, daß er blitzend über Gersems Haupt flog , und die tiefe breite Wunde in seinem Schädel , mit der er niederstürzte . Als meine Besinnung wiederkehrte , hörte ich ein geistliches Lied mit leiser Stimme neben mir singen , und der feine Geruch von dem ersten Grün des Kalmus und der Weide war um mich verbreitet . Ich versuchte die Augen zu öffnen , aber ich fühlte mich so erschöpft , daß ich es erst vermochte , nachdem die wiederkehrende Besinnung mir all ' die erlebten Schrecken zurück rief . Ich sah mich in einem düstern niedrigen Zimmer , spärlich von einer Lampe , mehr durch das Licht des Mondes , der in seiner Fülle durch ein offenes Fenster drang , erhellt und auf einem Lager ausgestreckt , wie man es für Sterbende von Stroh , mit weißen Tüchern bedeckt , zu bereiten pflegt . An meiner Seite saß ein Weib in armseliger Bauertracht , sie sang das Lied , welches mich zuerst erweckt , und dessen rührende Worte mir jetzt verständlich wurden . Dazwischen drang aus einem andern Theile des Hauses heftiges Gespräch und Gelächter . Ich wollte mich eben mit aller Kraft erheben , obwohl meine Glieder mir steif und todtenkalt erschienen , als das fromme Lied meiner Gefährtin durch Männerschritte unterbrochen , die Thür aufgestoßen ward , und ein Mann eintrat , dessen erstes Wort mich meinen Verfolger erkennen ließ . Kaum unterdrückte ich den Schrei des Entsetzens , doch meine Erstarrung half mir ; ich schloß sogar meine Augen . Er fragte das Weib , ob ich noch kein Lebenszeichen gegeben . Sie ist todt , Sir , sagte die Alte , in der ich nun diejenige erkannte , die mich am Tage zuvor gepflegt hatte ; glaubt mir , das junge Leben ist dahin . Schweig ' ! rief er wild , todt oder lebend , sie muß mit fort ; so wie der Morgen kömmt , breche ich auf , und Ihr geht und sorgt für meine Leute ! Er näherte sich meinem Lager und bog sich über mich . Welch ' ein Augenblick ! Ich preßte den Athem zurück , unbestimmt noch fühlte ich , dies müßte meine Rettung werden . Und was ist das ? rief er wild , indem er , wie es schien , einen Zweig aus meiner Hand riß , was sollen diese Todtenkräuter ? Ich bestreute ihre Leiche mit dem ersten Grün , sprach das gute Weib ; soll ihr junger Leib da liegen , ohne den Schmuck der Jugend ? Ich glaube , ihm graute , denn er verließ schnell das Zimmer . Ich hielt den Athem an , bis seine Schritte in dem Geräusche der untern Stube verhallten , dann nahm ich alle meine Kräfte zusammen , um zu sprechen . Doch meine ersten Worte ergriffen die gute Frau , die sich in den Gedanken an meinen Tod vertieft hatte , so heftig , daß sie mich hätte verrathen können . Sie sagte mir auf meine Frage , die Leiche meines Begleiters sei am Tage vorher schon weiter gebracht , mir aber habe der Herr da unten etwas Ruhe lassen wollen , da er mich nicht für todt gehalten hätte . Doch gab sie endlich meinen Bitten nach , mich zu befreien . Ich knüpfte ein Seil , welches sie herbeischaffte , an den Fensterrahmen , um meines Entkommens Verantwortlichkeit der guten Alten abzunehmen . Dann eilte ich , ach kaum fähig zu gehen und doch von Angst getrieben , an der fürchterlichen Thür vorüber aus der Hütte . Im Walde fand ich einen Knaben , den sie mir mitgab , mich auf die Heerstraße nach London zu führen ; weiter reichten meine Gedanken für ' s Erste nicht . Noch ehe der Mond unterging , waren wir hindurch , denn ich fühlte meine Kräfte auf ' s Neue erhöht . Als wir nach dem Verschwinden des Mondes bei nun eingebrochener Dunkelheit die Heerstraße erreicht hatten , verließ mich mein letzter Trost , der gute Knabe , den ich nicht aufhalten durfte , um nicht seine Mutter und mich zu verrathen . Ich war nun allein , und unter welchen Umständen ? Aber Gott hielt mein Herz , er rief meine Gedanken zu sich , ich konnte zu ihm beten , und die Schrecken meiner Lage fielen ab von mir ; als ob um mich her sichtbare Engel gingen , so muthig , so in der Gegenwart Gottes fühlte ich mich . Als der Morgen anbrach , war ich weit vorgedrungen . In der Nacht mußte ich an der Stelle vorüber gegangen sein , wo der Mord an Gersem verübt war . Ich befand mich schon auf Punkten , die ich Tages vorher nicht gesehen , und die Straße war noch gebahnt ; doch das Tageslicht erfüllte mich mit neuem Grauen . Ich bemühte mich , meine Kleider unscheinbar zu ordnen ; aber endlich kamen Menschen daher , und ich erregte doch so viel Erstaunen , daß ich mich jeden Augenblick neuen Gewaltthätigkeiten ausgesetzt glaubte . Auch stellte sich bei zunehmender Müdigkeit ein unabweisbares Bedürfniß nach Nahrung ein ; aber der Muth fehlte mir , bei gänzlichem Mangel an Gelde , in den Dörfern oder Hütten darum zu bitten . Ich hoffte durch Schlaf mich zu stärken und suchte in einem Gehölze hinter einer hohen Hecke einen Ruhepunkt . Aber der Schlaf mag nicht erscheinen , wo Durst und Hunger quälen ; er nahte mir nicht , und mit Entsetzen fühlte ich so meine Kräfte immer mehr schwinden . Ich scheute den Tod nicht , obwohl Gott es weiß , daß ich ihm gehorsam blieb und ihn nicht rief ; aber meine Gedanken stumpften sich immer mehr ab , so daß ich endlich , ganz gleichgültig gegen Alles , mich wieder weiter schleppte . Meine klarste Vorstellung ist , daß ich von der Kälte des Morgens am Rande eines Waldes erweckt ward . Meine Kleider waren naß vom Thau , ich fühlte Frost ; der