tiefe Ehrfurcht auszusprechen gewohnt war . Unter ihnen schien besonders ein junger Mann mit einer verachtenden Miene in einem gewissen Glauben und Ansehen zu stehen . Die Frauenzimmer sahen ihn beständig an , wenn es darauf ankam , ein Urteil zu sagen , und suchten in seinem Gesichte seinen Beifall oder Tadel im voraus herauszulesen , um sich nicht etwa mit etwas Abgeschmacktem zu prostituieren . Er hatte viele genialische Reisen gemacht , in den meisten Hauptstädten auf öffentlicher Straße auf seine eigene Faust Ball gespielt , Kotzebue einmal in einer Gesellschaft in den Sack gesprochen , fast mit allen berühmten Schriftstellern zu Mittag gespeist oder kleine Fußreisen gemacht . Übrigens gehörte er eigentlich zu keiner Partei ; er übersah alle weit und belächelte die entgegengesetzten Gesinnungen und Bestrebungen , den eifrigen Streit unter den Philosophen oder Dichtern : Er war sich der Lichtpunkt dieser verschiedenen Reflexe . Seine Urteile waren alle nur wie zum Spiele flüchtig hingeworfen mit einem nachlässig mystischen Anstrich , und die Frauenzimmer erstaunten nicht über das , was er sagte , sondern was er , in der Überzeugung , nicht verstanden zu werden , zu verschweigen schien . Wenn dieser heimlich die Meinung zu regieren schien , so führte dagegen ein anderer fast einzig das hohe Wort . Es war ein junger , voller Mensch mit strotzender Gesundheit , ein Antlitz , das vor wohlbehaglicher Selbstgefälligkeit glänzte und strahlte . Er wußte für jedes Ding ein hohes Schwungwort , lobte und tadelte ohne Maß und sprach hastig mit einer durchdringenden , gellenden Stimme . Er schien ein wütend Begeisterter von Profession und ließ sich von den Frauenzimmern , denen er sehr gewogen schien , gern den heiligen Thyrsusschwinger nennen . Es fehlte ihm dabei nicht an einer gewissen schlauen Miene , womit er niedrere , nicht so saftige Naturen seiner Ironie preiszugeben pflegte . Friedrich wußte gar nicht , wohin dieser während seiner Deklamationen so viel Liebesblicke verschwende , bis er endlich ihm gerade gegenüber einen großen Spiegel entdeckte . Der Begeisterte ließ sich nicht lange bitten , etwas von seinen Poesien mitzuteilen . Er las eine lange Dithyrambe von Gott , Himmel , Hölle , Erde und dem Karfunkelstein mit angestrengtester Heftigkeit vor , und schloß mit solchem Schrei und Nachdruck , daß er ganz blau im Gesichte wurde . Die Damen waren ganz außer sich über die heroische Kraft des Gedichts , sowie des Vortrags . Ein anderer junger Dichter von mehr schmachtendem Ansehn , der neben der Frau vom Hause seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte , lobte zwar auch mit , warf aber dabei einige durchbohrende , neidische Blicke auf den Begeisterten , vom Lesen ganz Erschöpften . Überhaupt war dieser Friedrich schon von Anfang an durch seinen großen Unterschied von jenen beiden Flausenmachern aufgefallen . Er hatte sich während der ganzen Zeit , ohne sich um die Verhandlungen der andern zu bekümmern , ausschließlich mit der Frau vom Hause unterhalten , mit der er eine Seele zu sein schien , wie man von dem süßen , zugespitzten Munde beider abnehmen konnte , und Friedrich hörte nur manchmal einzelne Laute , wie : » Mein ganzes Leben wird zum Roman « - » überschwengliches Gemüt « - » Priesterleben « - herüberschallen . Endlich zog auch dieser ein ungeheures Paket Papiere aus der Tasche und begann vorzulesen , unter andern folgendes Assonanzenlied : » Hat nun Lenz die silbern ' n Bronnen Losgebunden : Knie ich nieder , süßbeklommen , In die Wunder . Himmelreich so kommt geschwommen Auf die Wunden ! Hast du einzig mich erkoren Zu den Wundern ? In die Ferne süß verloren , Lieder fluten , Daß sie , rückwärts sanft erschollen , Bringen Kunde . Was die andern sorgen wollen , Ist mir dunkel , Mir will ew ' ger Durst nur frommen Nach dem Durste . Was ich liebte und vernommen , Was geklungen , Ist den eignen , tiefen Wonnen Selig Wunder ! « Weiter folgendes Sonett : » Ein Wunderland ist oben aufgeschlagen , Wo goldne Ströme gehn und dunkel schallen Und durch ihr Rauschen tief Gesänge hallen , Die möchten gern ein hohes Wort uns sagen . Viel goldne Brücken sind dort kühn geschlagen , Darüber alte Brüder sinnend wallen Und seltsam ' Töne oft herunterfallen - Da will tief Sehnen uns von hinnen tragen . Wen einmal so berührt die heil ' gen Lieder : Sein Leben taucht in die Musik der Sterne , Ein ewig Ziehn in wunderbare Ferne . Wie bald liegt da tief unten alles Trübe ! Er kniet ewig betend einsam nieder , Verklärt im heil ' gen Morgenrot der Liebe . « Er las noch einen Haufen Sonette mit einer Art von priesterlicher Feierlichkeit . Keinem derselben fehlte es an irgendeinem wirklich aufrichtigen kleinen Gefühlchen , an großen Ausdrücken und lieblichen Bildern . Alle hatten einen einzigen , bis ins Unendliche breit auseinandergeschlagenen Gedanken , sie bezogen sich alle auf den Beruf des Dichters und die Göttlichkeit der Poesie , aber die Poesie selber , das ursprüngliche , freie , tüchtige Leben , das uns ergreift , ehe wir darüber sprechen , kam nicht zum Vorschein vor lauter Komplimenten davor und Anstalten dazu . Friedrich kamen diese Poesierer in ihrer durchaus polierten , glänzenden , wohlerzogenen Weichlichkeit wie der fade , unerquickliche Teedampf , die zierliche Teekanne mit ihrem lodernden Spiritus auf dem Tische wie der Opferaltar dieser Musen vor . Er erinnerte sich bei diesem ästhetischen Geschwätz der schönen Abende im Walde bei Leontins Schloß , wie da Leontin manchmal so seltsame Gespräche über Poesie und Kunst hielt , wie seine Worte , je finsterer es nach und nach ringsumher wurde , zuletzt eins wurden mit dem Rauschen des Waldes und der Ströme und dem großen Geheimnisse des Lebens , und weniger belehrten als erquickten , stärkten und erhoben . Er erholte sich recht an der erfrischenden Schönheit Rosas , in deren Gesicht und Gestalt unverkennbar der herrliche , wilde , oft ungenießbare Berg- und Waldgeist ihres