der von der Natur so ganz zum Soldaten geeignet war , sich eine Zeit lang in der ländlichen Stille , in friedlicher Thätigkeit , in zweier lieblichen Weiber Mitte gefiel , war mehr der Neuheit und Seltenheit wegen , als daß es seinem innern Geschmack zugesagt hätte . Bald wurde es ihm zu enge ; er schnappte nach Luft ; ihm war nur wohl , wenn er des Tages ein paar Pferde müde geritten hatte ; und endlich war ' s auch Albertinen wohl , so herzlich sie ihn liebte , wenn sich das liebe Ungethüm vom Hause entfernte . Angefeuert durch das Beispiel der Freundinnen , ergab sich Albertine jetzt mehr , als je , den Künsten ; es freute dann Lindenhain wohl , wenn unter ihrem Pinsel etwas Meisterhaftes entstand , aber er schalt doch auch , wenn etwas Wirthschaftliches versäumt oder aufgeschoben war . Er bedachte nicht , daß es in der Natur der Dinge liegt , und daß es unbillig ist , vom Weibe zu fordern , was der seltne Mann nur vermag : allem zu genügen . Würde sich weibliches Talent im Wettstreite mit dem männlichen nicht ungehemmter entwickeln , müßte sich das Weib nicht zugleich hundert zeitversplitternden Arbeiten hingeben ? Und die Hand auf ' s Herz , ihr Künstlerinnen , und schriftstellerischen Weiber , wenn ihr den Pinsel aus der Hand legt , wenn euch eben ein Reim oder lebhaftes Bild auf der Zunge schwebt , gehet ihr dann mit eben so lebhaftem Interesse in die Küche oder an den Wäschschrank , als ihr euch an euren Schreibetisch oder an die Staffelei setzet ? Ich sage nein ! und der Mann , der es von euch fordert , daß die Geistesunterhaltung untergeordnet bleiben soll , ist ein unbilliger . Wer wird , wenn er Nectar haben kann , noch gern sauren Landwein trinken ! Aber das Weib , das im Gefühl ihrer Pflicht und Würde , eines thut und das andere nicht läßt , ist das beste . Albertine hatte nie in einem größern Kreise gewirkt ; sie mußte sich erst hineinstudiren . Die Erfahrung macht die Wirthin , und jene wird oft mit Schaden erst erlangt . Dadurch wurde sie unmuthig ; es wurde ihr schwer , mancher Kleinigkeit , die es in ihren Beziehungen freilich nicht ist , Interesse abzugewinnen , und Lindenhains Vorwürfe verleideten ihr das Ganze . Das versäuerte die Masse um so mehr , da Laurette gewöhnlich bei den Vorwürfen , die Albertine oft , indelicat genug , im Beiseyn mehrerer erhielt , laut lachte oder bejahend einstimmte . Bei der kränkelnden Mutter hatte Albertine eigentlich sehr wenig gelebt , und ihre Phantasie hatte sich durch Lesen und in sich selbst eine Welt gebildet , die nur wenig Ähnlichkeit mit der wirklichen hatte . So hatte sie Freundschaft , Liebe und Ehe kennen lernen , und so war sie untröstlich , daß besonders die Ehe ihrem Ideale , aus Dichtern und Romanen geschöpft , so wenig entsprach . Lindenhain war , wir haben es schon selbst gestanden , durch den Krieg in etwas verwildert ; doch schrieb Albertine diesem mehr auf die Rechnung , als darauf gehörte , und auf die des zum Ehemann gewordenen Liebhabers zu wenig . Der Genuß des zur Gewohnheit gewordenen Guten , kam auch nicht in Anschlag . Es kam Mislaut in die schöne Harmonie des Ganzen . Albertine härmte sich im Stillen . Adelaidens liebenswürdige Munterkeit wehrte dem Unwesen eine lange Zeit ; aber endlich wurde auch sie mit angesteckt . Sie warf Lindenhain bald scherzhaft , bald ernstlich seine ehemännische Laune vor . Sie sagte zuweilen drollig : » Capitaine , Capitaine ! Ich habe Ihre Kopfwunde schlecht geheilt ; Sie phantasiren noch . « Da kam es denn zu Erörterungen , zu Mittheilungen von allen Theilen , und es konnte Albertinen nicht angenehm seyn , daß eben Adelaide das Depot der beiderseitigen Beschwerden wurde . Als Schiedsrichterin war sie viel zu schön und zu jung . Für Lauretten waren diese Verhältnisse wahrer Genuß . Sie lebte wie von neuem auf , und wußte bald Albertinen auf Lindenhains Vertrauen zu Adelaiden , bald Lindenhain auf Albertinens erheiterte Laune , wenn Albert zugegen war , geschickt aufmerksam zu machen . Lindenhain war nicht eifersüchtig ; aber der oft Betrogene war mißtrauisch ; auch mißtrauisch gegen seine Albertine , gegen Albert , gegen den besten Menschen ; und dies war ein Zug in seinem Karakter , den Albertine noch nicht kannte , den er nie Anlaß gehabt hatte , gegen sie zu entwickeln , und den er selbst nicht kannte , als er Alberts Entfernung hintertrieb . Maß sich Lindenhain mit Albert , so fiel ihm sein fehlender Arm schmerzlich auf ' s Herz . Maß sich Albertine mit Adelaiden , so sahe sie in sich die gewohnte Ehefrau , bei der alles Pflicht und Schuldigkeit , wie bei jener alles freier Antrieb und Edelsinn war . Noch waren aller Herzen rein ; aber - was sollte in der Folge daraus werden ? Was daraus werden mußte . Ein verstimmtes Instrument , das nur noch Mißlaute von sich gab . Henriette , die es lange nicht hatte bemerken wollen , mischte sich endlich , von Albertinen aufgefordert , darein . Sie redete Lindenhain an ' s Herz , der ihr eine kecke Antwort gab , und unter andern sagte : » er wisse sich zu bescheiden ; ein Krüppel könne freilich nicht viel Ansprüche machen ; er fände es endlich nicht unnatürlich , wenn ein schönes , junges Weib einen bildschönen Mann , dessen Gattin sie ohnehin hätte werden wollen , vorzöge . « » Lindenhain , nehmen Sie mir es nicht übel , jetzt sind Sie gemein . Eifersucht würde ich der Liebe verzeihen ; aber Mißtrauen in die edelsten Menschen - pfui ! schämen Sie sich ! Und wer dürfte es Albertinen verdenken , wenn sie des ewig vorwerfenden , zurechtweisenden Umganges , der die Arme zur Marionette herabsetzt , überdrüßig