölbe und höre immer ferner und ferner des Lebens Klang . Freundlich und mild tönt die Vesperglocke . Wer des Abends über Berg und Tal das freundliche Geläute hört , dem wird , als empfange er freundliche Grüße , ein gastfreundlich Laden zu süßer Ruhe , als vernehme er des Vaters Ruf , sich zu stellen unter dessen treue Hut , zu legen all sein Sorgen und Sinnen in dessen weise Hand . Aber wenn die Feuerglocke erschallt , da zuckt Schreck durch die Seelen , Weiber werden blaß , Kinder weinen , Männer horchen hastig auf und stärker klopfen ihre Herzen . Es tönt vom Turme her wie Weiberjammer , wie Kindergewimmer , wie des Feuers Knistern , und je langer die Glocke geht , um so inniger scheinen ihre Töne zu werden , um so ängstlicher wimmert sie , um so lauter jammert sie . Es zieht das Herz sich zusammen , bange sucht der Mensch den Menschen , alle Augen suchen des Brandes Zeichen , den dunklen Rauch , der weithin des Brandes Stätte weiset , den Helfenden der düstere Stern über der Stätte , wo Hülfe nottut . Und jeder rät , wohin die dunkle Wolke weiset , und jeder schreit auf , wenn neue Wellen wallen über Berg und Tal , das Aufflammen neuer Häuser , das Zusammenstürzen der ausgebrannten verkündend . Ums Spritzenhaus , welches wie üblich in der Mitte des Dorfes stand , von welcher gewöhnlich das Wirtshaus auch nicht ferne liegt , während