da ich dies schreibe , wirst du bereits mehr wissen ; denn ich zweifle nicht , daß Serranus und mein Vater nicht gesäumt haben werden , bei meiner Mitverschwornen , wie sie dich nennen , genauere Erkundigungen über eine Begebenheit einzuziehen , von der sie dich gewiß vollkommen unterrichtet glauben . Es wird nicht auf die schonendste Art geschehen seyn ; auch dafür muß ich deine Verzeihung anflehen , obwohl ich dir nicht ungern eine kleine Buße für den warmen Schutz gönnte , den du vor einiger Zeit dem Serranus angedeihen ließest , als du sogar fandest , daß er ein recht erträglicher Mann sey , mit dem du ganz gut hättest leben können . Doch lassen wir Serranus , und Alle , die ihm beistanden . Meine Ketten sind zerbrochen . Ich bin frei ; und es ist nicht die Hand des ernsten Genius , der , seine Fackel senkend , mitleidig meinem Leiden ein Ende macht - ein schönerer fröhlicherer Gott hat die Fesseln gelöset , und seine hellleuchtende Fackel führte , wie das Gestirn der Dioscuren , unser Schiff dem sichern Zufluchtsorte zu . Und diese namenlose Seligkeit danke ich den drei Wesen , die mir auf der Welt am theuersten sind , dir , dem edlen Agathokles , und ihm - ihm , der aus der düstern Nacht der Zweifel und des Mißtrauens , schön und glänzend wie das Gestirn des Tages , hervortrat , alle Schatten verscheuchte , alle Thränen trocknete , und mich zur höchsten Wonne erhob . O wer nicht unglücklich war , wie ich , weiß einen solchen Uebergang nicht zu schätzen . Nur der befreite Sclave kennt das Glück , fessellos zu seyn , und ich war Sclavin , Sclavin im engsten , drückendsten Sinne des Wortes - denn auch mein Geist war gebunden . Jetzt bin ich frei , frei , meine Calpurnia , und im Arme der Liebe fühle ich die Seligkeit meines Daseins ! Doch ich soll dir ja erzählen und berichten , was mit mir vorging . Zehn Tage sind es jetzt , als ich am Morgen nach einer halbdurchweinten Nacht , matt und krank , auf meinem Bette lag . Da trat meine Chromis ein . Ein fröhlicheres Gesicht , als ich seit langer Zeit nicht an dieser treuen Seele sah , erweckte mich zuerst aus meinen düstern Gedanken . Eine Botschaft von dir , vielleicht Hoffnung auf deine Ankunft war das erste , das mir einfiel . - Was hast du ? gute Nachrichten aus Rom , von Calpurnien ? » Mitunter , aber auch von Weitem her , auch aus Asien . « Aus Asien rief ich heftig , was weißt du aus Asien ? » Der Prinz ist auf dem Wege nach Italien . « Nicht möglich ! Warum ? Weswegen ? - Ich war aufgesprungen , und stand zitternd vor Chromis . » Fasse dich , meine Gebieterin ! « sagte das gute Mädchen , und leitete mich zurück zu Meinem Bette . » Wie willst du den Verlauf meiner langen , langen Botschaft anhören , wenn die ersten Worte dich so erschüttern ? « O sprich , sprich ! Du tödtest mich durch dein Zaudern . Wo ist Tiridates ? » Nicht weit von hier ! « Was will er ? Was soll ich ? Er wird doch nicht - nach dem , was vorgefallen ist - » Er kömmt wahrscheinlich , um sich zu vertheidigen , und die bösen Gerüchte zu widerlegen , die man sich über ihn erzählt . « - Er kommt hierher ? Ich soll ihn sehen ? O ich kann nicht , ich kann nicht ! - » Doch , meine Gebieterin ! Du sollst ihn sehen , anhören , ihm verzeihen ! - - O du verzeihst ihm gewiß . Wer kann ihm denn zürnen , wenn man ihn sieht ? « Du hast ihn gesehen ? rief ich in der größten Erschütterung . Wo ist er - wo ? Und ich sprang auf ' s Neue auf , und wollte hinaus eilen , als Chromis mich zurück hielt : » Erlaube mir , meine Gebieterin ! dich an die Tageszeit , an deine Gesundheit zu erinnern . Die Sonne ist kaum aufgegangen , du bist leicht gekleidet , und wir sind allenthalben beobachtet . « Ich blieb stehen , aber Alles brannte und pochte in mir . Was soll ich denn thun ? rief ich endlich halbweinend aus : Was hast du mit mir vor ? - » Wenn du dich beruhigen , wenn du mich gelassen anhören willst , so will ich dir Alles erzählen . « Was war zu thun ? Diesmal mußte die Frau der Sclavin folgen . Ich ließ mich wie ein Kind von ihr leiten , und nun erzählte sie mir , daß man sie gestern Abends , als ich schon schlief , unter dem Vorwand , einer ihrer Verwandten warte im Gasthof des Dorfes auf sie , dahin gerufen habe . Sie ging , und war sehr erschrocken , statt ihres Vetters , einen vermummten Unbekannten zu finden , der sie auf eine geheimnißvolle Weise in einen Winkel des Hauses führte , und sich ihr dort zu erkennen gab . Er war es - mein Tiridates ! mein Befreier , meine rettende Gottheit ! Er war gekommen , mich zu befreien , er hatte dem stürmischen Meer in dieser Jahreszeit Trotz geboten , und einen gefährlichen Plan entworfen , um mich zu retten . O fühle , fühle , Calpurnia ! den Himmel , der in dem Gedanken liegt , so geliebt zu seyn ! und von einem Wesen , wie mein Tiridates ! Mein Tiridates ! Ich sage es mit Stolz und Götterlust - er ist mein ! Du , Calpurnia ! weißt nicht , was ich an ihm besitze ; du warst nur seine Freundin , nicht seine Geliebte , seine Braut . Ich weiß , du achtest und liebst ihn ; aber es ist nicht