s denn ? « fragte der Rezeptor . » Oh ! « rief der Pferdehändler , » da liegen hier mehrere solcher Höfe herum , man heißt sie Oberhöfe ; wenn die nicht manchen Edelmann ausstechen , so will ich nicht Marx heißen . Das Erdreich ist von uralter Zeit zusammengeblieben . Und sparsam und fleißig ist der Nichtsnutz von jeher gewesen , das muß man ihm lassen . Sie sahen ja , wie er sich abäscherte , nur um dem Schmidt die paar Groschen Verdienst zu nehmen . Jetzt freit seine Tochter einen andern jungen Geldschlingel ; die kriegt mit ! Ich bin an der Leinwandkammer durchgegangen , der Flachs und das Garn , das Gebild , die Wäsche und alle mögliche Kramerei ist bis unter die Decke gestopft . Und dazu gibt ihr der alte Schabhals noch bare sechstausend Taler mit . Blicken Sie nur um sich ; ist es nicht hier , als ob man bei einem Grafen wäre ? « Während der letzten Reden hatte der verdrießliche Pferdehändler sacht in die Geldkatze gegriffen und den zwanzig Goldstücken , gleichsam gleichgültig tuend , noch sechs hinzugefügt . Der Hofschulze trat wieder in die Türe , und der andre sagte brummend , ohne ihn anzusehen : » Da liegen die sechsundzwanzig , weil es einmal nicht anders sein soll . « Der alte Bauer lächelte schalkhaft und sprach : » Ich wußte wohl , daß Ihr das Pferd kaufen würdet , Herr Marx , denn Ihr sucht für den Rittmeister in Unna eins zu dreißig Pistolen , und mein Bräunchen paßt Euch dazu , wie bestellt . Ich ging auch nur in das Haus , um die Goldwaage zu holen , und konnte vorhersehen , daß Ihr Euch unterdessen besonnen haben würdet . « Der Alte , welcher in seinen Bewegungen bald etwas ungemein Rasches , bald wieder die größte Bedächtigkeit zeigte , je nachdem das Geschäft war , was er trieb , setzte sich an den Tisch , wischte langsam und sorgfältig seine Brille ab , spannte sie über die Nase und fing nun an , die Goldstücke genau zu wägen . Zwei oder drei musterte er als zu leicht aus , worüber der Pferdehändler ein heftiges Gezeter erhob , welchem der Hofschulze schweigend und kaltblütig , die Waage in der Hand behaltend , zuhörte , bis der andre statt der verworfenen vollwichtige hervorholte . Endlich war die Sache beendigt , der Verkäufer packte bedächtig das Geld in ein Papier und ging mit dem Pferdehändler nach dem Stalle , um ihm das Pferd zu überliefern . Der Rezeptor wartete die Rückkunft der beiden nicht ab . » Mit solchem Klotz ist nichts anzufangen « , sagte er , » aber wenn du uns nur nicht so ordentlich auf die Termine bezahltest , wir wollten dich - « Er fühlte nach seinen urkundlichen Papieren in der Tasche , merkte an ihrem Knittern , daß sie noch darin seien , und schlich vom Hofe . Aus dem Stalle traten der Roßkamm , der Schulze und ein Knecht , welcher zwei Pferde , das des Roßkammes und die erkaufte braune Stute hinter sich herführte . Der alte Schulze sagte , indem er die letztere zum Abschiede streichelte : » Es tut einem immer leid , wenn man eine Kreatur , die man aufzog , losschlägt , aber wer kann dawider ? - Nun , halte dich brav , Bräunchen ! « rief er und gab dem Tiere einen herzhaften Schlag auf die runden , glänzenden Schenkel . Der Pferdehändler war indessen aufgestiegen und sah mit seiner langen Figur und der kurzen Schoßjacke unter dem breitkrempigen lackierten Hute , mit seinen erbsengelben Hosen über den dürren Lenden und den hochhinaufreichenden ledernen Kamaschen , mit seinen Pfundspornen und mit seiner Peitsche wie ein Wegelagerer aus . Er ritt , ohne Lebewohl zu sagen , fluchend und wetternd davon , die Braune am Leitzaum nachziehend . Keinen Blick wandte er nach dem Gehöfte zurück , die Braune dahingegen drehte mehrere Male den Hals um und wieherte wehmütig , als wollte sie klagen , daß ihre gute Zeit nun vorüber sei . Der Hofschulze blieb , die Arme in die Seite gestemmt , mit dem Knechte stehen , bis der Zug durch den Baumgarten verschwunden war . Dann sagte der Knecht : » Das Vieh grämt sich . « - » Warum sollte es nicht ? « erwiderte der Hofschulze , » grämen wir uns doch auch . Komm auf den Futterboden , wir wollen Hafer messen . « Zweites Kapitel Rat und Anteil Indem er sich mit dem Knechte dem Hause zuwandte , sah er , daß der Platz unter den Linden schon wieder von neuen Gästen eingenommen war . Diese hatten aber ein sehr verschiedenartiges Ansehen . Denn es saßen da drei bis vier Bauern , seine nächsten Nachbarn , und neben ihnen saß ein bildschönes Mädchen . Dieses bildschöne Mädchen war die blonde Lisbeth , welche im Oberhofe genächtiget hatte . Ich werde mich nicht vermessen , ihre Schönheit zu beschreiben ; es käme dabei doch nur auf rote Wangen und blaue Augen hinaus , und diese allerliebsten Dinge , so frisch sie sich in der Wirklichkeit halten , sind schwarz auf weiß etwas abgestanden . Es denke sich daher jeder Leser seine jetzige oder ehemalige Geliebte , und jede Leserin blicke in den Spiegel , oder erinnere sich , wie sie an ihrem Brauttage ausgesehen hat , so wird die Lisbeth vor allen Leuten dastehen , wie sie leibt und lebt . Der Hofschulze ging , ohne sich vorläufig um die langhaarigen , bekittelten Nachbarn zu kümmern , auf seinen blühenden Gast zu und sagte : » Nun ? Gut geschlafen , Mamsellchen ? « » Prächtig « , versetzte Lisbeth . » Was haben Sie denn am Finger ? Sie tragen ihn ja verbunden ? « fragte der Alte . » Nichts « , antwortete das junge Mädchen und errötete . Sie wollte eine andere Unterredung anfangen . Der