Beschäftigungen gelehrt hatte , den Raum mit seiner abweichenden Ausschmückung sich zum Bedürfniß anzueignen . Unsern jungen , unzufriedenen , gequälten Freund wandelte ein Gefühl an von Schüchternheit und Rührung ; er blickte zu den beiden herrlichen Gestalten , die diesen Raum vertraut beherrschten , mit einer Ehrfurcht empor , als bewahrten sie das Geheimniß des Lebens , nach dem seine krankhafte Seele seufzend und vergeblich umher gesehen . So kam es , daß der junge vornehme Graf Crecy , der seine ganze Schüchternheit hoffen konnte , an den verschiedensten Höfen Europas zurück gelassen zu haben , sie hier vor zwei Menschen wieder fand , die ohne Rang und Reichthum , von der Welt vergessen , nicht viel anders denn Einsiedler , nur ein stilles Naturleben zu führen schienen . Er hatte nicht Zeit , sich zu fragen , woher ihm dieser Eindruck kam ; fortgerissen , fühlte er ein Entzücken , ein Verlangen , sich hinzugeben und anzuschließen , das nur gemäßigt ward eben durch das Gefühl von Schüchternheit , womit er sich sagte : sie haben keinen Andern nöthig zu ihrer herrlichen Existenz , Jeder ist ihnen ' überflüssig oder störend , Jeder , der diese Schwelle überschreitet , muß sich für einen Bettler halten , der da harret , ob sie von ihrem Reichthum ihm mittheilen wollen . Wenig lag so hoher Anspruch in dem Verhalten von Vater und Tochter , und gewiß war es , sie ahneten nicht , ihn bei Andern für sich hervorgerufen zu haben , obwohl sie ein edles Selbstgefühl hatten , ein Bewußtsein und Vertrauen zu ihrer Gesinnung . Der Vater hatte die Tochter erzogen , indem er mit ihr lebte , und seine edle , sanfte und hingebende Natur die Atmosphäre bildete , in der sie sich von Jugend auf gerade und gesund aufrichten konnte , das schöne Haupt nach oben gewendet . Die Welt lag wie eine bunte Fabel hinter dem grünen Walde , dessen Ende sie nie fand . Was darin vorging , las sie aus großen Geschichtsbüchern , und glaubte davon , was sie konnte , und behielt auch nur das - denn die Geheimnisse der Natur begreifen wir auf jedem Isolirpunkte der Erde , die Geheimnisse des Lebens erst , wenn wir sie an uns selbst erfahren . Vor den kleinen Neckereien der Erziehung , mit denen die Jugend sich oft so schmerzlich vorarbeiten muß , hatte die Weisheit und die Liebe des Vaters sie geschützt - es war ihr Alles klar und verständlich geblieben , was für und gegen ihre Neigungen geschah , nichts hatte einen Dorn , einen falschen Blutstropfen hinterlassen . Man hätte sie ohne Formen nennen können , wären edle Menschen nicht eigentlich überall die Gesetzgeber der wahren Form , und , was in der Welt tausendfältigem , launenhaftem Wechsel unterworfen ist , nur bei denen unverkümmert wieder anzutreffen , welche die Ursache dazu in einer bewahrten menschlichen Würde finden . - Kleinlich konnte sie in nichts werden , denn ihre erwählten Helden und Heldinnen , denen sie allein glaubte , und ihr Vater , den sie eben so fand , und Emmy , die , um wenige Jahre älter , mit ihr aufwuchs , und einen starken , ernsten Sinn hatte , die wußten all ' davon nichts . - Wie vornehm oder gering sie war , konnte sie auch nie ganz unterscheiden , denn die Gersey ' s , die vornehm sein sollten , erschienen ihr gar nicht so , weil sie unter Vornehm die erhabenen Gestalten ihrer Bibel verstand , Beherrscher der Natur , die mit Gott redeten , und obwohl sie nicht anzugeben wußte , warum die Gersey ' s ihr so erschienen , schüttelte sie doch immer den Lockenkopf und sagte : die sind nicht vornehm . Von dem Stande ihres Vaters hatte sie einen hohen Begriff . Die Priester des alten Testaments , die Könige waren , die Bischöfe des Mittelalters , die Päpste , diese Weltbeherrscher , das waren alle dieselben Priester , wie ihr Vater , und die Schönheit , die hohe Würde des Greises , die kindliche Unschuld seiner Sitten trug dazu bei , ihr kein höheres Ideal fürstlicher Würde geben zu können , als sie bei ihm vorfand . - Da die Familie Gersey , gute fromme Menschen , auch ihrerseits nie anstanden , ihn ehrerbietig zu behandeln , so fehlte ihr jeder Maaßstab für eine solche Stellung in der Welt , und sie war längst mit ihren Gedanken einig , daß ihr Vater eigentlich das sei , was ein vornehmer Mann hieß . Sir Reginald Lester gehörte in der That einer solchen Familie an , obwohl ihm , als jüngstem Sohn , davon kein Vortheil zugeflossen war , als unter stolzen Ansprüchen erzogen worden zu sein , die wenig zu der Nothwendigkeit passen wollten , sich später in jeder Beschränkung des Privatlebens behelfen zu müssen . Er hatte sich jedoch zu früh aus der Welt zurück gezogen , um nicht ihren Widerspruch in der patriarchalischen Einsamkeit seines übrigen Lebens vergessen zu haben . - Auch war er mit seiner Familie gänzlich zerfallen , als er , von dem stolzen Erstgeburtsrechte aus jedem Besitze vertrieben , wenigstens versuchte , als Mensch glücklich zu sein , und ein schönes edles Mädchen ohne Geburtsadel zum Weibe nahm , deren beglückender Besitz ihm nur als Trost und Andenken zwei Kinder , einen bereits als Geistlichen versorgten Sohn und Fennimor , ihr schönes Ebenbild , zurück gelassen hatte . Während wir tiefer in den Grund des Eindrucks zu dringen suchten , der den jungen Grafen so mächtig ergriff , sehn wir ihn mit erhöhter Farbe , mit sanftgebeugtem Kopfe der Anweisung des Greises folgen , der ihn sogleich an die Tafel auf einen der Lehnstühle einlud , und mit ruhiger Würde seinem jungen Gaste gegenüber Platz nahm . Nicht so Fennimor - sie hatte zu thun mit der kleinen Estrade , wo ihre Blumen standen , und trieb dies mit einem Ernste und einer Wichtigkeit , als