denn nicht jeden Tag schönere Männer in zierlicher Uniform bei ihnen durchmarschierten ? - Der Vorwurf krank zu sein , brachte den Grafen ganz auf , der sich von Kopf bis zu Fuß kerngesund fühlte ; der Ärger wollte sich Luft machen : » Siehst du « , fiel er ein , » ob ich nicht recht habe , eifersüchtig zu sein , also siehst du doch nach schönen Männern und eine züchtige Frau muß eigentlich gar nicht wissen , ob ein andrer Mann als der ihre schön ist ; auch nach Uniformen siehst du ; es ist merkwürdig , wie ein paar bunte Farben , ein paar Tressen , alle Weiber bestechen , derselbe Mensch in Uniform ist ihnen nicht mehr derselbe . « - » Du bist unerträglich « , sagte die Gräfin , » wenn Leute von so schlechten Sitten , von so törichtem Argwohn , wie du , in der Uniform wären , wir Frauen würden sie schon zu unterscheiden und zu meiden wissen . « - » Ich will dir zuvorkommen « , sagte der Graf , sprang fort in sein Zimmer , und die Gräfin weinte stille vor sich ; ihr beleidigendes Wort war ihr leid , denn es war ihr erster großer Streit ; aber sie war zu stolz , um ein besserndes Wort nachzurufen . Der Graf war aufs Feld gelaufen und die Gräfin aß allein zu Nacht , und ließ die tolle Ilse dann zu sich kommen , die ihr lächerliche Geschichten erzählte , wie sie einmal einen Schäfer , der mit seinem Mädchen in einem Schäferwägelchen geschlafen , vom Berge herab in einen kleinen Teich habe rollen lassen , daß die beiden notgedrungen in ein kühles Bad hätten gehen müssen , und Tausende dieses Schlages , die sie an der Schnur hatte ; sie mußte die Gräfin ins Schlafzimmer begleiten , als es spät wurde , und der Graf noch immer nicht heimkehrte . Der Graf hatte in seinem Ärger allerlei Geschäfte gemacht , auch manchen Arbeiter sehr unverdient gescholten . Er wollte es nicht sich selbst gestehen : die vielversprechende Ehestandsglückseligkeit , die nach seiner Überzeugung alle Unruhe aus seinem Herzen tilgen sollte , fand sich doch in gewissen Stunden unwirksam ; auch sie war kein fest bestehender Zustand , sondern mußte immer neu wiedergewonnen werden ; er sah ein , daß wohl manches in seiner Frau zu berichtigen sei , was er längst für ausgemacht in ihr gehalten ; dagegen fand er aber auch für manche ihrer Äußerungen eine bessere Deutung . Ganz verzeihen konnte er doch ihre letzte Beleidigung nicht ; als er spät nach Hause kam , wollte er sich deswegen nicht gleich zu ihr begeben ; sicher meinte er , sie würde ihn aufsuchen , nachdem sie ihm vom Meiden gesprochen . Er wartete , aber sie kam nicht , ungeachtet er noch Licht im Schlafzimmer sah ; wäre er dahin gegangen , so wäre er vielleicht heftig gegen sie geworden . Er blieb also zum ersten Male von ihr weg , streckte sich auf sein Sopha , deckte den Mantel über sich hin , und schlief erst spät ein . Zwölftes Kapitel Versöhnung . Lorenz , der Edelknabe und Rosalie , die Kammerjungfer Der Graf erwachte beim ersten Morgenschimmer . Alles ruhte noch im Schlosse , doch hörte er allerlei Stimmen auf dem Hofe ; leise schlich er sich ans Fenster und horchte durch die sacht geöffnete Fensterspalte . Er sah Dolores im Fenster , so reizend , so wunderbar reizend , wie sie im Morgenschein ganz eigentümlich rot schimmerte : sie sprach mit einem armen Edelknaben , der seit einiger Zeit zur feineren Aufwartung der Gräfin vom Grafen angenommen worden , und mit ihrem ältern Kammerfräulein Rosalie ; und bald erklärte es sich , daß die Gräfin beider Liebschaft belauscht habe , während jene ihr Bad bereitet hatten ; erst schalt sie ein wenig ihre Sorglosigkeit und fragte sie , wovon sie leben wollten ; dann , ohne ihre Antwort abzuwarten , warf sie einen Geldbeutel ihnen zu , befahl ihnen , gleich am Tage ihre Hochzeit zu machen , und seufzte zu ihnen mit einer schönen Träne : » Seid glücklicher als ich ! « Dieser Ausruf der schönen Frau durchschnitt des Grafen Herz . Warum war sie nicht glücklich , sie vermißte ihn ; einige Stunden Trennung von ihm machten sie unglücklich . Nein , er hielt sich nicht , er eilte in das Zimmer seiner Frau und statt ihr zu verzeihen , bat er sie tausendmal um Verzeihung . Sie war nicht eigentlich böse , nicht hart , nicht grausam und ihre Versöhnung war so leicht , so schön , daß beide den ganzen Tag nicht von einander lassen wollten , wie an ihrem ersten Vermählungstage . Doch sie mußten sich trennen , um Bestellungen zum Feste der beiden jungen Leute zu machen ; der Graf nahm alle Verantwortung wegen des versäumten dreimaligen Aufgebots auf sich ; er sendete drei seiner Kutschen in die nächste Landstadt , wo ein paar Dutzend adliger Fräuleins in einem protestantischen Stifte versammelt waren ; er war gewiß , daß ein Dutzend kommen würde , und versprach sich im voraus vielen Scherz von ihrem altjüngferlichen Wesen . Dann ließ er den Hofdielen und mit Blumengewinden behängen und ordnete ein kleines Spiel an , wozu er die Worte und Musik mit der ihm eignen Leichtigkeit gab . Dreizehntes Kapitel Hochzeit des Lorenz und der Rosalie Die Glocken läuteten schon , als alles kaum angeordnet war und die drei Wagen voll Stiftsfräuleins und die Bauern im besten Sonntagsstaate anlangten . Jetzt sah er erst , wie hübsch Rosalie von der Gräfin aufgeputzt war ; hier neben den alten steifen großgenaseten , höckrigen Stiftsfräuleins schien das leichte Kind im weißen Atlaskleide mit Rosabändern , mit ihrer schönen Myrtenkrone wie aus einem überirdischen Geschlechte herabgestiegen , und als hätten jene ihr boshaft die Flügel abgeschnitten , um sie unter sich zu bewahren ; und doch verschwand sie wieder so