und ohne Bedenken zur Schau legend ! Nicht einmal die heilige Handlung beschäftigt sie in diesem Augenblicke , die Glockentöne , die der Menge das Zeichen geben , sich zu bekreuzen , die Brust zu schlagen , werden von ihr überhört . Gedankenlos läßt sie die geweihten Kugeln durch die Fingerspitzen gleiten ; denn offenbar verweilt bei andern Gegenständen ihr Sinn , und bald furcht sich ihre Stirn , bald glättet sie sich ; bald lächelt ihr Mund , bald seufzt er schwer auf , wie man zu thun pflegt , wenn man sich abmüht , der Seele einen Entschluß abzuringen , vor dem man sich selber scheut . - Wallradens rasches Emporrichten endigte seine Betrachtungen ; an deren Stelle trat des Ohrs Aufmerksamkeit , da Wallrade , von den Donnertönen der Orgel umbraust , Gelegenheit fand , dem Nachbar etwas Geheimes mitzutheilen . - » Ich will glauben , « flüsterte sie sanfter denn zuvor , » daß das Bemühen aufrichtig ist , mit welchem der Jüngling Dagobert gut zu machen sucht , was der Knabe an der Schwester verbrach . Ich zaudre daher nicht , des Mannes Freundschaft anzunehmen , mit meinem Vertrauen zu erwiedern , und ihm Anlaß zu geben , meinen Dank zu verdienen , so fern er mir zusagt , das Anvertraute zu bewahren wie ein Mann , nicht wie ein Plauderhaftes Weib . « » Zählt darauf , Wallrade ; « erwiederte Dagobert : » ich könnte eines Zauberschatzes Hüter seyn , Monden lang , ohne ihn durch ein einzig Wörtlein in Asche und Kohlen zu verwandeln . Kann ich vollends Euern Dank dadurch verdienen , bin ich gern bereit zu thun , was Ihr verlangt , um nur Euer Vorurtheil zu widerlegen . « » Vernehmt denn ; « sprach Wallrade , vertraulich werdend : » Es langte heute in des Kaisers Gefolge ein Mann an , der sich schwer an mir verging . Dieser Frevel ist Euch gleichgültig , und somit verschweige ich ihn . Der Anblick dieses Mannes jedoch ist mir eine Folter , da ich mich nicht thätlich an ihm rächen darf , obgleich er mich sehr zu fürchten hat . Sehr ; sage ich Euch : der Verdammte fürchtet nicht also seinen Henker . Ihn zu vertreiben aus meiner Nähe , den Beleidiger , ist mein einz ' ger Wunsch , und , um diesen erfüllt zu sehen , spreche ich Euch , dessen offne Keckheit ich beifällig wahrgenommen , um Hülfe und Beistand an . « » Wie kann ich aber mich in dieß seltsame Beginnen einlassen ? « fragte Dagobert verwundert . - » Ein einziger Besuch ist hier hinreichend ; « versetzte Wallrade . » Der , den wir meinen , heißt Rudolph Bilger von der Rhön , und ist einer von des Kaisers Jagdleuten . Zieht Kunde ein von seiner Wohnung , sucht ihn heim , und sagt ihm dürr heraus : mein Wille sey ' s , daß er wieder von dannen scheide , da mir seine Anwesenheit Ärgerniß gebe . Diesem Begehren möge er auf ' s Schleunigste gehorchen , oder meines Thuns gewärtig seyn . - Das ist Alles . Verspricht er , zu thun , wie ich begehre , so laßt ihn ruhig ziehen ; weigert er sich , so fordert ihn vor die Klinge . Ihr habt den Muth dazu , doch gelobe ich Euch , daß es so weit nicht kommen wird . Keines weitern Eingehens in die Sache , nur meines Namens und eines befehlenden Tons bedarf ' s , um sicher den Zweck zu erreichen . « » Ihr scheint Eures Mannes verzweifelt gewiß ; « meinte Dagobert etwas verlegen : » Wie aber kömmt es , Schwester , daß Ihr keinem Eurer Freier diesen Auftrag gebt ? « » Weil sie meine Freier sind , « antwortete Wallrade ; » weil ich niemals heirathen werde , und folglich auch nicht die mindeste Hoffnung dazu geben will . « » Ich werde demnach in diesem Geschäfte Euer stummes unwissendes Werkzeug vorstellen ? « fuhr Dagobert fort ; » wie der eigenhörige Knecht , der Hab ' und Leben wagen muß , blos weil sein Herr es will , und die Vernunft der Gewalt gehorcht ? « » Befremdet Euch das ? « fragte Wallrade , aufstehend ; denn der das Hochamt haltende Domprobst sang so eben das feierliche : Ite , missa est : » Seht um Euch her , lieber Bruder Grübler ; seht auf Euer Kleid , und nehmt die Vernunft gefangen . Ihr seyd dem Weltall eigen , das erst , nachdem Ihr ihm Alles geopfert , vielleicht Euch offenbart , warum dieses seyn mußte ; Ihr strebt darnach , der Leibeigne eines Standes zu werden , der für Alles den Löseschlüssel hat , Alles verzeiht , nur das Vernünfteln nicht . Übt Euch vor der Hand in solcher Pflicht , und gehorcht den Launen eines Weibes , denn nur dadurch erkauft Ihr das Gefühl , welches Ihr von meinem Herzen verlangt . « Sie schritt von dannen , der Knecht voraus , Dagobert ihr zur Seite , hart an den besprochnen Freiwerbern vorüber , wie nicht beachtet wurden . - » Ich werde Euch willfahren , Wallrade , « sprach der Bruder unter der Pforte : » ich habe es Euch zugesagt ; aber weh thut mir ' s , daß eine Art von Schergenhandlung , deren Zweck und Grund ich nicht begreife , der Preis Eurer schwesterlichen Zuneigung werden soll , die mir mein redliches Werben , die Bande des Bluts und unsers Vaters Liebe hätten zusichern müßen . - « » Die Redlichkeit des Mannes ist Lüge meistentheils , « versetzte Wallrade kalt und hart : » die Verwandtschaft achte ich nicht - Kain erschlug den sanften Abel - und Diether Frosch , dessen Namen ich nicht mehr trage , hat aufgehört , mein Vater zu seyn , da er die Leuenbergerin zur Ehgemahl erwählte . Schweigt also von Dingen ,