werden . Er zählte die Summen auf , die nachgetragen werden müßten , und versetzte , als Hermann seine Einwürfe dagegen vorbrachte : » Diese Zweifel wollen wir den Herrn Revisoren überlassen . « » Ich glaubte den Sinn Eurer Durchlaucht durch die Art , wie ich dieses Geschäft behandelt , getroffen zu haben « , wandte Hermann bescheiden ein . » Nach meiner Meinung dürfte ein Teil des Schadens gegen den Gewinn aufzurechnen sein , den uns die glückliche Verändrung der Dinge gebracht hat . « » Was ich oder meinesgleichen ihr Großes zu danken hätte , wüßte ich so eigentlich nicht « , versetzte der Herzog . » Über diesen Punkt gilt das : Post hoc , non propter hoc , mit vollem Rechte . Der Adel ist so alt , als die Welt , und daß man wenigstens in Monarchien ihn nicht entbehren kann , werden Sie mir zugestehn . Da nun der Freiheitsschwindel längst vorüber , und alles bereits wieder in die gewohnten Formen eingelenkt war , da man überall große Reichslehen schuf , so würde man sich auch schon wieder nach uns umgesehn haben , und vermutlich ständen wir , wo wir jetzt stehn , wenn auch die Sachen geblieben wären , wie sie waren . « Hermann mußte sich bequemen , eine Kriegsschädenrechnung anzufertigen , die ihm sehr übertrieben zu sein schien . Gefielen ihm nun dergleichen Grundsätze keinesweges , so war sein Mißvergnügen doch nur vorübergehend . Das Schloß , und die ganze Lebensweise darin , übte auf ihn denselben Eindruck aus , von dem wir bereits bei dem jungen Rechtsgelehrten geredet haben . Er empfand ein eignes Vergnügen , für sich , allein durch die hohen Bogengänge und Hallen , seinen Gedanken überlassen , stundenlang zu wandern , und er hätte nie geglaubt , daß eine so einförmige Tagesordnung , wie sie hier herrschte , ihm , der an Abwechslung gewöhnt war , in dem Grade behagen könne . Er ließ sich von dem Elemente , welches ihn umgab , fortspülen , und schob die Gedanken an die Zukunft weit hinaus . Freilich trug zu seinem Wohlbefinden die Güte , womit ihn die Herzogin behandelte , vieles bei . Sie hatte gewisse Einflüstrungen , die ihr über ihn gemacht worden waren , mit Verachtung von sich gewiesen , und mochte ein stilles Bedürfnis empfinden , den unschuldig Angeklagten durch besondre Freundlichkeit für die ihm zugefügte Unbill schadlos zu halten . Überdies gehörte sie nicht zu den Frauen , die an unmündigen Männern Gefallen finden , und die Sorge für ihre Erziehung sich aufbürden mögen . Hermanns gewandte Entschiedenheit , der leichte Ton , mit welchem er von allem wenigstens zu reden wußte , waren Eigenschaften , die ihm bei ihr nur nützten . Bald erkannte sie auch , daß der Anschein von Übermut und Selbstgenügen , welchen er bei der ersten Begegnung Fremden zeigte , durch die nähere Bekanntschaft sich sehr minderte . Er schadete in der Tat immer nur sich und nie andern . An tausend Zeichen nahm sie wahr , daß er in jedem Augenblicke bereit sei , sich im Dienste seiner Freunde aufzuopfern . Die Farbe der Zeit konnte er nicht verleugnen , aber im Innersten mußte man ihn für unversehrt erklären . Wenn er seinerseits durch die Bemühungen für den Herzog sich ein stilles Recht auf das längre Verweilen in diesen Mauern zu erarbeiten meinte , so empfing er dagegen durch die Gemahlin nur Geschenke , für welche er sich ewig als Schuldner fühlen mußte . Solange er Rekonvaleszent war , wurde ihm ihre liebende Sorgfalt zuteil . Sie verbot ihm über Tische die Speisen , welche er nach ihrer Meinung noch nicht genießen durfte , sie warnte ihn , wenn ein Abendspaziergang zu lang zu werden drohte . Wir wissen nicht , ob es Absicht oder Zufall war , daß er , als er dies bemerkte , gegen ihre Gebote zu sündigen liebte ; es könnte sein , daß er den Wunsch empfunden hätte , von solchem Munde recht häufig zurechtgewiesen zu werden . Das ist gewiß : er wäre unter diesen Bedingungen gern immer krank gewesen . Bald erteilte auch sie ihm einen Auftrag , welcher ihm angenehmer war , als die Korrespondenz mit Behörden und Verwaltern , die ihn der Herzog besorgen ließ . Sie zog eines Tages ein Heft aus dem Pulte , und fragte , indem sie es ihm zum Lesen einhändigte , ob er wohl glaube , daß in ihr eine Schriftstellerin verborgen sei ? Er sah den Titel an . Es war eine Übersetzung des Romans » Ivanhoe « von Walter Scott . Dieser Autor stand grade damals bei uns in der höchsten Blüte seines Ruhms . » Erschrecken Sie nicht , wie die Männer pflegen , wenn sie von einer neuen Gelehrten oder Dichterin hören « , sagte die Herzogin scherzend . » Ich habe das Buch nur für mich übersetzt , um die Sprache aus dem Grunde zu lernen , nicht um den Meßkatalog damit zu vermehren . Aber ich möchte , da ich mir einmal die Mühe gegeben habe , es auch gern in vollkommner Gestalt sehn , und wünsche nicht , daß in meinem Büchlein , wie in dem Produkte jener Prinzessin , von der Sie neulich das Märchen vorlasen , der Mond in der Welt hereinscheine . « Sie fragte ihn , ob er die Mühe übernehmen wolle , das Werk von Stilfehlern und grammatischen Unrichtigkeiten zu säubern ? Wer war froher , als er ? Er nahm das Heft mit , und betrachtete innig erfreut die zierlichen perlenrunden Züge der Handschrift , worin eine Zeile , wie die andre , in gleichen Zwischenräumen grade fortlief . Wenn irgendwo die Schrift die Sinnesart ausdruckte , so war es hier der Fall . Hermann weidete sich an den Blättern , wie an einem Gemälde , bevor er sein Werk begann , welches er auch mehr als galanter Kavalier , denn als kritischer Zensor vollbrachte . Es schien